Author Topic: Tram mit lockeren Schrauben  (Read 477 times)

Der Ulfist

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #15 on: April 19, 2004, 09:18:41 PM »
Na ja nun.

Der KSW ist aus der Not der Kriegszeit entstanden. Und der C. aus der Not der Börsenkriegszeit.
Schlicht und einfach und billig.
Daß der KSW ebenso wie die Lokomopuffse der           BR 42/52 trotzdem für die Ewigkeit gebaut waren, liegt vielleicht daran, daß es damals für solche Projekte noch kein Aluminium gab...
Aber im Ernst, der Vergleich ist eher metaphorisch gemeint.
In Germanien gab es eine Reihe von Betrieben, die die KSW in den Fünzigern zu Gelenkwagen umbauten, das waren dann die sog. Schüttelrutschen. Ein Begriff aus dem Bergbau übrigens.
Die waren laut, sind um Kurven mehr geeckt, als gefahren und das Personal hat sie gehaßt.
Wie beim C. eben.
Also ein Neo-KSW.
Zum Endsieg haben sie aber beide nicht mehr beigetragen.
Gott sei Dank!
Da ich im ehemals größten deutschen KSW-Betrieb arbeite, kann ich hier mitreden.
Die Münchner KSW und der Zammafoibino haben recht ähnliche Fahreigenschaften. Da hat Siemens 60 Jahre Entwicklung glatt übersprungen.  :D

Kauft mehr Ulferl!

Der Ulfist

P.S. Schade, daß Wien keine KSW-Beiwagen hatte.

Kagraner

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #16 on: April 23, 2004, 07:45:06 PM »
Jungewelt 23.04.2004

Winfried Wolf

Kapitaler Schrott

Desaster für Hersteller Siemens und Käufer: Weltweit meistverkaufte Straßenbahn Combino vor dem Aus

Bis zum kommenden Freitag findet in Dresden die 7. Stadtbahnkonferenz statt. Das Programm handelt zwar fast ausschließlich von »modernen Straßenbahnsystemen«, doch der Weltmarktführer auf diesem Gebiet, die Siemens-Niederflurstraßenbahn Combino, bleibt – dank kurzfristiger Programmänderungen – komplett unerwähnt. Im Programm werden auch mehr als ein Dutzend Beispielstädte mit »modernen Stadtbahnsystemen« genannt und mit »workshops« bedacht. Doch in Polen wird nicht Poznan, sondern Lodz, in der Schweiz wird nicht Basel, sondern Zürich, in den Niederlanden wird nicht Amsterdam, sondern Den Haag, in der BRD werden nicht Nordhausen, Potsdam, Erfurt, Freiburg, Düsseldorf, Ulm, Augsburg oder Potsdam, sondern Dresden, Stuttgart und Köln als vorzeigbar angeführt. Die genannten anderen Städte, allesamt Combino-Nutzer, bleiben verschämt ausgespart.

Tatsächlich scheint sich zu bestätigen, was in dieser Zeitung seit Wochen als wahrscheinlich bezeichnet wurde: Das weltweit am meisten verkaufte Niederflur-Straßenbahnmodell der letzten acht Jahre, die Siemens-Tram Combino, wird nicht weiter produziert. Die bereits ausgelieferten rund 550 Combino-Bahnen werden voraussichtlich in den nächsten Monaten vom Markt genommen. Aus Siemens-Kreisen wurde bekannt, daß die Straßenbahn-Fertigung in Krefeld eingestellt und die Reparatur vom Combinos, soweit es dazu noch kommt, nach Prag verlegt wird. Dadurch sind in Krefeld kurzfristig 500 Arbeitsplätze bedroht. Weiter sickerte durch, daß Siemens 1 200 zusätzliche Arbeitsplätze im Schienenfahrzeugbau-Bereich abbaut. Offiziell wird hierfür die Sparpolitik der Bundesregierung bzw. der Deutschen Bahn AG verantwortlich gemacht. Tatsächlich sind dies auch Fernwirkungen der Siemens-Desaster beim Combino und beim neuen Diesel-ICE, der im Dezember 2003 vom Markt genommen werden mußte.

