Author Topic: [BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...  (Read 1375 times)

D Wagen

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« on: October 21, 2008, 05:44:27 PM »
Text aus BZ Berlin (19.10.2008)

Endlich kanzlert die U55
Nach 12 Jahren Bauzeit soll die Kanzler-U-Bahn ab 8. August zwischen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof pendeln


Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn (U55) nimmt am 8./9. August 2009 ihren Betrieb auf – nach zwölfjähriger Planungs- und Bauzeit.
Diesen Termin nannte jetzt BVG-Chef Andreas Sturmowski. Der nur 1,8 Kilometer kurze Schienenstummel führt vom Hauptbahnhof über die Station Bundestag zum Brandenburger Tor. Die Züge sollen im Zehn-Minuten-Takt pendeln.

Wenige Tage nach dem Start beginnt in Berlin die Leichathletik-WM. Sie soll dazu beitragen, dass sich Sturmowskis Fahrgast-Prognose erfüllt: 2,3 Millionen pro Jahr. Der Fahrgastverband IGEB ist da skeptisch und hält die neue Verbindung für wenig sinnvoll: „Touristen laufen lieber durchs Regierungsviertel als mit der U-Bahn zu fahren“, so ein Sprecher.

U55 soll bis zum Alex verlängert werden
Eigentlich sollte die 220 Millionen Euro teure Kanzler-U-Bahn bereits zur Fußball-WM 2006 rollen. Das jedoch verhinderte ein Grundwassereinbruch beim Bau des Bahnhofs Brandenburger Tor. Auch die Start-Termine Herbst 2007 und 2008 konnten nicht eingehalten werden. Wenn die BVG künftig von Wassereinbrüchen verschont bleibt, könnte der lange beschlossene Weiterbau der Linie vom Brandenburger Tor bis zum Alexanderplatz 2016 abgeschlossen sein.

69er

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #1 on: December 26, 2008, 11:58:25 PM »
Dennoch wurde in Berlin, die ja nicht am U-Bahnwahn leiden sondern im Gegenteil fast jede Linie dort schwach ausgelastet ist, das Stück der U5 von Alexanderplatz nach dem Hbf gebaut oder ist in Bau, 2006 sollte es fertig sein, zumindest ein Pendelverkehr für die EM entstehen. Nun wurden Millionen schon verbuddelt und es fährt immer noch nix :)

Zebrasignal

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #2 on: December 27, 2008, 10:37:10 AM »
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Original von Betriebshof Reick
Dennoch wurde in Berlin, die ja nicht am U-Bahnwahn leiden sondern im Gegenteil fast jede Linie dort schwach ausgelastet ist, das Stück der U5 von Alexanderplatz nach dem Hbf gebaut oder ist in Bau
In Bau ist doch nur das U55-Stück vom Hauptbahnhof zum Pariser Platz, mit dem Weiterbau Richtung 'Alex' wurde doch noch nicht begonnen? ?(

Linie 41

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #3 on: December 27, 2008, 10:46:13 AM »
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Original von Zebrasignal
In Bau ist doch nur das U55-Stück vom Hauptbahnhof zum Pariser Platz, mit dem Weiterbau Richtung 'Alex' wurde doch noch nicht begonnen? ?(
Mir kam vor, daß ich irgendwas gelesen habe, daß sie anfangen.

Rheno43

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #4 on: December 27, 2008, 02:37:29 PM »
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Original von Betriebshof Reick
Dennoch wurde in Berlin, die ja nicht am U-Bahnwahn leiden sondern im Gegenteil fast jede Linie dort schwach ausgelastet ist, das Stück der U5 von Alexanderplatz nach dem Hbf gebaut oder ist in Bau, 2006 sollte es fertig sein, zumindest ein Pendelverkehr für die EM entstehen. Nun wurden Millionen schon verbuddelt und es fährt immer noch nix :)

Hier muss energisch widersprochen werden: Die Berliner U-Bahnen sind leider immer rappelvoll - nur zu den Endstationen hin wird es etwas leerer. Allerdings die U55 als Verbindung zur U5 am Alex ist tatsächlich am wirklichen Leben vorbeigeplant. Einmal führt sie durch wenig Passagieraufkommen geartetes Gebiet -außerdem ist die S-Bahn vom Hbf zum Alex a) bequemer und b) schneller. Die Gäste vom "Adlon" am Pariser Platz fahren bestimmt nicht mit der U-Bahn vor. Zum Ausgleich kann man in fertigen U-Bahn Stationen Theateraufführungen bewundern..........

Dass 2 km Strassenbahnweg verlegen schnell gehen kann, weiß jeder - aber die Behörden und Anti-Strassenbahn-Lobbies können heutzutage wie überall für extreme Verzögerungen sorgen. Geld ist knapp, in Berlin noch mehr!!

Rheno43

69er

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #5 on: December 27, 2008, 04:16:44 PM »
Wurde begonnen, war letzte Woche da, die Straße Unter den Linden ca von Brandenburger Tor bis Versitasstraße ist schon offen.

