Author Topic: Durchgangslinien  (Read 50 times)

13er

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Durchgangslinien
« on: October 17, 2009, 08:08:08 PM »
Wien besitzt dieser Tage ein völlig zerrissenes Straßenbahnnetz, mit nur mehr den für einen gerade noch ausreichenden Betrieb notwendigsten Verbindungen, was ein sehr häufiges Umsteigen (natürlich in die heilige U-Bahn) selbst auf den wichtigsten Relationen nach sich zieht. So gleicht für mich eine Fahrt von der Alser Straße in die Landstraße einer Weltreise mit mind. zweimaligem Umsteigen.

Die neuen Linien 1 und 2 sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein und dennoch, so kann man hoffen, aufgrund ihres enormen Erfolgs, eine mögliche Renaissance der Durchgangslinien.

In anderen Städten sieht man sich erfolgreich planend, wenn man von einem beliebigen Punkt in der Stadt zu einem anderen durch maximal einmaligem Umsteigen gelangen kann.

In Wien wurde in den vergangenen Jahr(zehnt)en alles dafür getan, damit die öffentlichen Verkehrsmittel keine Behinderung für den Autoverkehr, dafür eine umso größere für den Fahrgast sind. Einige der Linien in Wien sind so kurz, dass man eine potentielle Verknüpfung mit anderen Linien geradezu böswillig ignorieren muss. Dazu gehören natürlich der 42er und 44er, die als eigenständige Linien heute nur mehr sehr unterdurchschnittliche Bedeutung haben. Den 42er gibt es heute wohl nur deswegen noch, weil er als Betriebs- und Umleitungsstrecke (fast täglich Falschparker in der Währinger Straße!) benötigt wird.

Doch das war nicht immer so. Bis zum 13. Februar 1960 gab es zwei durchaus nicht unbeliebte Durchgangslinien, den C- und den F-Wagen. Der F-Wagen von Währing Kreuzgasse bis St. Marx, der C-Wagen Hernals - Kaisermühlen. Heute wäre eine solche Linie bei den Wiener Gepflogenheiten absolut unvorstellbar und das am allerwenigsten, weil auf der Reichsbrücke keine Straßenbahngleise mehr liegen.

Wie auch immer, heute ist mir wieder ein Foto in die Hand gefallen, wo den Fahrgästen die großartige Innovation des Umsteigens ansprechend verkauft wurde. Was für ein super Ersatz die Linien 44 und 24 mit Umsteigen-müssen in eine Ringlinie für den Fahrgast wohl waren, nur damit man die Schottenkreuzung autogerecht umbauen konnte!

Edit: Der Text ist auf dem JPG etwas schwierig zu entziffern, daher hier noch einmal:
Quote
LINIE C
ab 14. Februar 1960
aufgelassen

An ihrer Stelle
verkehren ganztägig
die
LINIE 24
zwischen
Franz Josefs Kai (Eßlinggasse)
und Kaisermühlen
und die
LINIE 44
zwischen
Schottentor und
Joh. Nepomuk Berger Platz

Mobil
= mehr Motorleistung

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Skytronic

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Durchgangslinien
« Reply #1 on: October 18, 2009, 05:00:53 PM »
Eine Frage zum Bild über der Hs-Tafel ist ein " V E" zu sehen was hat das bedeutet?
An das "Ding" zum Weiche stellen kann ich mich noch erinnern, hat aber mehr als Mistkübel gedient, am Zimmermanplatz war auch so was.
  :D

Revisor

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Durchgangslinien
« Reply #2 on: October 18, 2009, 05:38:24 PM »
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Original von Skytronic
Eine Frage zum Bild über der Hs-Tafel ist ein " V E" zu sehen was hat das bedeutet?
An das "Ding" zum Weiche stellen kann ich mich noch erinnern, hat aber mehr als Mistkübel gedient, am Zimmermanplatz war auch so was.  :D
Das Signal V bedeutet "Vorgehen"  und das E bedeutet "Einschränkung der Warnsignale" wegen des Spitals.
Das "Ding" ist das Stellhebelgehäuse für die zugehörige Weiche.

Skytronic

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Durchgangslinien
« Reply #3 on: October 18, 2009, 06:15:33 PM »
Danke alles klar.
 
