[PM] Die Mariahilfer Straße einst und jetzt

11 Beiträge
15.08.2013, 21:55#1
Anläßlich der testweisen Umwidmung der "Mahü" zur Fußgängerzone hat der ORF in verschiedenen Archiven gekramt:

Die Mariahilfer Straße einst und jetzt

Am Freitag beginnt der Probebetrieb der neuen Mariahilfer Straße. Die Straße wurde schon im 19. Jahrhundert zu einer bedeutenden Shoppingmeile. wien.ORF.at zeigt Ihnen die besten Bilder der Straße von einst und jetzt.


Durchschnittlich sind bis zu 60.000 Menschen pro Tag in der Mariahilfer Straße unterwegs. An Samstagen erhöht sich die Passantenfrequenz auf bis zu 75.000 Menschen. Seit Mittwochabend haben sie mehr Platz. Die Fußgängerzone wurde in der Nacht eingerichtet - mehr dazu in Über Nacht zur Fußgängerzone. Ab Freitag um 6.00 Uhr in der Früh treten die neuen Verkehrsregeln in Kraft, die auch viele angrenzende Straßen betreffen - mehr dazu in Mariahilfer Straße: Maßnahmen im Überblick.

Einkaufsstraße seit dem 19. Jahrhundert
Durch ihren Ausbau als Poststraße war die Mariahilfer Straße bereits im 17.Jahrhundert ein wichtiger Verbindungsweg der Stadt. Nach der zweiten Türkenbelagerung entwickelte sich Wien zu einem Zentrum für Handwerk und Gewerbe. Dadurch wurde die Mariahilfer Straße ab dem 19. Jahrhundert mit ihren Warenhäusern zu einer bedeutenden Einkaufsstraße.

Als erste Vorstadtstraße erhielt die Mariahilfer Straße zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine öffentliche Beleuchtung, 1826 wurde sie bis zum Gürtel gepflastert. Als erstes öffentliches Verkehrsmittel fuhr hier der „Zeiserlwagen“, ein Pferdefuhrwerk für acht bis zwölf Fahrgäste gegen geringes Entgelt, jedoch ohne festen Fahrplan. Später verkehrten auf der Mariahilfer Straße Omnibusse. Diese Fahrzeuge waren gefedert, die Fenster verglast und es gab erstmals feste Fahrpläne. 1908 übernahm die Gemeinde Wien den privaten Stellwagenbetrieb und stellte ihn bis 1919 auf motorisierte Autobusse um.

1897 wurde mit der Elektrifizierung der Straßenbahn begonnen. Allerdings zunächst mit unterirdischer Stromführung, da der Kaiser die durch Oberleitungen „verschnürlt’n“ Straßen nicht schätzte. Erst 1915 wurde diese sehr störanfällige Unterleitung ausgetauscht. Bis zur Stilllegung 1993 waren die Straßenbahnlinien 52 und 58 über die gesamte Länge der Mariahilfer Straße in Betrieb.

Die zunehmende Kollision von Zuliefer- und Kundenverkehr führte bereits 1911 zum ersten Grundsatzbeschluss der Gemeinde Wien zum Bau einer U-Bahn. Es dauerte allerdings bis 1993, bis die U3 unterhalb der Mariahilfer Straße eingeweiht wurde. In diesem Streckenabschnitt befinden sich die Stationen Zieglergasse und Neubaugasse, deren Bahnsteige in zwei Stockwerken untereinander liegen.

Geschäftsstraße stand kurz vor dem Aus
Nach Angaben des Bezirksmuseums Mariahilf hätten die jahrelangen Bauarbeiten bei der U3 um ein Haar das Aus für die Mariahilfer Straße als Geschäftsstraße bedeutet. Grund dafür war, dass durch den störenden Baulärm viele Kundinnen und Kunden ausblieben. Nur durch die damals strittige Entscheidung der Stadt, die Mariahilfer Straße nach dem Bauende zweispurig mit breiteren Gehsteigen neu zu eröffnen, konnte das Problem gelöst werden.

Heute reiht sich auf 1,8 Kilometern Länge ein Ladengeschäft an das andere. Nach Angaben von „mariahilferstrasse.at“ kommt man dadurch auf eine Gesamt-Schaufensterlänge von mehr als sechs Kilometern. In der Mariahilfer Straße wird ein Einzelhandels-Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro gemacht.

„Ausstellungsstraße“ mit Tradition
Die Mariahilfer Straße galt als „Ausstellungsstraße“ der k.u.k. Monarchie und ist heute noch eine der bedeutendsten Einkaufsstraßen Österreichs. Begründet wird der Ruf der Mariahilfer Straße als Geschäftsstraße durch die drei Kaufhäuser Herzmansky, Gerngross und Stafa.