D Wagen

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #6 on: December 29, 2008, 01:13:15 AM »
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Original von Linie 41
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Original von Zebrasignal
In Bau ist doch nur das U55-Stück vom Hauptbahnhof zum Pariser Platz, mit dem Weiterbau Richtung 'Alex' wurde doch noch nicht begonnen? ?(
Mir kam vor, daß ich irgendwas gelesen habe, daß sie anfangen.
Mit dem Bau der U5 zum Alexanderplatz soll (laut derzeitigen Planungen) 2010/11 begonnen werden.

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Original von Zebrasignal
Ich wünschte, in Wien würde es auch endlich an Geld mangeln - für diesen unsäglichen U-Bahn-Wahn, der grenzenlos zu sein scheint. Vielleicht würde bei einer etwas angespannteren Finanzlage der Stadt endlich Vernunft einkehren und sinnvolle Straßenbahnprojekte gebaut werden statt exorbitant teure U-Bahn-Linien mit wahnwitzigen Betriebskosten.
In Berlin mangelt es an Geld und man plant bzw. träumt trotzdem.  ;)
Ich denke auch, dass es nicht falsch ist, den Ausbau der U-Bahn (wo sinnvoll und nötig) weiter zu verfolgen.

Weil hier über den U-Bahn-Wahn in Wien gejammert wird ...
... hier ein Text der "Berliner Zeitung", erschienen am 29.12.2008:

U-Bahnhöfe für die Ewigkeit
Die Stationen an der geplanten Verlängerung der U 5 werden nun doch aufwendiger gestaltet
Peter Neumann
Im U-Bahnhof Museumsinsel sollen kleine Sterne über den Zügen erstrahlen. Offene Deckenschlitze lassen Tageslicht in die U-Bahn-Station Berliner Rathaus. Und im U-Bahnhof Unter den Linden bekommen die Fahrgäste einen großen Auftritt: Lange Fahrtreppen sollen sie auf den Bahnsteig der U-Bahn-Linie 5 befördern, der sich in rund 15 Metern Tiefe befindet. All das schlagen die Architekten vor, die im Auftrag des Senats über die Gestaltung der Stationen an der geplanten Verlängerung der U 5 nachgedacht haben. „Wir wollen dort Bahnhöfe, auf die man auch in 100 Jahren stolz sein kann“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) der Berliner Zeitung.
Dies bedeutet eine überraschende Kehrtwendung. Bisher hatten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Parole ausgegeben, dass die neuen U-Bahnhöfe so sparsam wie möglich ausgestattet werden sollen. Nun heißt es im Senat, dass es „nicht primär“ um das Geld geht. Die BVG errechnet derzeit, um welche Summe es sich handeln wird.

Sternenhimmel über den Gleisen
„Die U-Bahnhöfe entstehen an herausragenden Orten in der Mitte Berlins. Dort wollen wir für die nächsten Generationen bauen“, so Junge-Reyer. Es dürfe weder „Kitsch noch Billigvarianten“ geben, warnte sie. Darum habe Senatsbaudirektorin Regula Lüscher drei Architektenbüros gebeten, neue Ideen zu erarbeiten. Im Februar 2009 will der Senat die Konzepte präsentieren. 2010 oder 2011 will die BVG dann damit beginnen, die U 5 über ihren jetzigen Endpunkt unweit vom Alexanderplatz nach Westen zu verlängern. Am Pariser Platz schließt der geplante Tunnel an die Strecke zum Hauptbahnhof an, die im kommenden Jahr fertig gestellt werden soll.

Für den U-Bahnhof mit dem Arbeitstitel Museumsinsel hat sich der Schweizer Architekt Max Dudler von Karl Friedrich Schinkel inspirieren lassen. Der Baumeister, der von 1781 bis 1841 lebte, hat nicht nur die Neue Wache und das Alte Museum entworfen – er malte auch Bühnenbilder. Eines der berühmtesten, das 1816 für Mozarts „Zauberflöte“ entstand, zeigt den Eingang zum Palast der Königin der Nacht. Nach diesem Vorbild will Dudler in dem Bahnhof, der 16,50 Meter unter der Oberfläche liegt, Sternenkuppeln entstehen lassen – eine über jedem Gleis. Die beiden Gewölbe, unter denen die Züge halten, sollen nachtblau werden. Ob daran die Sterne in Form von Lichtpunkten erstrahlen oder aufgemalt werden, ist noch nicht entschieden. Die Bestimmungen ließen eine Beleuchtung derzeit nicht zu, hieß es. Aber Dudlers Grundidee hat Junge-Reyer überzeugt: „Warum sollte man in diesem U-Bahnhof nicht nach den Sternen greifen können?“
Wie Dudler hat auch Oliver Collignon einen früheren Entwurf überarbeitet – in diesem Fall für die Station Berliner Rathaus. Durch zwei Zugänge beiderseits der Rathausstraße gelangen die Fahrgäste auf einen Balkongang – einen breiten Steg über den Gleisen, der zu den seitlich gelegenen Bahnsteigen hinabführt. Die Zugänge werden so großzügig gebaut, dass schon von der Straße aus ein Blick in die Halle möglich ist. In dem U-Bahnhof vor dem Roten Rathaus sorgen Lichtschlitze für zusätzliche Helligkeit.

