Author Topic: Reisebericht Paris  (Read 741 times)

ulf67

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Reisebericht Paris
« on: July 17, 2006, 09:46:17 AM »
Ich möchte euch meine Eindrücke vom Pariser ÖV nicht vorenthalten.

Métro:

Die Standardtype ist - so glaube ich - ca so alt wie unsere E1. Sie haben ähnliche Fenster, nur kann man sie nicht ganz so weit öffnen. Zum Öffnen der Türen gibt es einen kleinen eleganten Hebel, den man nach oben schiebt.
Im Inneren gibt es Türen, die in den anderen Waggon führen, jedoch sind diese mit einem Dreikant versperrt, denn sie werden nur im Notfall verwendet. Über diese Tür gibt es eine Art Zielschildkasten. Er ist sehr klein und in 2 Fächer unterteilt. Das obere ist gelb das untere blau. Diese werden jedoch nur verwendet, wenn die Garnitur auf einer Linie unterwegs ist, die sich teilt wie zB die Linie 7 oder die Linie 13. Dann ist entweder das Gelbe oder das Blaue beleuchtet. Die beiden Farben - gelb und blau - entsprechen den beiden Außenästen. Das wäre zB so als ob die U6 nach Heiligenstad gelb gewesen wäre und die U6 zur Freidensbrücke blau. Die Type gibt es in ähnlicher Ausführung für die Gummiradl-U-Bahn, nur dass man dort nur den Mittelteil eines Fensters öffnen kann.

Eine andere Type wird hauptsächlich auf Linien mit Verzweigungen eingesetzt, also auf den Linien 7 und 13. Ich nehme an, sie ist mit der von mir oben beschriebenen Garnitur kompatibel. Damit meine ich jetzt nicht, dass man beide zusammenkuppeln kann sondern  beide Typen auf einer Linie einsetzen kann.
Diese Type hat auch außen seitlich den von mir erwähnten Zielschildkasten. Ansonsten hat sie bequemere Sitze (dunkelblaue Polstersitze) dafür aber Klappfenster. Daher schätze ich das Baujahr auf Ende der 70er Jahre. Schaut auch vom Design her so aus. Die Tür öffnet man hier mit einem grünen Knopf.

Interessant finde ich auch die Zugzusammenstellung. Es sind 5-Wagenzüge unterwegs. Ein Triebwagen mit Führerstand, allerdings nur in eine Richtung, dann kommt ein Beiwagen, dann ein Triebwagen ohne Führerstand - ersichtlicht an den Stromabnehmern, dann wieder ein Beiwagen und dann wieder ein Triebwagen mit Führerstand. Diese Zusammenstellung ist bei beiden Typen üblich.

Daneben sah ich noch eine andere Type auf der Linie 7bis. Sie wirkt neuer und hat eine Digitalanzeige. Gefahren bin ich mit ihr allerdings nicht. Soweit ich weiß ist auch eine Type mit Oberleitung unterwegs aber mir ist sie nie untergekommen.

Ein weiteres interessantes Detail, das mir auffiel ist, dass neben dem Liniensignal weitere Zahlen stehen und dann erst das Ziel. Sind diese zusätzlichen Zahlen Kursnummern?

Haltestellenansagen gibt es in Paris keine, außer auf der Linie 14, die ohne Fahrer, dafür aber mit Gummiradeln fährt. Dafür dort gleich zweimal. Einmal während der Fahr und einmal wenn die Türen öffnen.
Auf den anderen Linien wird nur auf die zahlreichen Baustellen à la Gumpendorfer Straße hingewiesen. Bei Verzweigungen wird die Fahrtrichtung vom Fahrer durchgesagt und bei Endstationen wird druchgesagt, dass man eben bei der Endstation (Terminus) angelangt ist und das wars auch schon.

Umsteigen dauert sehr lange, denn man geht viele verwinkelte Gänge.

Schnell ist die Métro allerdings nicht. Die V-Max beträgt niergends mehr als 60 außer auf der Linie 14. Es wird natürlich auf Signal gefahren. Auch bei der 14 gibt es noch Signale für den Notfall. In Betrieb sind sie allerdings immer.
Auch Geschwindigkeitsbeschränkungen gibt es vor den zahlreichen Bögen und Gefällen immer wieder. Diese werden mit weißen Zahlen auf schwarzem Grund, welche Beleuchtet sind, angezeigt. Man fühlt sich gleich wieder wie in Wien, denn bei jedem noch so kleinem Gefälle gibt es gleich eine 40er und 35er Beschränkung. In den Bögen singen die Wagen dann auch noch so richtig.  8-)

Wie oben schon erwähnt gibt es viele Baustellen wie bei uns die Gumpendorfer Straße. Die Linie 6 ist überhaupt zwischen drei Stationen eingestellt, aufgrund einer Brückensanierung. Alle Baustellen werden wunderbar angekündigt. Es gibt teilweise so Zettel an den Türen wie bei uns und bei der Routenskizze über der Tür - denn der Netzplan hängt verkleinert daneben - wird es extra bei der Station auch noch einmal angeschrieben. So etwas hätte man in Wien auch machen können.

