Straßenbahn Linienrätsel

11 Beiträge
19.07.2011, 18:04#1
Vielleicht weiß einer von euch mehr! Es geht um 3 nicht mehr existierende Straßenbahn Linien:
1) Im Buch "Tramway in Favoriten" von Heinz Fink erzählt er auf Seite 17 von einer Linie 107 die 1946 zwischen Grässlplatz und Simmering pendelte, als die Unterführung der Gudrunstraße unter der Ostbahn wegen Brückenschäden nicht befahrbar war und der 6er über Gürtel und 71 nach Simmering umgeleitet wurde.
2) An der selben Stelle spricht er von einer Linie 6-gestrichen (zu der er aber keine Unterlagen hat, die zur selben Zeit zwischen Triesterstraße und Gellertplatz gependelt haben soll.
3) Und jetzt ganz was Spezielles: Als ich 15 oder 16 Jahre alt war (1962/63) und auf der Schreibmaschine meine ersten Zusammenstellungen der Wiener Straßenbahnlinien schrieb, fand ich im Kurier eine Meldung, dass in der Engberthstraße für den Schülerverkehr eine zusätzliche Linie eingeführt werde, die einen Teil der Linie 11 befahren sollte (müsste in etwa der heutigen Autobuslinie 11B entsprechen). Diese bekäme das Liniensignal "11k" (!!). Ich habe damals diese Linie in mein Verzeichnis aufgenommen (ist also kein Hirngespinst!). War das eine Zeitungsente? Wenn nein, wurde diese Linie (wenn auch nur kurzzeitig) eingeführt? Wenn ja, war "11k" ein Druckfehler? Wenn nein, wie kam es zu dieser kuriosen Bezeichnung, da diese Linie ja mit dem Franz Josefs Kai rein gar nichts zu tun hatte?
Wer von euch weiß über die 3 Linien Näheres? Dank im voraus!
20.07.2011, 11:03#2
RE: Straßenbahn Linienrätsel
Zitat
Original von Öffi Freund
Wer von euch weiß über die 3 Linien Näheres? Dank im voraus!

Ich weiß nur eins: Niemals den Texten in einem Fink-Buch Glauben schenken! :lampe:
20.07.2011, 13:57#3
RE: Straßenbahn Linienrätsel
Zitat
Original von Öffi Freund
1) Im Buch "Tramway in Favoriten" von Heinz Fink erzählt er auf Seite 17 von einer Linie 107 die 1946 zwischen Grässlplatz und Simmering pendelte, als die Unterführung der Gudrunstraße unter der Ostbahn wegen Brückenschäden nicht befahrbar war und der 6er über Gürtel und 71 nach Simmering umgeleitet wurde.

Eine Linie 107 hat es nie gegeben. Es hätte auch nicht viel Sinn gemacht, den in den ersten Nachkriegsmonaten geschaffenen zahllosen Kurz- und Zusammenführungen von Linien eigene Bezeichnungen zu geben. Die einzige mir bekannte Linie, die aus einer solchen Zusammenführung herrührt, war der von 1948 - 1952 betriebene 37/40er.

Zitat
2) An der selben Stelle spricht er von einer Linie 6-gestrichen (zu der er aber keine Unterlagen hat, die zur selben Zeit zwischen Triesterstraße und Gellertplatz gependelt haben soll.

Wie gesagt, es gab nach dem Krieg bis zur Wiederherstellung des Netzes zahlreiche Kurzführungen und Umleitungen.

Zitat
3) Und jetzt ganz was Spezielles: Als ich 15 oder 16 Jahre alt war (1962/63) und auf der Schreibmaschine meine ersten Zusammenstellungen der Wiener Straßenbahnlinien schrieb, fand ich im Kurier eine Meldung, dass in der Engberthstraße für den Schülerverkehr eine zusätzliche Linie eingeführt werde, die einen Teil der Linie 11 befahren sollte (müsste in etwa der heutigen Autobuslinie 11B entsprechen). Diese bekäme das Liniensignal "11k" (!!). Ich habe damals diese Linie in mein Verzeichnis aufgenommen (ist also kein Hirngespinst!). War das eine Zeitungsente? Wenn nein, wurde diese Linie (wenn auch nur kurzzeitig) eingeführt?

Ob es einen derart kurzgeführten 11er je gegeben hat, ist mir nicht bekannt. Aber eine Linie "11k" hat es jedenfalls nie gegeben; die korrekte Bezeichnung wäre wohl auch 11/ (11 gestrichen) gewesen. Im übrigen heißt es Engerthstraße.