Stahlblech und weißes Glas
Der größte Bahnhof an der U-5-Verlängerung entsteht unter der Kreuzung Unter den Linden/ Friedrichstraße. Für den Knotenpunkt mit der U 6 hat Axel Oestreich aus Berlin vor einigen Jahren einen Entwurf vorgelegt. Nun macht sich der Professor für Verkehrsbauten an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus erneut Gedanken. Er und der Senat wollen die große, tief gelegene Halle des U-Bahnhofs Unter den Linden, in der die U 5 halten wird, für die Fahrgäste erlebbar machen – während die BVG Zwischengeschosse wünscht.
Für die Nachbarstation steht die Gestaltung bereits fest. Sie stammt ebenfalls vom Büro Ingrid Hentschel/ Axel Oestreich. Im U-Bahnhof Brandenburger Tor soll ein Lichtband, dass sich die Decke entlang zieht, milde Helligkeit spenden. Schwarzer Stahl ummantelt die Stützen, während anthrazitfarbenes Stahlblech und weißes Glas die Wände hinter den Gleisen beherrschen. Von dem Bahnsteig unter dem Pariser Platz, der schon im Rohbau fertig ist, sollen am 8. August 2009 erstmals Züge abfahren – vorerst nur zum Hauptbahnhof.


Quelle: Berliner Zeitung

D Wagen

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #7 on: December 29, 2008, 01:46:34 AM »
Thema "[BVG] Weitere 2,2km Neubaustrecke für die Tram" geteilt und mit Thema "[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ..." zusammengefügt.

6 Beiträge ausgeschnitten und eingefügt

Bei der Konvertierung dieses Beitrags aus dem alten fpdwl-Forum sind folgende Probleme aufgetreten:
  • Links auf die alte fpdwl.at Seite funktionieren nicht mehr.

D Wagen

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #8 on: April 30, 2009, 12:56:51 AM »
Auszug aus "Berliner Zeitung" vom 28.04.2009:
Link: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/berlins_gesicht_der_zukunft/126466/index.php

Berlins Gesicht der Zukunft
Ende gut, alles gut

Fast 14 Jahre nach dem ersten Spatenstich wird der erste Abschnitt der neuen U-Bahn-Linie 5 eröffnet. Zwei weitere Tunnelprojekte im Herzen Berlins sind nun in Sicht
von Peter Neumann

Manche Dinge dauern eben etwas länger. Wer weiß, vielleicht wird dieses Bauvorhaben einst im Guinness-Buch der Rekorde gewürdigt. Denn es dürfte wohl nur wenige Verkehrsprojekte geben, die derart viel Zeit in Anspruch nehmen wie die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 in Mitte. Wer erinnert sich überhaupt noch an den Beginn? Am 13. Oktober 1995, das Reichstagsgebäude war inzwischen von den Folien des Ehepaars Christo wieder befreit worden, setzte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) davor den symbolischen ersten Spatenstich für den Bau der Verkehrsanlagen im zentralen Bereich, zu denen die U 5 gehört. Knapp 14 Jahre später, am 8. August dieses Jahres, soll endlich der Zugbetrieb beginnen. Wenn auch nur auf dem ersten, vom Schienennetz isolierten Teilstück. Pro Monat wurden im Durchschnitt rund elf Meter Strecke geschaffen. Das entspricht nicht mal der Länge eines Busses. Es ist also nur ein kleines Stück Berliner Zukunft, das bisher entstanden ist. Doch es hat große Besonderheiten - und einiges Potenzial.

Klein, in der Tat. Eine längere Gerade, eine Kurve, dabei bleibt es vorerst. Das erste Teilstück wird auf Jahre hinaus die kürzeste U-Bahn-Linie Berlins sein. Die Trasse vom Hauptbahnhof zum Bahnhof Brandenburger Tor, die zunächst als U 55 firmiert, ist etwas mehr als 1,8 Kilometer lang. Eine "Stummelbahn", spottete einst der CDU-Politiker Alexander Kaczmarek. Doch sie verbessert die Verbindungen des Hauptbahnhofs mit dem Süden der Stadt, entgegnen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Eine kurze U-Bahn-Fahrt zur vorläufigen Endstation vor dem Hotel Adlon, ein kurzer Gang durch einen mit hellgrauem Muschelkalk getäfelten Fußgängertunnel, der die edel klingende Bezeichnung "Passerelle" tragen wird - schon stehen die Fahrgäste im angrenzenden S-Bahnhof, in dem die Nord-Süd-Züge für die Weiterfahrt halten.
Mit mehr als 6 400 Fahrgästen pro Tag rechnet aber auch die BVG nicht. Ein Vier-Wagen-Zug, der alle zehn Minuten verkehrt, genügt. Da hilft es auch nicht, dass die vorerst wenig wichtige Minilinie in manchen Medien zur "Kanzler-U-Bahn" hochgejazzt wird: Regierungsmitglieder werden wohl kaum mitfahren, sie machen es sich wie die meisten Bundestagsabgeordneten lieber in ihren Limousinen bequem.