Auch fünf Wochen nach dem Rückruf aller Combino mit Laufleistungen ab 120 000 Kilometer, kann Siemens den betroffenen Stadtwerken keine überzeugende Lösung dafür anbieten, wie die instabilen Wagenkasten so umgerüstet werden, daß eine ausreichende Sicherheit im Alltagsbetrieb gewährleistet ist. Der der Combino-Bruchlandung angerichtete Schaden dürfte sich allein beim Siemens-Konzern auf mehr als eine Milliarde Euro beziffern. Die Schäden, die den Stadtwerken u.a. durch Tram-Ausfälle und neuen Kosten für Ersatzlösungen entstehen, könnten sich in vergleichbarer Höhe bewegen. Der Image-Schaden, den der öffentliche Verkehr erleidet, ist in Euro-Beträgen nicht bezifferbar.

Besucht man die Siemens-Homepage zum Thema Combino, dann findet sich dort unter dem Stichwort »Wirtschaftlichkeit« eine Teilerklärung für das Desaster: »Wo immer möglich haben wir das Gewicht radikal verringert, denn jedes Kilogramm weniger senkt den Energieverbrauch«. Tatsachen sind: Die Festigkeit der geschraubten Aluminiumkonstruktion ist unzureichend. Diese wurde von vornherein nach einer »falschen Norm« berechnet und der Combino auf dieser Basis zugelassen.

Somit werden uns in dreifacher Weise traurige Lehren erteilt: Die konsequente Ausrichtung der Produktion nach dem maximalen Profit in kürzestmöglicher Zeit, auch: shareholder-value-Kapitalismus genannt, führt in besonderem Maße zu Fehlkonstruktionen. Globalisierung, Fertigung durch »global players« und die extreme Kapitalkonzentration – nur noch drei Tram-Anbieter weltweit – bedeuten auch, daß die Folgen solcher Alu-Schrott-Produktion weltweit spürbar sind.

Auch die Forderungen nach einem schlanken Staat und das finanzielle Aushungern der Kommunen sind maßgeblich dafür verantwortlich, daß die Aufsichtsbehörden einen völlig unausgereiften Tram-Prototypen zugelassen haben. Sie sind auch verantwortlich dafür, daß Vertreter von Stadtwerken aus Unerfahrenheit oder Beeinflußbarkeit dazu gebracht wurden, ein im Alltagsbetrieb nicht erprobtes Schienenfahrzeug in erheblichen Größenordnungen einzukaufen.

Schließlich lehrt das Beispiel, wie in einer von Öl, Auto und Flugzeug dominierten Wirtschaftswelt eine alternative, die Umwelt weniger belastende Verkehrsbranche wie der öffentliche Nahverkehr, in einem Maß in Verruf gebracht werden kann, wie es bei den dominierenden Verkehrsträgern kaum vorstellbar ist. Siemens und einzelne Verkehrsbetriebe wußten seit Jahren von erheblichen Mängeln des Combino. Während bei vergleichbaren Fällen im Bereich von Automobilwirtschaft und Flugzeugbau meist kurzfristig mit Rückrufaktionen reagiert wird, oder Produkte vom Mark genommen werden, wurde bei der Combino-Tram der Öffentlichkeit acht Jahre lang ein X für ein U vorgemacht. So kam auch am Donnerstag von der Siemens-Pressestelle die Mitteilung, es werde demnächst ein umfassendes Programm zur Neukonstruktion der Combino präsentiert. Kurz: Es wird gelogen, daß sich das Aluminium biegt.

Doktor - ULF

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #17 on: April 23, 2004, 09:06:24 PM »
Guten Abend!

Gerüchten zu Folge dürfte Siemens SGP VT den Auftrag vom Mutterkonzern bekommen haben den Combino zu sanieren und zu verstärken.

MfG

Doktor - ULF

95B

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #18 on: April 23, 2004, 09:29:17 PM »
Quote
Original von Doktor - ULF
Gerüchten zu Folge dürfte Siemens SGP VT den Auftrag vom Mutterkonzern bekommen haben den Combino zu sanieren und zu verstärken.

Betrifft das nur die existierenden Fahrzeuge oder will Siemens den Combino in verbesserter Form neu auf den Markt bringen? (Vielleicht unter anderem Namen... :D)

Doktor - ULF

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #19 on: April 23, 2004, 09:29:56 PM »
Nochmals Hallo!

Siemens SGP VT hat auf seiner Hompage einen Link zur Combino Seite auf Siemens.de gehabt. Dieser Link ist deaktiviert. Minimale Info bekommt man auf Siemens.com, und das nur auf Englisch.

Link Siemens.at: http://siemens.at/transportation/pages/p_ro_index2.htm
Link zur Combino-Seite auf Siemens.de:http://www.siemens.com/index.jsp?sdc_p=t4csu18o20596d1003169pn20596fl0m&sdc_sid=21745231172&

Ich glaube das wars für den Combino, warum sollte man sonst eine Seite aus dem Netz nehmen!?