Die Stationen sind sehr schön mit weißen Fliesen verkleidet. Auf blauen Fliesen ist der Stationsnamen zu sehen. Für die riesigen Werbeplakate ist eine Art goldener Bilderrahmen angedeutet, sehr stilvoll wie ich finde.


Bus:

Es kommen hauptsächlich Renault Irisbusse zum Einsatz. Diese gibt es in folgenden Variationen:
NF Midibus; ein Foto von ihm war schon mal hier im Forum. Er kommt in Montmartre zum Einsatz.
NF 3Türer; kommt nur auf manchen Innenstadtlinien zum Einsatz
NF 3Türer Gelenkbus: ebenso
NF 2Türer; hat Fahrgastfluss, ist das Standardmodell
2Türer mit einer kleinen Stufe; hat auch Fahrgastfluss und kommt nur noch auf Zubringerlinien in den Vororten zum Einsatz. Dieser Bus hat ein Borseband alle anderen eine Matrix.
Interessant ist auch, dass das Liniensignal nicht in der Matrix bzw im Borseband integriert ist. Der Grund ist folgender. Jede Linie hat eine eigene Farbe. Die Matrix könnte sie nicht darstellen. Somit steckt eine Tafel in der jeweilgien Farbe neben der Matrix. Auch seitlich gibt es Vorrichtungen um Tafeln in der jeweiligen Farbe anzubringen. Diese zeigen den Routenverlauf anhand wichtiger Straßen/Plätze, ähnlich der Rückseite der Routentafel im E1. Hinten steckt dann eine Tafel wo nur die Linie draufsteht.
Neben den Renaults kommen noch einige MAN zum Einsatz, die wie unsere NL 243 aussehen. Auch diese haben nur 2 Türen. Mercedes Citaro konnte ich nur bei der Station La Chapelle kurz sehen. Diese dürften nicht sehr verbreitet sein.

mfg ulf67

ustrab

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Reisebericht Paris
« Reply #1 on: July 18, 2006, 02:19:43 PM »
:D  und wo sind die bilder ????    :D

ulf67

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Reisebericht Paris
« Reply #2 on: July 18, 2006, 02:23:30 PM »
Beim BIPA zum Entwickeln.  ;)  :)

Ich hoffe euch hat auch mein schriftlicher Bericht gefallen.

mfg ulf67

jemand88

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Reisebericht Paris
« Reply #3 on: July 18, 2006, 08:27:15 PM »
Damit ihr nicht so lange auf die Bilder von ulf67 warten müsst - hier mal ein kleiner "Vorgeschmack" von mir:

Quote
Original von ulf67
Haltestellenansagen gibt es in Paris keine, außer auf der Linie 14, die ohne Fahrer, dafür aber mit Gummiradeln fährt.
Nicht nur die Linie 14 fährt mit "Gummiradeln", sondern offenbar alle Pariser U-Bahnlinien.

Auf diesem Bild sieht man die "Gummiräder" besonders gut:

Automatisch aus dem fpdwl-Forum übernommene Attachments:

ulf67

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Reisebericht Paris
« Reply #4 on: July 19, 2006, 01:24:47 PM »
Nicht alle! Die Linie 6 fährt auch mit Gummiradeln. Die Linien 2, 4, 7 und 10 nicht! Auch andere Linien fahren mit normalen Rädern.

Welche Linie ist das am Bild? 6?

mfg ulf67

jemand88

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Reisebericht Paris
« Reply #5 on: July 19, 2006, 02:14:39 PM »
Quote
Original von ulf67
Welche Linie ist das am Bild? 6?
Das weiß ich wirklich nicht mehr, das Foto habe ich im April 2005 gemacht.
Aber ich glaube nicht, dass es die Linie 6 war, ich kann mich erinnern, dass die Linie 6 ähnlich aufgebaut war wie unsere U6 am Gürtel.

ulf67

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Reisebericht Paris
« Reply #6 on: July 19, 2006, 03:11:19 PM »
Ja die 6er fährt auch viel oberirdisch mit so grauen Stahlbrücken und -sationen. Fährt aber auch viel unterirdisch.

mfg ulf67

wienerlinienD

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Reisebericht Paris
« Reply #7 on: July 21, 2006, 12:39:23 PM »
Die Linie am Bild ist die Linie "Porte d'Orléans - Porte de Clignancourt", also die Linie 4.

Gummiradler gibt es soweit ich es heuer beobachtet habe auf den Linien 1, 4, 6 und 14.

Die "Ligne 6 (Étoile - Nation par Denfert-Rochereau) ist meine Lieblingslinie, da sie zwischen "Bir-Hakeim" und "Passy" über die Seine fährt und man von der Brücke aus einen wunderbaren Blick auf Paris hat (Eiffelturm, Notre-Dame, Sacré-Coeur,...)