Rekordverdächtig ist der U-Bahnhof Bundestag. Denn der einzige Unterwegshalt, dessen Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank auch das benachbarte Bundeskanzleramt entworfen haben, gilt als die teuerste U-Bahn-Station Berlins. Auf 115 Millionen Mark (fast 59 Millionen Euro) wurden die Kosten für die Baugrube und den Rohbau beziffert. Die Betonkonstruktion fiel allerdings deshalb so aufwendig aus, weil sie ursprünglich das "Bürgerforum" mittragen sollte, das Schultes und sein Team ebenfalls konzipiert hatten. Doch diese Bebauung wurde vom Bund aus den Plänen gestrichen. Übrig blieb der ungewöhnlich großzügige, energiesparend mit viel Tageslicht beleuchtete, mit seinen Galerien und Säulen edel wirkende U-Bahnhof. Er hat die interessantesten Zwischennutzungen erlebt, die es in dem an derlei "Vorratsbauten" nun wirklich nicht armen Berliner Untergrund jemals gegeben hat. In dem weitläufigen Betonkasten wurden Partys gefeiert, Filme gedreht ("Resident Evil", "Librium") und Ausstellungen gezeigt. Robbie Williams sang, "Angela. Eine Nationaloper" war der berühmten Nachbarin, der Bundeskanzlerin Angela Merkel, gewidmet. Bei der "Zauberflöte in der U-Bahn" frei nach Mozart fuhr die Königin der Nacht auf einer Arbeitslore der BVG vor.

Auch die westliche Endstation der U 55 fiel großzügig aus - für die sparsame BVG, die sie betreiben und pflegen muss, ebenfalls zu großzügig. Meinhard von Gerkan, der auch den angrenzenden Hauptbahnhof entworfen hat, verpasste ihr die höchste U-Bahnhofshalle Berlins, rund elf Meter hoch. Daran konnte die BVG nichts ändern, bei der Deckengestaltung und der Beleuchtung waren dagegen Einsparungen möglich.

Der Bahnhof Brandenburger Tor, vorläufiger Endpunkt am östlichen Ende der U 55, ist die einzige U-Bahn-Station in dieser Stadt, die als Gedenkstätte des Senats dienen wird. In der Passerelle soll ein "Ort der Information" an die innerstädtische Grenze erinnern. Die Westzugänge des neuen Bahnhofs liegen ungefähr dort, wo zu DDR-Zeiten der streng bewachte Mauerstreifen begann. Wer die Treppe zum Bahnsteig hinabsteigt, wird an den Wänden historische Zitate lesen, ausgesucht von der Ausstellungsgestalterin Dagmar von Wilcken. Dazu zählen Walter Ulbrichts 1961 mit Fistelstimme vorgetragenes Bonmot "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" und Ronald Reagans "Mr. Gorbachev, open this gate" aus dem Jahr 1982.

Die "Stummelbahn" wird komplettiert

Die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat durchgesetzt, dass auch die Bahnsteigebene architektonisch gestaltet wird. Nach dem Entwurf von Axel Oestreich aus Berlin beherrschen anthrazitfarbenes Stahlblech und weißes Glas die Wände hinter den beiden Gleisen (wo Bilder an die Geschichte des Tores erinnern), dunkelgraues Blech ummantelt die Säulen. Düster ist es in rund 15 Meter Tiefe aber nicht: Eine Leuchtdecke zieht sich zwischen den Säulen entlang, die milde Helligkeit wird von dem Terrazzoboden reflektiert.
Nichts wird daran erinnern, dass dies nach Meinung vieler Fachleute lange Zeit die komplizierteste Tunnelbaustelle Deutschlands gewesen ist. "Eine Baustelle mit viel Hightech", sagt Oberbauleiter Peter Klein. Mit langen Messlanzen, die sogleich angeschlagen hätten, wenn das Bauprojekt die angrenzenden Gebäude in Bewegung versetzt hätte. Und mit dem größten unterirdischen Eisblock, der nach den Worten Kleins je geschaffen worden ist. Das 100 Meter lange, 30 Meter breite und außen minus 35 Grad Celsius kalte Trumm, in dem ein Großteil der Bahnsteigebene entstanden ist, stabilisierte die nasse, sandige, mit Braunkohle durchsetzte Problemzone. "Sonst wäre beim Graben ein Trichter entstanden, der bis zum Alexanderplatz gereicht hätte", so der Ingenieur.