Das "Ding" hat jetzt einen Namen. :D

Ferry

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Durchgangslinien
« Reply #4 on: October 19, 2009, 09:44:46 AM »
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Original von Revisor
Das Signal V bedeutet "Vorgehen"  und das E bedeutet "Einschränkung der Warnsignale" wegen des Spitals.
Diese Erinnerungssignale gibt es m.W.heute nicht mehr.
Quote
Das "Ding" ist das Stellhebelgehäuse für die zugehörige Weiche.
Ja, die sog. Stellhebelweichen. Gibt's heutzutage im Gleisnetz der WL auch nicht mehr (oder kennt jemand noch eine solche Weiche, dann bitte ich um Angabe!).

Luki32

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Durchgangslinien
« Reply #5 on: October 19, 2009, 10:51:10 AM »
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Original von Ferry
Quote
Original von Revisor
Das Signal V bedeutet "Vorgehen"  und das E bedeutet "Einschränkung der Warnsignale" wegen des Spitals.
Diese Erinnerungssignale gibt es m.W.heute nicht mehr.

Natürlich nicht, wobei das V bis vor kurzer Zeit eine zweite Bedeutung bekam, in Verbindung mit dem W für Weichen mit elektrischer Verriegelung.

mfG
Luki

Revisor

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Durchgangslinien
« Reply #6 on: October 19, 2009, 11:52:20 AM »
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Original von Luki32
Quote
Original von Ferry
Quote
Original von Revisor
Das Signal V bedeutet "Vorgehen"  und das E bedeutet "Einschränkung der Warnsignale" wegen des Spitals.
Diese Erinnerungssignale gibt es m.W.heute nicht mehr.

Natürlich nicht, wobei das V bis vor kurzer Zeit eine zweite Bedeutung bekam, in Verbindung mit dem W für Weichen mit elektrischer Verriegelung.
Ich habe ja auch nur beschrieben, welche Bedeutung sie auf dem Foto haben. Übrigens, gibt es das Erinnerungssignal E in der Bedeutung Ende einer Geschwindigkeitsbegrenzung tatsächlich nicht mehr?

Luki32

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Durchgangslinien
« Reply #7 on: October 19, 2009, 11:59:03 AM »
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Original von Revisor
Ich habe ja auch nur beschrieben, welche Bedeutung sie auf dem Foto haben. Übrigens, gibt es das Erinnerungssignal E in der Bedeutung Ende einer Geschwindigkeitsbegrenzung tatsächlich nicht mehr?

Natürlich, an das habe ich jetzt nicht gedacht, aber nicht mehr in Fähnchenform.   ;)

mfG
Luki

robb558

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Durchgangslinien
« Reply #8 on: October 25, 2009, 02:06:36 AM »
Eine Frage an die Experten bzw. die den C-Wagen kannten.

Fuhr der C-Wagen von Hernals kommend über Börse oder über Oper nach Kaisermühlen ?
Wo genau verließ der C-Wagen bzw. dann der 24er den Abschnitt Ring/Kai Richtung Kaisermühlen ? So wie ehemaligen Linien A und B (Aspernbrücke ?) oder so wie der 21er (Marien bzw. oder Schwedenbrücke)?

Aber wenn der C-Wagen am Schottentor in den Ring mündete, dann wurden doch die Gleise eh nicht entfernt, da sie ja bis heute existieren? Ich verstehe immer noch nicht wieso die ganzen Durchgangslinien bzw. konkret jetzt der C-Wagen  eingestellt wurde? Lediglich der Abschnitt Ring-Kaisermühlen könnte heute leider nicht mehr "reaktiviert" werden.

lachkater

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Durchgangslinien
« Reply #9 on: October 25, 2009, 08:02:47 AM »
Quote
Original von robb558
Eine Frage an die Experten bzw. die den C-Wagen kannten.

Fuhr der C-Wagen von Hernals kommend über Börse oder über Oper nach Kaisermühlen ?
Wo genau verließ der C-Wagen bzw. dann der 24er den Abschnitt Ring/Kai Richtung Kaisermühlen ? So wie ehemaligen Linien A und B (Aspernbrücke ?) oder so wie der 21er (Marien bzw. oder Schwedenbrücke)?

Aber wenn der C-Wagen am Schottentor in den Ring mündete, dann wurden doch die Gleise eh nicht entfernt, da sie ja bis heute existieren? Ich verstehe immer noch nicht wieso die ganzen Durchgangslinien bzw. konkret jetzt der C-Wagen  eingestellt wurde? Lediglich der Abschnitt Ring-Kaisermühlen könnte heute leider nicht mehr "reaktiviert" werden.