MfG

Doktor - ULF

95B

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #20 on: April 23, 2004, 09:45:50 PM »
@Doktor-ULF: Danke!

In Abwandlung eines bekannten Ausspruchs sage ich daher: Der Combino ist tot, es lebe der ULF! 8)

Linie 41

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #21 on: April 24, 2004, 12:04:47 AM »
Sieht allerdings so aus, als drohe schon wieder Konkurrenz aus dem eigenen Haus:

http://www.siemens.com/index.jsp?sdc_p=d1053659po1053270fcl0smn1053270t4u18&sdc_sid=21745231172&

wienerlinienD

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #22 on: April 24, 2004, 10:25:53 AM »
Sieht schon besser aus als der Combino...
Der ULF ist dennoch nicht zu schlagen!!!

95B

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #23 on: April 24, 2004, 01:46:24 PM »
Quote
Original von Linie 41
Sieht allerdings so aus, als drohe schon wieder Konkurrenz aus dem eigenen Haus:

Dieses Ding ist allerdings ein Stadt-Regionalbahn-Fahrzeug, während der ULF ein reines Straßenbahnfahrzeug ist. Somit denke ich nicht, dass sich hier Konkurrenzverhältnisse zwischen beiden Produkten ergeben können.

wienerlinienD

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #24 on: April 24, 2004, 04:03:22 PM »
Stimmt auch wieder... Jetzt wo ich es mir genauer durchgelesen habe hab ich das auch bemerkt!!!
Die Bilder zeigen ja auch, dass es sich um keine Straßenbahn handelt!

Linie 41

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #25 on: April 25, 2004, 01:08:58 AM »
Auch der T war nicht als Straßenbahn geplant...

Doktor - ULF

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #26 on: April 25, 2004, 12:38:41 PM »
Schönen Sonntag!

@95B
Es sollen nur Reparaturarbeiten an den def. Combinos durchgeführt werden. Ob es zu Umkonstruierungen bzw. Neukonstruktion des Wagenkasten kommt weiss ich nicht. Wie aber in einem Beitrag hier steht plant Siemens nach diesem Desaster sogar das Werk Krefeld zu schliessen. Schwanzeinziehen und vor der Verantwortung drücken haben sie schon immer gut können in Germanien!

MfG

Doktor - ULF

95B

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #27 on: April 25, 2004, 06:18:38 PM »
@Doktor-Ulf: Vielen Dank für deine Infos und ebenfalls einen schönen Sonntag!

Der Ulfist

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #28 on: May 09, 2004, 10:40:15 PM »
Germanien?

Ja stimmt, aber bitte zähle doch Bayern nicht dazu.
Wir sind schon bedient mit unseren Ostgoten.

Kauft mehr Ulfe!

Hoffentlich wird der Ulf das, was er verdient:
Ein Exportschlager!

Ein hoffnungsloser Ulfist ;)

Kagraner

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Tram mit lockeren Schrauben
« Reply #29 on: May 18, 2004, 06:05:48 PM »
Debakel für Siemens

Die Tram, die einzustürzen droht

Nachbessern hilft nicht — Siemens muss das vielfach verkaufte Straßenbahn-Modell "Combino" offenbar weitgehend neu konstruieren.


Außer Betrieb: Die Combino-Straßenbahn in Potsdam.
Foto: dpa
 
 
Einem internen Bericht des Unternehmens zufolge müssen die rund 400 weltweit verkauften Combino-Straßenbahnen mit Ausnahme des Räderwerks größtenteils neu gebaut werden, berichtet die Rheinische Post.

Vor allem der Aufbau der Straßenbahnen ist dem Bericht zufolge falsch konstruiert worden. Derzeit lägen große Teile der Combino-Flotte deutschlandweit still, weil Siemens Einstürze der Fahrzeug-Dächer nicht ausschließen könne. Die Stadt Bochum ist bereits aus dem Liefervertrag mit Siemens ausgestiegen. Düsseldorf hält noch an der Lieferung fest.

Die 368 Millionen Euro an Rückstellungen, die das Unternehmen für die Reparatur der Fahrzeuge bislang gebildet hatte, dürften bei weitem nicht ausreichen.

Siemens kann freilich die Gesamtkosten für das Tram-Debakel noch nicht genau beziffern. „Bevor wir nicht eine endgültige technische Lösung vorliegen haben, wäre dies reine Spekulation“, sagte eine Sprecherin der Siemens-Sparte Transportation Systems am Dienstag.