Trotzdem mussten die Bauarbeiten immer wieder verlangsamt werden, weil sich der Grundwasserdruck häufig erhöhte. Zweimal kam es zu großen Havarien, bei denen so viel Feuchtigkeit eindrang, dass die Aufsichtsbehörde erst einmal Stoppzeichen setzen musste. "Es hätte nicht viel gefehlt und die Baugrube vor dem Adlon wäre mit Wasser vollgelaufen", sagt ein BVG-Mitarbeiter. Klein hält nicht viel von solch pointierten Formulierungen. Er mag sein Projekt auch nicht mit dem U-Bahn-Bau in Köln vergleichen, bei dem das dortige Historische Archiv einstürzte, was zwei Menschenleben forderte. "Bei der Sicherheit geht es um vielschichtige Probleme", sagt er. Hier, in Berlin-Mitte, seien sie gelöst worden.

Die Havarien haben das Projekt um ein Jahr verzögert. Die Planer und Bauleute trifft jedoch die geringste Schuld daran, dass der U-Bahn-Bau so lange gedauert hat. Die U-5-Verlängerung ist ein Paradebeispiel dafür, wie Ideen in der Berliner Politik unter die Räder kommen können. Erste Pläne für eine Ost-West-U-Bahn, die sogar bis Moabit führen sollte, gab es schon 1919. Nachdem die Tunnelbohrung 78 Jahre später endlich in die Vollen gegangen war, begann das Projekt in der Senatsgunst gleich wieder zu sinken - weil wegen ihm Geld für anderes fehlte. Die bestehenden, zum Teil maroden U-Bahn-Tunnel hätten die Finanzspritze in der Tat nötiger gehabt. Dann zogen auch noch Geschäftsleute aus der Friedrichstraße gegen die drohende Buddelei vor das Bundesverwaltungsgericht, das Verfahren ist bis heute anhängig.

2001 war es dann so weit: Das Projekt stand vor dem Aus, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verkündete den Baustopp. Der Senat hatte aber nicht erwartet, dass der Bundesrechnungshof dies als "besonders krasses Beispiel für die Verschwendung öffentlicher Gelder" brandmarken würde. Nach dessen Angaben waren bis dahin bereits 250 Millionen Mark, rund 128 Millionen Euro, Bundesgeld verbaut worden. Ein Machtkampf entbrannte. 2004 musste der damalige Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) zerknirscht zusagen, dass der U-Bahn-Bau bald weitergeht.

Damit ist klar: Bei der "Stummelbahn" bleibt es nicht. Vom kommenden Jahr an will Berlin den zweiten Teil des Versprechens einlösen. Die Ministrecke wird zu einer mehr als 20 Kilometer langen Ost-West-Trasse komplettiert, zu der die heutige U 5 (Alexanderplatz-Hönow) gehören wird. Nun sind bis zur Jüdenstraße am Roten Rathaus, wo deren Gleise beginnen, 2 015 Meter Strecke zu bauen, mitten in Berlin. 116 Bäume müssen gefällt werden, davon 53 Alleebäume Unter den Linden (sie werden alle ersetzt). Entlang des Boulevards werden Baustellen 21 Monate lang den Verkehr behindern, was Planern die Hoffnung gibt, dass diese Straße als Durchgangsroute endgültig aus der Mode kommen wird. Auf dem Marx-Engels-Forum zieht die Marx-und-Engels-Statue um.

Spätestens 2017 oder 2018 soll die U-5-Verlängerung dann komplett sein, sagt der BVG-Chef Andreas Sturmowski. Bereits drei Jahre vorher sollen die Züge aus Richtung Hönow zumindest schon zum Berliner Rathaus fahren können.

Teurer als geplant

Die BVG wollte die neuen Bahnhöfe sparsam gestalten. Jetzt aber sollen auch auf dem zweiten Bauabschnitt Stationen entstehen, "auf die man auch in hundert Jahren noch stolz sein kann", sagt die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer. Die SPD-Politikerin, die übrigens bei der U 55 eine der beiden Tunnelpatinnen war, möchte im Mai die Pläne präsentieren. Erste Details wurden bereits bekannt.

Bei dem Entwurf, den Max Dudler für die U-Bahn-Station mit dem Arbeitstitel Museumsinsel vorgelegt hat, gerät selbst die sonst eher auf Sachlichkeit erpichte Senatorin ins Schwärmen. "Warum sollte man dort nicht nach den Sternen greifen können?", meint sie. Der Schweizer Architekt ließ sich von einem Bühnenbild inspirieren, das der Baumeister Karl Friedrich Schinkel 1816 für Mozarts "Zauberflöte" gemalt hat. Wie im Eingang zum Palast der Königin der Nacht sollen in dem U-Bahnhof, der sich neben dem Humboldt-Forum in rund 16,50 Meter Tiefe beiderseits des Spreekanals erstrecken wird, Lichtpunkte auf nachtblauem Grund erstrahlen. Die beiden U-Bahn-Röhren werden zu Sternenkuppeln.