Der C wurde ursprünglich (bis 15.4.1910) als Linie CA über Obere und Untere Augartenstraße geführt. Du musst unterscheiden ob du den Zeitraum vor dem 11.10.1937 (Eröffnung der neuen Reichsbrücke) meinst, oder nachher.. Da du ja von Kaisermühlen sprichst nehme ich an dass du zweiteres meinst.. Bis 10.10.1937 wurde vom Prater aus gefahren.. Ab 11.10.1937 war die Linienführung über Heinestraße - Taborstraße - Kai  - Schottenring.. Ergänzend dazu: Es gab auch vom 26.02.1907 bis 30.12.1908 eine Streckenführung durch die Taborstraße die als CT signalisiert wurde.. Mit in diesem Bereich müsste auch die Linie VC genommen werden, die 1918 und 1919 als die Linie C eingestellt war verkehrte..

Die Einstellung des C war mit dem Bau des Jonas-Reindls begründet.. Die Gleisverbindungen zum Ring wurden erst später (? 1981) wieder eingebaut..

Revisor

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Durchgangslinien
« Reply #10 on: October 25, 2009, 01:06:59 PM »
Die Linie CA verkehrte vom 26. 2. 1907 - 29. 3. 1910 über Heinestraße - Obere und Untere Augartenstraße - Augartenbrücke, die Linie CT vom 26. 2. 1907 - 11. 10. 1908 über Taborstraße - Marienbrücke. Ab 30. 3. 1910 - 10. 10. 1937 fuhr die Linie C über Obere und Untere Augartenstraße - Augartenbrücke. Ab 11. 10. 1937 - 10. 9. 1944 wurde die Linie C über Taborstraße - Schwedenbrücke geführt. 1944 begannen die bombenschadenbedingten Umleitungen, wobei die Linie C vom 11. 9. 1944 - 6. 10. 1944 über Praterstraße und Aspernbrücke geführt wurde. Vom 7. 10. 1944 - 15. 1. 1945 konnte wieder über Taborstraße - Schwedenbrücke gefahren werden. Danach konnte die Heinestraße nicht mehr befahren werden und es erfolgte ab 13. 2. 1945 -  die Führung über Nordbahnstraße - Am Tabor - Taborstraße, wobei es bis 22. 3. 1945 immer wieder zu zum Teil weiträumigen Umleitungen kam.

Nach dem Krieg nahm die Linie C am 9. 12. 1946 wieder ihren Betrieb auf, pausierte aber neuerlich vom 10. 3. 1947 - 4. 5. 1947. Gefahren wurde über Nordbahnstraße - Am Tabor - Taborstraße - Schwedenbrücke bis 24. 10. 1953, danach bis 11. 11. 1956 über die Marienbrücke. Vom 26. 4. 1954 - 30. 5. 1954 und vom 10. 12. 1955 - 8. 1. 1956 wurde allerdings wieder über die Schwedenbrücke gefahren. Ab 12. 11. 1956 wurde die Strecke in der Heinestraße wieder in Betrieb genommen, allerdings nicht mehr direkt zum Praterstern, sondern über Mühlfeldgasse - Nordbahnstraße. An der Führung über Taborstraße - Marienbrücke änderte sich nichts. Am 13. 2. 1960 verkehrte die Linie C letztmalig und wurde wegen des Beginns der Bauarbeiten zum Jonas-Reindl eingestellt. Nach Fertigstellung des Bauwerks existierten nur noch Gleisverbindungen aus der Universitätsstraße in die beiden Ringgleise. In der Gegenrichtung wurde eine vom Gleis I des Rings ausgehende Verbindungsstrecke durch die Heßgasse - Maria-Theresien-Straße in die Schottentorschleife - Universitätsstraße angelegt. Es wäre daher zwar gleismäßig eine Führung der Linie C wieder möglich gewesen, aber abgesehen von der sehr schlechten Anbindung an die Umsteigestelle Schottentor, war es verkehrsmäßig nicht mehr denkbar, das in den Ring führende Gleis im Linienverkehr zu benutzen. Später wurde dann auch die Maria-Theresien-Straße zur Einbahn erklärt, gegen die das Straßenbahngleis verlief. Auch heute ist an eine Wiederaufnahme der Linie C vor allem wegen der Einmündung des Gleises aus der Universitätsstraße im Haltestellenbereich des Ringgleises nicht zu denken.