Author Topic: Tipps zur Photographie  (Read 241 times)

Linie 38

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Tipps zur Photographie
« on: June 02, 2014, 01:27:50 AM »
Als ich mich vor über sieben Jahren in diesem Forum registrierte, waren es neben dem enormen von der hiesigen Userschaft zusammengetragenen Fachwissen vor allem die zahlreichen mit preisverdächtigen Bildern gefüllten Bildberichte, die mich beeindruckten. Mein Interesse galt zwar schon damals der Photographie, doch kam ich mit meinem damals geringen technischen Hintergrundwissen, meiner Kompaktkamera, die für ihre Größe zwar relativ gut, aber eben doch keine Spiegelreflexkamera war, und wenig Übung/Routine nicht allzu weit. Sieben Jahre und drei Kameras später bin ich auf dem Gebiet der Photographie dank vieler hiesigen User, deren hier veröffentlichte Photos mir eine großartige Inspirationsquelle waren und noch immer sind, und die auf jede meiner noch so laienhaften Fragen eine kompetente Antwort hatten, nicht mehr so unbeholfen, wie zuvor; ich habe es der FPDWL und ihren Usern zu verdanken, heute so viel Freude an der Photographie zu haben - daher an dieser Stelle hierfür ein riesiges, herzliches Dankeschön!!

Die schönste Freude ist bekanntlich jene, die man anderen macht - in diesem Sinne möchte ich nachfolgend versuchen, ein wenig von dem, was mich in den letzten Jahren in Bezug auf die Photographie beeinflusst hatte, in Worte zu fassen und damit zugleich besser spät, als nie, User Bimigels Bitte nachkommen. Die nachfolgenden Ideen sind lediglich als gut gemeinte Vorschläge zu betrachten und erheben keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit oder Objektivität. Ergänzungen, Korrekturen, Anregungen und Kritik sind jederzeit willkommen! :)


Nun aber zur Sache! Wie der Name -- das Wort Photographie kommt aus dem Griechischen und heißt nichts anderes, als "Licht zeichnen" -- schon sagt, brauchen wir Licht; manchmal mehr, manchmal weniger - aber ganz ohne Licht wird's schwierig, zumindest was den Autofokus und die Sichtbarkeit des (ganz im Dunklen befindlichen) Motivs betrifft ;)  Freilich ist es schön, jede Lichtstimmung abseits der Wolkenlosigkeit einzufangen, doch auch der Klassiker "Sonnenschein" wird bestimmt nie langweilig. Was gibt es dazu zu sagen?

Sonnenstand: Ganz simpel: das zu photographierende Motiv sollte - wenn nicht anders beabsichtigt - "im Licht" sein, also die dem Photographen zugewandte Seite vom (Sonnen)Licht beleuchtet werden. Bei der Tramwayphotographie heißt das in der Regel - frei nach der berühmt-berüchtigten "Wiener Schule" -, dass Bug und Fenster- oder Türseite des Zuges beleuchtet sind. Daraus ergibt sich ein bestimmter Einfallswinkel des Sonnenlichts, der im Idealfall 45 Grad in Bezug auf die Fahrtrichtung des Zuges beträgt - dann wären Bug- und Seitenebene (zumindest theoretisch - in der Praxis kommt's auf die Bauform an) etwa derselben Lichtintensität ausgesetzt (man möge mich korrigieren, falls das ein ungeeigneter terminus technicus sein sollte). Gut aussehen tut's aber meistens auch bei einem geringeren oder höheren Einfallswinkel.

Wenn Bug und Tür-/Fensterseite auf's Bild kommen sollen, wenn man ihn also "halbfrontal" ablichten möchte, sollte der Einfallswinkel nie ident mit der Ausrichtung des Zuges sein - das Licht sollte also nicht so einfallen, dass es nur den Bug des Zuges beleuchtet und Tür- sowie Fensterseite schwach bis gar nicht beleuchtet sind. Bei "Hindernissen" wie engeren Straßen mit dichter und vor allem hoher Bebauung ist es jedoch ratsam, dieser "90-Grad-Marke" recht nahe zu kommen, wie das folgende Bild illustrieren soll:



(Anmerkung: Dieses und sämtliche weiteren der Illustration dienenden Bilder in diesem Thread erheben keinesfalls Anspruch auf Perfektion!)

Wie man am Schatten des Bauzaunes sieht, bewegt sich der Einfallswinkel bereits irgendwo zwischen 60 und 70 Grad herum; alle Flächen im Bild, die parallel zur Fensterseite des Zuges ausgerichtet sind, also etwa die seitliche Randsteinfläche, sind bereits deutlich schwächer beleuchtet, als sie es noch vor 1-2 Stunden waren. Dagegen sind alle Flächen, die orthogonal (d.h. im Rechten Winkel) auf die Fensterseite des Zuges stehen, bereits stark ausgeleuchtet, da die Sonnenstrahlen fast schon im rechten Winkel einfallen. Die Fensterseite des Zuges ist auch bereits grenzwertig ausgeleuchtet; der Vorteil ist jedoch, dass zu diesem Zeitpunkt (bzw. Sonnenstand) etwaige störende Schatten, die "von rechts kommen" und einige Stunden zuvor am Gegengleis und noch früher auch am Zug selbst zu sehen wären, bereits "weitergewandert" sind.