Für den U-Bahnhof Berliner Rathaus hat der Berliner Architekt Oliver Collignon einen früheren Entwurf überarbeitet, der auf seinen früheren Partner, den Briten Richard Rogers, zurückgeht. Deckenschlitze sollen viel Tageslicht hineinlassen. Von einem breiten Steg über den Gleisen gelangen die Fahrgäste zu den seitlich gelegenen Bahnsteigen.

Das voluminöseste Bauwerk wird der U-Bahnhof Unter den Linden sein. Er entsteht dort, wo der Tunnel die unter der Friedrichstraße verlaufende U 6 kreuzt. Für den Knotenpunkt entwarf Axel Oestreich eine Halle, in der Fahrtreppen ohne Unterbrechung auf den in rund 15 Meter Tiefe gelegenen U-5-Bahnsteig hinabführen. Dort haben die Fahrgäste einen großen Auftritt.

Rund 1,3 Milliarden Mark (zirka 665 Millionen Euro) soll die gesamte U-5-Verlängerung kosten, so haben es der Bund und das Land 1994 kalkuliert. Inzwischen gilt es als wahrscheinlich, dass die Kosten am Ende höher sein werden - von bis zu 80 Millionen Euro Mehraufwand ist die Rede. Allerdings zahlt der Bund den Löwenanteil. Der Fahrgastverband IGEB, die Grünen und andere Kritiker hätten das Geld lieber in den Ausbau des Straßenbahnnetzes gesteckt. Doch die Grundsatzdebatten über den Sinn dieser U-Bahn konnten das Projekt nicht verhindern. In Prognosen werden je nach Abschnitt bis zu 150 000 Fahrgäste pro Tag erwartet. Die BVG rechnet mit 30 000 zusätzlichen Nahverkehrskunden im gesamten Netz, aber den Großteil ihrer Fahrgäste wird die neue Trasse von bestehenden Strecken wie der U 2 oder den S-Bahn-Linien auf der Stadtbahn abziehen. Deren Wirtschaftlichkeit werde sich dadurch verschlechtern, hatte es zu Strieders Zeiten im Senat noch geheißen. Inzwischen hat man sich dort wieder auf eine freundlichere Bewertung verständigt. Deren Tenor lautet: Die Neubaustrecke sei sinnvoll - vor allem, weil sie die Verbindungen zwischen den östlichen Bezirken und der Innenstadt verbessert, Anziehungspunkte wie die Museumsinsel, die Humboldt-Universität sowie das wieder aufgebaute Schloss an das Schienennetz anschließt.

Neben der U 5 entsteht ein weiteres Stück Zukunft - die zweite Berliner Nord-Süd-S-Bahn, 4,3 Kilometer lang und mit dem Arbeitstitel S 21. Das erste Teilstück wird die Ringbahnhöfe Wedding und Westhafen mit dem Hauptbahnhof verbinden. Wenn die U 5 komplett ist, soll der zweite Bauabschnitt in Richtung Potsdamer Platz in Angriff genommen werden, der vor der US-Botschaft unter der Ebertstraße an die bestehende Nord-Süd-Strecke anschließt. Der geplante S-Bahnhof unter dem Friedrich-Ebert-Platz (vor dem Osteingang des Reichstagsgebäudes) wird aber wohl nicht gebaut, weil der Bundestag Sicherheitsbedenken hat. Damit wird die 317 Millionen Euro teure neue Nord-Süd-S-Bahn außer dem Hauptbahnhof auf der gesamten Streckenlänge vorerst keine Zwischenstationen haben - was den Verkehrswert wohl mindern dürfte.

Die U-5-Kritiker halten auch dieses Tunnelbauprojekt für Unsinn. "Es ist überflüssig", sagt der IGEB-Vize Jens Wieseke. Besser wäre es, mehr Regionalzüge durch den nicht ausgelasteten Tiergartentunnel der Deutschen Bahn zu schicken - diese Nord-Süd-Strecke gebe es schließlich auch noch.

Doch dem Senat liegt die S 21 am Herzen. "Der Hauptbahnhof entwickelt sich zum zentralen Knotenpunkt. Er muss bessere Nahverkehrsverbindungen aus dem Norden und dem Süden bekommen", sagt Georg Müller, Planer in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Schon vor knapp zwei Jahrzehnten gab es erste Konzepte - aber der Bund gab der U 5 Vorrang. Später hieß es allzu optimistisch, der erste Bauabschnitt der S 21 wird mit dem Hauptbahnhof 2006 fertig. Im nächsten Jahr soll mit der Komplettierung der Tunneldecke unter der Invalidenstraße das Projekt endlich in die Vollen gehen. 2014 oder 2015 könnte der erste Zug fahren, drei Linien sind vorgesehen - eine davon zum Großflughafen Berlin Brandenburg International. Für das zweite Teilstück hieß es anfangs, dass der Betrieb 2021 beginnen könnte. Neuerdings spricht Friedemann Kunst, oberster Verkehrsplaner Berlins, von einer "Inbetriebnahme etwa 2023/24".

Wie gesagt, manche Dinge dauern in Berlin etwas länger. Aber offenbar gilt auch: Ende gut, alles gut.