Siemens-Chef Heinrich von Pierer hatte Ende April bei der Vorlage der Halbjahreszahlen angekündigt, dass wegen der Probleme bei der Niederflurbahn in den kommenden Quartalen weitere Kosten auf den Konzern zukommen könnten. Dies hänge vom Ergebnis der Prüfung der Probleme sowie technischer Lösungsmöglichkeiten ab.

Die Sprecherin konnte am Dienstag keinen genauen Zeitpunkt nennen, bis wann die technische Lösung gefunden sei. „Im Augenblick werden die weltweit 400 Combino-Züge erst einmal repariert, um sie wieder betriebsfähig zu machen“, sagte sie.

Außerdem werde nach einer grundlegenden Möglichkeit zur Sanierung der Züge gesucht. „Dies braucht seine Zeit.“ Insgesamt arbeiten derzeit 168 Siemens-Angestellte mit Hochdruck an einer Lösung des Problems. Gleichzeitig werde an einem Nachfolgeprodukt für den Combino gearbeitet.

Die Sparte Transportation Systems (TS) rutschte im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2003/04 mit 257 Millionen Euro in die roten Zahlen und sorgte bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen Ende April für einen starken Kursrückgang der Siemens-Aktie.
Quelle:http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/997/31966/


Mit seinem Straßenbahn-Modell Combino hat der Münchner Elektro-Konzerns Siemens seinen guten Ruf aufs Spiel gesetzt. Die Waggons sind so schlecht konstruiert, dass sie nicht einmal mit nachträglichen Verbesserungen zu retten sind. Der Schaden geht in die Millionen.



DPA
Durch Mängelbeseitigung nicht zu retten: Siemens-Straßenbahn Combino
Düsseldorf - Die technischen Probleme bei den Combino-Zügen sind bereits seit längerem bekannt, nach wie vor wird aber über ihr Ausmaß gerätselt. Genauere Auskunft darüber gibt ein interner Bericht des Unternehmens, der der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" vorliegt. Danach müssen alle 450 weltweit verkauften Combino-Straßenbahnen mit Ausnahme des Räderwerks völlig neu gebaut werden. Die Rückstellungen in Höhe von 368 Millionen Euro, die der Konzern für die Reparatur der Fahrzeuge bislang gebildet hatte, würden dafür bei weitem nicht ausreichen.

Wie das Blatt berichtet, ist vor allem die Karrosserie der Straßenbahnen falsch konstruiert worden. Große Teile der Combino-Flotte seien derzeit deutschlandweit stillgelegt, weil Siemens Einstürze der Fahrzeug-Dächer nicht ausschließen könne. Die Stadt Bochum sei bereits aus dem Liefervertrag mit Siemens ausgestiegen. Düsseldorf halte noch an der Lieferung fest.

Welchen finanziellen Schaden das Desaster tatsächlich anrichten wird, will der Konzern allerdings noch nicht beziffern. "Wir können dazu momentan keine Aussage treffen, das wäre derzeit reine Spekulation", sagte eine Sprecherin von Siemens Transportation Systems (TS) am Dienstag auf Anfrage. "Dieser Betrag, der da genannt wird, ist eindeutig zu hoch." Auch gebe es hinsichtlich der Bewertung möglicher Lasten keinen neuen Sachstand.

Zugleich wies die Sprecherin Angaben des Blatts zurück, wonach der Konzern die bereits in Betrieb befindlichen Züge mit Ausnahme des Fahrwerks komplett neu aufbauen muss. "Wir arbeiten an einer Sanierung von diesen Wagenkästen", sagte sie. "Das ist aber nicht die Richtung, in die es derzeit geht."

Im abgelaufenen Quartal 2003/04 (zum 31. März) hatten unerwartet hohe Rückstellungen in der Siemens-Bahntechniksparte das Gewinnwachstum des Konzerns belastet. Die Münchener hatten hier in dem Zeitraum Sonderbelastungen von 364 Millionen Euro verbucht, wovon 296 Millionen Euro auf das Segment "Mass Transit" - also praktisch die Combino-Züge - entfielen. Bereits im Vorquartal hatte Siemens zudem Rückstellungen gebildet, deren Höhe aber nicht beziffert worden war. Ursprünglich waren für das Gesamtjahr 2003/04 lediglich Rückstellungen von unter 200 Millionen Euro angekündigt gewesen.

Quelle:http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,300289,00.html