Gerade in solchen "Straßenschluchten" mit relativ geringer Straßenbreite aufgrund des relativ geringen Abstands von Hausmauer zu Hausmauer empfiehlt es sich, den Sonnenstand "auszureizen" und das Optimum aus (noch) gut ausgeleuchtetem Zug und (schon) gut ausgeleuchteter Straße herauszuholen. Auch andere Dinge, wie Bäume (vor allem zwischen Frühsommer und Spätherbst, da in dieser Zeit am dichtesten "belaubt"), Verkehrszeichen oder sonstige Stangerln, wovon wir hier in Wien ja so viele haben, können tückisch werden! So kann es schnell einmal vorkommen, dass an einer schön ausgeleuchteten Photostelle ein Stop-Schild einen (durch projektionsbedingte perspektivische Verzerrung schön langgezogenen) Schatten auf den Bug eines Zuges wirft. Solche Dinge sind zwar absehbar, können aber in der Eile leicht übersehen werden. Daher: am besten gleich die Serienbildfunktion bemühen! So lässt sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass einem ein Passant oder Auto ins Bild läuft/fährt, verringern.

Wenn man sich die Rechnerei mit Astronomie-Bezug sparen will, gibt es einige nette Tools, die den Lichteinfall des Sonnenlichts berechnen können - darunter etwa Suncalc (unentgeltlich) oder - zumindest für iOS zu haben - LightTrac. Doch Vorsicht: der vertikale Einfallswinkel (also laienhaft gesagt der Winkel zwischen Boden und Lichtstrahl[en]) ändert sich bekanntlich nicht nur tageszeitabhängig, sondern auch über's Jahr gesehen - wodurch es etwa dazu kommt, dass Schatten gleich hoher Gegenstände im Winter zur selben Tageszeit länger sind, als im Sommer. Das hat auch Auswirkungen auf die Motivwahl: So ist etwa das Motiv in der Grinzinger Schleife im Bereich der Himmelstraße in den Herbst- und Wintermonaten nicht umsetzbar.

So schaut's im Hochsommer aus:




Im Herbst wird's schon "unbrauchbar":




Kennt man die Gebäudehöhen der umgebenden Bebauung, kann man sich aber etwa in LightTrac sogar die Schattenlängen ausrechnen und in der integrierten Karte nachsehen, ob sie das Motiv gefährden ...  :D


Soviel an dieser Stelle zum Thema "Sonnenlicht"; eigentlich wollte ich noch eine ganze Menge anderer Dinge schreiben, doch anbetrachts der fortgeschrittenen Zeit belasse ich es für heute dabei und melde mich demnächst mit weiteren Tipps in diesem Thread zu Wort. Einstweilen allen Photographen "gut Licht" und gutes Gelingen! :)

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Bimigel

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Tipps zur Photographie
« Reply #1 on: June 02, 2014, 01:50:02 PM »
Wow - vielen, herzlichen Dank für diese grandiosen Tipps! :daumenhoch:

Gunoldstraße

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ULF in der Gunoldstraße
« Reply #2 on: June 23, 2014, 11:44:27 AM »
ULF in der Heiliigenstädterstraße sowie die neue Busflotte von Mercedes-Benz Citaro 2 Busse.

Sind nicht die besten Bilder aber hoffe sie gefallen. :]

Edit: Dane pronay ich hab falsch gedacht und Bus33A war ein Tippfehler :)

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pronay

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Tipps zur Photographie
« Reply #3 on: June 23, 2014, 12:06:37 PM »
Der ULF ist nicht in der Gunoldstraße, sondern in der Heilgenstädter Straße, unmittelbar vor der Kreuzung mit der Gunoldstraße.

Bus33A

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Tipps zur Photographie
« Reply #4 on: June 23, 2014, 12:31:44 PM »
Und der Bus heißt Mercedes-Benz Citaro. ;)

Bimigel

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Tipps zur Photographie
« Reply #5 on: June 23, 2014, 04:26:35 PM »
@Gunoldstraße: Tut mir leid, aber diese Bilder haben leider keinen Wert.

6er

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Tipps zur Photographie
« Reply #6 on: June 23, 2014, 04:30:30 PM »
Meine ersten Schnappschüsse waren auch nicht großartig, beim Straßenbahn fotografieren den Bügel etwas abgeschnitten, Gegenlicht, Schattenseite...

Aber solche Fotos habe ich nie zusammen gebracht da es mir nie in den Sinn gekommen wäre sowas zu machen und dann noch online zu stellen.

Das ULF Bild lass ich mir noch einreden, da ist wenigstens die Front komplett drauf, aber den Bus.... NE!!! :daumenrunter:

STEYR-NL205

  • Guest
Tipps zur Photographie
« Reply #7 on: October 10, 2014, 12:03:18 AM »
TIPPS ZUR FOTOGRAFIE:

Immer wieder sehe ich Fotos, wo man orangene Anzeigen, welche getaket sind, nicht lesen kann.

Mein Tipp: Fotografiert mit 1/100  :lampe:

Foto 1, 2: Unbrauchbar  :daumenrunter:

Foto 3, 4 : mit 1/100  :daumenhoch:

Bei den Wiener Linien 82xx dürften die Anzeigen so programiert sein, dass die LEDs nicht abwechselnd (interlace) blinken sondern ALLE ZUSAMMEN an und aus gehen.
Hier kann man, wenn man Serienauslöst, ruhig mit bis zu 1/1000 fotografieren, denn auf ca. jedem 2. Bild hast du die Anzeige drauf, manchmal verschwindet sie dann komplett.
Auf Bild 5, 6 hatte ich das Pech, das abwechselnd die Heckanzeige aus, die Front an und immer abwechselnd blinkten. Ich stand mit rund 20 Serienbildern an der Stelle,
aber beide erwischte ich nie zeitgleich. (Zum Glück gibts Fotoshop, 2 Minutenarbeit) Die letzten 2 Bilder sind aber UNBEARBEITET, hier merkt ihr gut was ich meine:

Automatisch aus dem fpdwl-Forum übernommene Attachments:






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Tipps zur Photographie
« Reply #8 on: August 01, 2015, 05:24:16 PM »
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