Ab durch die Mitte

Wie ein Schweizer Käse: Berlins Untergrund ist schon stark durchlöchert - nun werden in Mitte zwei weitere Tunnel gebaut. Zum einen wird die Verlängerung der U 5 komplettiert. Zum anderen entsteht eine zweite Nord-Süd-S-Bahn. Die S 21, so der Arbeitstitel, soll dafür sorgen, dass der Hauptbahnhof besser erreicht werden kann.

Wie ein Ypsilon sieht der Nordabschnitt der neuen S-Bahn-Strecke auf Karten aus. Von den Ringbahnhöfen Westhafen und Wedding führt die Trasse nach Süden, sie mündet in einer Tunnelstation neben dem Hauptbahnhof. Fertigstellung: spätestens 2015. An der Perleberger Straße ist als Option ein mehrstöckiger S-Bahnhof geplant, für 15 Millionen Euro. Er soll aber erst dann "nachgerüstet" werden, wenn die Brachen an der Heidestraße bebaut worden sind.

Unter der Spree und dem Friedrich-Ebert-Platz vor dem Reichstagsgebäude wird der Südabschnitt der S 21 verlaufen. Unter der Ebertstraße, vor der US-Botschaft, mündet er in den heutigen S-Bahn-Tunnel. Wann er gebaut wird, steht noch nicht fest. Dieser Abschnitt der neuen S-Bahn bleibt auf Dauer ohne Zwischenstation.

Drei S-Bahn-Linien sollen die neue Trasse nutzen: die S 21 (Potsdamer Platz-Jungfernheide), die S 1 (Oranienburg-Wannsee) sowie die S 85 (Flughafen BBI-Zehlendorf).

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Text und Quelle der folgenden Bilder: Berliner Zeitung

Der U-Bahnhof Bundestag besticht durch seine Großzügigkeit und die Konsequenz, mit der polierter Sichtbeton als Gestaltungsmittel eingesetzt worden ist. Die Halle ist rund 3000 Quadratmeter groß und acht Meter hoch, so die BVG.


Die Schienen haben den U-Bahnhof Brandenburger Tor fast erreicht. In dem 5,75 Meter hohen Tunnel ruhen die Gleiströge aus Stahlbeton auf Kunststoff. Er fängt die Erschütterungen beim Zugfahren auf, damit in den Cafés am Pariser Platz nicht die Tassen wackeln.


Hell und dunkel konkurrieren im U-Bahnhof Brandenburger Tor miteinander - ohne dass eine Seite gewinnt. Das macht den Reiz dieses unterirdischen Bauwerks aus. In der Bahnsteighalle ummantelt dunkelgrauer Stahl die 19 Stützenpaare, auch an den Wänden hinter den Gleisen prangt dunkles Metall.

Linie 41

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #9 on: April 30, 2009, 01:36:33 AM »
Eines zeigt dieser Artikel auf wunderbare Weise auf: Egal wo auf der Welt, die Politiker sind dümmliche, größenwahnsinnige Emporkömmlinge ohne Hirn und Verstand, die notwendig wären, um den Staat zu lenken.

DUEWAG-IBK

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #10 on: April 30, 2009, 01:42:07 AM »
Quote
Original von Linie 41
Eines zeigt dieser Artikel auf wunderbare Weise auf: Egal wo auf der Welt, die Politiker sind dümmliche, größenwahnsinnige Emporkömmlinge ohne Hirn und Verstand, die notwendig wären, um den Staat zu lenken.

Dabei sieht man aber, es geht auch ohne. 8-) ;( :boese:

Erinnert mich an Kleinkinder, obwohl diese wohl manchmal klüger wären. Z.B. in Sachen der "bösen" Straßenbahn.

95B

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #11 on: April 30, 2009, 09:33:52 AM »
Quote
Original von Linie 41
Egal wo auf der Welt, die Politiker sind dümmliche, größenwahnsinnige Emporkömmlinge ohne Hirn und Verstand, die notwendig wären, um den Staat zu lenken.
Sonst wären sie auch keine Politiker geworden. :P

MTA3835

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #12 on: April 30, 2009, 11:17:47 PM »
Na endlich tut sich da mal wieder was.....
Galileo zeigt schon ein paar Mal die Dokumentation über den komplizierten Bau der Linie, nur jedes Mal mit anderem Fertigstellungstermin......bisher stimmte kein einziger..... :rolleyes:

D Wagen

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[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #13 on: May 31, 2009, 01:45:01 AM »
Text aus "Berliner Zeitung" vom 30.05.2009:

Ein U-Bahnhof mit Sternenhimmel
Senat stellt die Entwürfe für die neuen Stationen der U5 vor / Strecke wird teurer als geplant
Peter Neumann

Berlin - Im U-Bahnhof Museumsinsel halten die Züge unter blauen Gewölben, die mit ihren vielen Lichtern an einen Sternenhimmel erinnern. Im U-Bahnhof Unter den Linden fahren die Reisenden auf einer der längsten Rolltreppen Berlins durch eine Halle. Im U-Bahnhof Berliner Rathaus lassen Dachöffnungen viel Tageslicht hinein. „An der Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 wollen wir U-Bahnhöfe bauen, auf die auch die kommenden Generationen stolz sein können“, sagte die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), als sie am Freitag die endgültigen Entwürfe vorstellte. Bevor jedoch 2017 der Zugbetrieb beginnt, wird die historische Mitte zu einer Großbaustelle. Zudem wurde bekannt, dass die neue U-Bahn viel teurer wird als geplant.