Im Übrigen gilt das von "95B" Gesagte. Finks Bücher sind bekannt für ihre - hm - Anekdoten.
22.07.2011, 11:17#4
Beiden ein Danke für die Antwort und die "Aufklärung" Herrn Fink betreffend. Da ich hartnäckig bin, werde ich ihm einen Brief schreiben und ihn ersuchen, mir ein Foto der (angeblich) in seinem Besitz befindlichen Innenbesteckung 107 gegen Kostenersatz zu senden. Es gilt dann: Keine Antwort ist auch eine Antwort.
Zum "11k": Das bestätigt nur meine Meinung, dass es ein solches Signal nicht gegeben haben kann. Da es tatsächlich so in der Zeitung war, nehme ich an, dass der Redakteur einen "Abschreibfehler" begangen hat. So tatsächlich eine Zeit lang ein kurzgeführter 11er verkehrte (was sich heute kaum mehr nachvollziehen lässt), so hat er wohl 11 gestrichen geheißen (falls er überhaupt ein eigenes Signal hatte).
Beste Grüße
PS: Die "Engbethstraße" war ein Tippfehler meinerseits, ich erwische auf der Tastatur manchmal zwei Tasten gleichzeitig.
24.07.2011, 14:51#5
Woher der Hr. Fink diese Aufzeichnungen hat ist mir ebenfalls ein Rätsel.
Wenn schon 1946 eine Linie in der Geiselbergstraße pendelte, warum sollte diese als 107 bezeichnet gewesen sein? Das ursprünglich (für diesen Abschnitt) gewesene Signal 7 kam erst wieder ab 23.5.1949 in Verwendung und die Linie 6 endete von 16.10.1945 bis 8.9.1946 am Gellertplatz.
Von einer Linie 6 getrichen Triesterstraße - Gellertplatz ist mir nichts bekannt. Könnte aber höchstens vom 6.1. bis 20.1.1946 in Betrieb gewesen sein, da zu dieser Zeit die Linie 6 ab Keplerplatz über 67 zur Lehmgasse geführt wurde.
26.07.2011, 11:58#6
Er behauptet in seinem Buch zur Herkunft Folgendes: Es pendelten 1 bis 2 Wagen mit weißer Scheibe und der Innenbesteckung 107. Diese Tafeln seien extra angefertigt worden (!!): Ordnungszahl 8901-IX.46-HG, Original vorhanden. Er habe dies von einem "Teddy" Roskosny, Fahrer und Expeditor im Bahnhof Favoriten seit 1936, verstorben 1990. Ob es den Herrn Roskosny je gegeben hat und ob der die Geschichte erfunden hat (schließlich kann er sich nicht mehr wehren) weiß ich nicht, ebenso wenig, was es mit der "Ordnungszahl" auf sich hat.Wie gesagt - ich werde Herrn F. brtieflich um ein Foto der Tafel ersuchen. Dann wird man ja die Reaktion oder Nichtreaktion sehen.
LG Öffi-Freund
14.10.2011, 16:17#7
Ich habe angekündigt, dass ich in der Sache "107" Herrn Fink schreiben werde. Habe ich getan und er hat geantwortet und mir eine Kopie jener Tafel geschickt, die eine Innenbesteckung der geheimnisvollen Linie sein soll. Ich selbst kann das nicht beurteilen, vielleicht kann einer von euch aufgrund des Schriftbildes der Linie oder der Nummer rechts unten feststellen, ob das realistisch ist oder ein fake. Was die Logik der Linienbezeichnung 107 anbelangt, so scheint mir dies insofern plausibel, da es ja (ich glaube bis 1932) eine Linie 7 von Margareten bis zum Gräßlplatz gab und das Signal 106 ja bereits besetzt war. Allerdings kann ich mir nicht wirklich vorstellen, dass sich Jemand 1946 die Mühe gemacht hat, ein eigenes Liniensignal für eine aushilfsweise pendelnde Linie herzustellen (auch wenn s nur eine Innenbesteckung war). So das wärs.
LG Öffi Freund
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14.10.2011, 19:28#8
Zitat
Original von Öffi Freund
Ich habe angekündigt, dass ich in der Sache "107" Herrn Fink schreiben werde. Habe ich getan und er hat geantwortet und mir eine Kopie jener Tafel geschickt, die eine Innenbesteckung der geheimnisvollen Linie sein soll.LG Öffi Freund

Hat er dir zufällig auch die andere Seite der Tafel (mit den Stationen bzw. Kurzstreckengrenzen - falls es die 1946 schon gab) geschickt?
15.10.2011, 10:49#9
Hat er nicht. Hätte ich sonst angehängt. Kurzstrecken gab es damals noch lange nicht. Soviel ich mich an meine Kindheit erinnere (bin Jahrgang 1947) waren Haltestellen und Streckenverlauf außerdem auf eigenen rechteckigen Tafeln (2. Teil der Innenbesteckung). Ich glaube aber nicht - vorausgesetzt die Linientafel 107 ist echt - dass sich Jemand 1946 die Mühe gemacht hat eine solche Tafel für eine provisorische Linie die nur wenige Wochen im Einsatz war, herzustellen. Laut Herrn Fink (Begleitschreiben zur Tafelkopie) wurden die Tafeln nur deshalb hergestellt um den Fahrgästen von Simmering weg anzuzeigen, dass dies kein durchgehender 6er Richtung Favoriten sei. Außenbesteckung gab es keine.
17.10.2011, 10:50#10
Zitat
Original von Öffi Freund
Laut Herrn Fink (Begleitschreiben zur Tafelkopie) wurden die Tafeln nur deshalb hergestellt um den Fahrgästen von Simmering weg anzuzeigen, dass dies kein durchgehender 6er Richtung Favoriten sei. Außenbesteckung gab es keine.

Ich frage mich nur, welcher Fahrgast diese neue Linienbezeichnung entsprechend interpretieren konnte. Und das verkürzte Fahrziel war ja ohnehin auf der Brustwandtafel angeführt. So ganz erschließt sich mir der Sinn dieser 107-Tafeln immer noch nicht.
18.10.2011, 12:26#11
Gebe dir völlig recht. Ob es Brustwandtafeln gegeben hat, weiß ich nicht (aber man hätte ja solche Richtung Gräßlplatz vom eingestellten 7er und Richtung Simmering vom 6er nehmen können). Die Frage die sich mir stellt, ist ob Jemand aufgrund des Schriftbilds der Tafel sagen kann, ob sie echt sein könnte oder das von vorn herein als Schmäh zu klassifizieren ist.
LG Öffi Freund