Die Stationsansagen gibt es in der Métro auch in den Linien 1 (auf der dieselben Garnituren wie auf der 14 unterwegs sind, nur dass sie einen FÜhrerstand und einen Fahrer haben :D) und 3 (auf der die modernisierten-klassischen Züge - also die mit dem Hebel zum Tür öffnen - unterwegs sind. In diesen Zügen leuchten beim Linienplan über der Türe die noch abzufahrenden Stationen und das Lämpchen des nächsten Haltes blinkt) (Ich hoffe, dass das klar ist...  ?()

Auch kann man einen Unterschied zwischen den Gummiradlern der älteren Generation und den klassischen Schienenfahrzeugen bemerken:

Hier ein Gummiradler von vorne:



und hier ein "klassischer Zug von vorne:

.

Fotos von der Website http://my.opera.com/Pinga/

Ich hoffe, das war klar ausgedrückt!

Ach und noch was: 3 Linien haben einen Streckenabschnitt der oberirdisch verläuft:
2, 5, 6.


Noch eins: Die Nummer neben der Liniennummer, also die, die nicht beleuchtet wird, ist die Kurswagennummer...

EDIT: Letzter Absatz hinzugefügtEDIT2: EDIT vergessen

ulf67

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Reisebericht Paris
« Reply #8 on: July 22, 2006, 11:48:35 AM »
Danke für die Ergänzungen! Leider bin ich nie mit diesen modernisierten Wagen gefahren.

Noch eine Ergänzung meinerseits: Die Züge werden mit einem Signalton abgefertigt. Dieser ist unterschiedlich lang, je nachdem wie lang der Fahrer auf die Taste drückt (Ich nehme einfach einmal an, er drückt eine). Während dieses Tons darf man nicht ein-/austeigen. Nachdem der Signalton verschwindet, schließen die Türen. In den Anfangsstationen gibt es vor dem normalen Ton noch einen zustätzlichen Signalton, der etwas anders klingt. Dieser entspricht quasi unserem "Einsteigen bitte!"

mfg ulf67

Clemens

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Reisebericht Paris
« Reply #9 on: July 22, 2006, 12:24:34 PM »
Schließen die Türen nicht auch zuerst halb, bleiben kurz stehen, und gehen erst dann komplett zu? Zumindest bei den älteren U-Bahntypen ist das glaub ich der Fall.

ulf67

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Reisebericht Paris
« Reply #10 on: July 22, 2006, 02:07:35 PM »
Quote
Original von Clemens
Schließen die Türen nicht auch zuerst halb, bleiben kurz stehen, und gehen erst dann komplett zu? Zumindest bei den älteren U-Bahntypen ist das glaub ich der Fall.

Also als "kurz stehen bleiben" würde ich das nicht bezeichnen. Es ist sehr sehr kurz (die alten Türen in den E1 brauchen länger) und dann gehen sie zu. Ist bei den neueren Typen wie auf der Linie 7 genauso.

mfg ulf67

Clemens

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Reisebericht Paris
« Reply #11 on: July 22, 2006, 02:13:37 PM »
Quote
Original von ulf67
Also als "kurz stehen bleiben" würde ich das nicht bezeichnen. Es ist sehr sehr kurz (die alten Türen in den E1 brauchen länger) und dann gehen sie zu. Ist bei den neueren Typen wie auf der Linie 7 genauso.
Es reicht aus, um noch schnell seine Hand oder Tasche herauszuziehen. Die Türen in der Pariser Métro haben von vorn herein ein ganz anderes Tempo drauf, als in Wien.

wienerlinienD

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Reisebericht Paris
« Reply #12 on: July 24, 2006, 05:32:08 PM »
Der Fahrer hat während diesem "Halt" der Türen die Möglichkeit den Schließvorgang eventuell aufzuhalten (d.h., wenn wie bereits erwähnt jemand halb in der Türe steht oder so...)

Lichtschranken scheint in Paris jedenfalls ein Fremdwort zu sein (ist es ja auch, :D, es würde eher "Barrière lumineuse" heißen!)

Tut mir Leid, wenn ich widerspreche, aber ich habe immer gehört, dass der Signalton in den End-/Anfangsbahnhöfen die laut Fahrplan vorgeschriebene Abfahrtszeit signalisiert.

ulf67

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Reisebericht Paris
« Reply #13 on: July 25, 2006, 01:04:17 PM »
Du widersprichst ja nicht wirklich. Für die Fahrgäste heißt das quasi "Einsteigen bitte".
Danke für die Info!

mfg ulf67

WeSt

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Reisebericht Paris
« Reply #14 on: July 25, 2006, 11:42:30 PM »
Quote
Die Türen in der Pariser Métro haben von vorn herein ein ganz anderes Tempo drauf, als in Wien.
Bei ganz alten Typen habe ich irgendwo sogar einmal gelesen, daß die Türen mittels eines druckluftbetätigten Stößels buchstäblich "zugeschossen" wurden, mit einem satten Knall. Stammt glaube ich von http://www.tramway.at