Die 3,9 Kilometer lange Verlängerung der U5, die über den Alexanderplatz hinaus zum Hauptbahnhof führen wird, entsteht in mehreren Bau-Etappen. „Das erste Teilstück nehmen wir wie angekündigt am 8. August dieses Jahres in Betrieb – die U55 vom Brandenburger Tor zum Hauptbahnhof“, bestätigte Andreas Sturmowski, Vorstandsvorsitzender der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Lange hieß es, dass auf der 1,8-Kilometer-Kurzstrecke zur Fußball-WM 2006 der Verkehr starten sollte. Doch Grundwassereinbrüche trugen dazu bei, dass sich der Bau der vorläufigen Endstation am Hotel Adlon hinzog.

Ein Ost-West-Projekt
Für die Schließung der fast 2,2 Kilometer langen Lücke zwischen dem Pariser und dem Alexanderplatz sollen die Arbeiten 2010 in die Vollen gehen. „Dann beginnt auch der Bau der U-Bahnhöfe“, sagte Projektleiter Carsten Liebich. Junge-Reyer setzte gegen die BVG durch, dass Architekten betraut werden. „An diesen herausragenden Orten brauchen wir Bauwerke mit einer hohen Qualität“, bekräftigte sie am Freitag.

Sturmowski kündigte an, dass die U5 von Herbst 2015 an bereits zum U-Bahnhof Berliner Rathaus fahren soll. Für diese Station hat der Berliner Architekt Oliver Collignon breite „Lichtschlitze“ in der Decke vorgesehen.

Dadurch könne zwar auch Regenwasser in den Bahnhof dringen – „doch die Entwässerungsanlagen werden großzügig dimensioniert“, sagte er.
Bei seinem Entwurf für den U-Bahnhof Museumsinsel ließ sich Max Dudler von einem Bühnenbild inspirieren, das der Baumeister Karl Friedrich Schinkel 1816 für Mozarts „Zauberflöte“ gemalt hat. „Die Gewölbe mit dem Sternenhimmel werden zehn Meter hoch“, so der BVG-Chef. Die Station in 16,50 Meter Tiefe, die keine Verbindung zum geplanten Schloss erhält, entsteht wie der
U-Bahnhof Brandenburger Tor in einem Eisblock – das hält das Grundwasser in Schach. Ingrid Hentschel und Axel Oestreich aus Berlin zeichnen für den neuen U-Bahnhof Unter den Linden verantwortlich, in dem Fahrgäste zur U6 umsteigen können. „Der U-5-Bahnsteig wird sich in rund 25 Meter Tiefe befinden“, sagte Liebich. Doch wie im Keller muss sich dort niemand fühlen: Die Züge halten in einer großzügigen Halle, eine Lichtdecke spendet Helligkeit.
Die neue U5 verbessere nicht nur die Verbindung zur Museumsinsel und zum Schloss, sagte die Senatorin – für sie ist das Projekt auch ein Ost-West-Thema.

„Es ist wichtig für das weitere Zusammenwachsen Berlins“, so Junge-Reyer. Gebiete wie Hellersdorf und Friedrichsfelde seien ab 2017 besser erreichbar.
Dies alles lassen sich der Bund und Berlin viel Geld kosten. Bisher hieß es, dass für die U-5-Verlängerung rund 665 Millionen Euro aufzuwenden sind. Am Freitag machte die BVG eine neue Rechnung auf: Die U55 kostet 320 Millionen Euro. Für die zweite Etappe werden nun 433 Millionen Euro veranschlagt – das macht insgesamt 753 Millionen Euro, also fast 90 Millionen mehr als bisher geplant.
Das liege aber nicht an der Bahnhofsgestaltung, hieß es. „Die bisherige Kostenermittlung war zwölf Jahre alt“, sagte Sturmowski. „Außerdem konnten wir einen Teil der Steigerungen durch Umplanungen teilweise auffangen.“ Junge-Reyer hofft nun, dass sich die Kosten noch drücken lassen. Doch auch sie steht hinter dem Projekt: „Wir rechnen für die U5 mit bis zu 155 000 Fahrgästen pro Tag – davon 40 000 Umsteiger vom Auto.“

69er

  • Guest
[BVG] Und sie rollt doch! Die Kanzler-U-Bahn ...
« Reply #14 on: May 31, 2009, 02:07:47 AM »
Ich seh die U-Bahn noch nicht fahren, eher ein zuschütten der Vorarbeiten  :D