Mit der Eröffnung des ersten Einkaufszentrums, dem Generali Center im Jahr 1968 schrieb die Mariahilfer Straße Wiener Einzelhandelsgeschichte. Aktuell befinden sich auf der Mariahilfer Strasse drei Einkaufszentren: Gerngross, La Stafa und das Generali Center.

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Mariahilfer Straße um 1890 (© Wikimedia Commons/Dorotheum)

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Mariahilfer Straße/Babenberger Straße um 1900 (© Bezirksmuseum Mariahilf)

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Mariahilfer Straße mit Obelisk um 1900 (© Bezirksmuseum Mariahilf)

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Herzmansky in den 80er Jahren (© Wikimedia Commons/TARS631/tramwayforum.at)

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Straßenbahn auf der Mariahilfer Straße in den 90er Jahren (© Wikimedia Commons/TARS631/tramwayforum.at)

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Straßenbahngleise werden für den U-Bahnbau entfernt (© Wikimedia Commons/TARS631/tramwayforum.at)

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U3 Station Neubaugasse (© Wikimedia Commons/User:My Friend)

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Die Mariahilfer Straße heute (© APA/Herbert Pfarrhofer)

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Die Busspur lädt auch zum Spazieren ein (© APA/Pfarrhofer)

"Wien heute"-Beitrag zum Thema (~ 1 Woche lang abrufbar):
http://tvthek.orf.at/programs/70018-Wien-heut…serlwagen-zur-U-Bahn

Beste Grüße
VT
15.08.2013, 23:24#2
...... und damit verkommt LEIDER!!!! die nächste Qualitativ hochwertige Einkaufsstraße zur Ramschmeile......
15.08.2013, 23:27#3

...... und damit verkommt LEIDER!!!! die nächste Qualitativ hochwertige Einkaufsstraße zur Ramschmeile......

Das hatten wir doch eh schon kurz nach der Ost-Öffnung, oder?

Grübelnde Grüße
VT
15.08.2013, 23:30#4
Ja, aber davon hat sich die Mariahilferstraße wieder erholt. Ich möchte nur einige Beispiele geben. Favoritenstraße (außer der Bereich um das Columbuscenter) und die Meidlinger Hauptstraße. Ich möchte nicht alle Geschäfte in den Schmutz ziehen, aber der große Anteil ist leider zu vergessen. Eine Einkaufsstraße als FUZO oder Begegnungszone funktioniert leider nur innerhalb des Ringes.
15.08.2013, 23:48#5
Ja, aber davon hat sich die Mariahilferstraße wieder erholt. Ich möchte nur einige Beispiele geben. Favoritenstraße (außer der Bereich um das Columbuscenter) und die Meidlinger Hauptstraße. Ich möchte nicht alle Geschäfte in den Schmutz ziehen, aber der große Anteil ist leider zu vergessen. Eine Einkaufsstraße als FUZO oder Begegnungszone funktioniert leider nur innerhalb des Ringes.


Weshalb ja ein Großteil der deutschen Großstädte in ihren Fußgängerzonen so tot sind dass du die Tauben gurren hörst. Überall verrammelte Geschäfte, nur noch Handy- und Kebabstandeln. Die sollten mal einen Ausflug nach Wien machen und sich so lebendige Straßen wie die Thaliastraße, die Reinprechtsdorfer Straße oder die Brünner Straße ansehen wo dank dichtem Autoverkehr alles nur so blüht! Gerade die Brünner Straße ist ein Musterbeispiel dass mehr Autos auch mehr Umsatz generieren. Vielleicht sollte man sich statt der Fußgängerzone mal überlegen wie die Leute mit ihrem Auto direkt in die Geschäfte fahren können... wär das nix? Den U3-Tunnel kann man ja bei der Gelegenheit auch gleich zum Autotunnel umbauen, das bringt noch mehr Umsatz!

(wer Ironie findet, darf sie behalten)

Daniel
15.08.2013, 23:59#6
Es wurde längst Zeit, dass die MaHü zur Fuzo wird, die AUtos waren immer im Weg, die Abgase und Lärm stören beim Cafe trinken
16.08.2013, 11:51#7
Die Bilder aus den 80ern erinnern mich ein wenig an die Thaliastraße und Lerchenfelder Straße. Mit der Mariahilfer Straße ist es nach dem U-Bahn-Bau samt Verkehrsberuhigung bergauf gegangen. Mit den anderen beiden ging es eher bergab.
16.08.2013, 12:22#8
Ja, aber davon hat sich die Mariahilferstraße wieder erholt. Ich möchte nur einige Beispiele geben. Favoritenstraße (außer der Bereich um das Columbuscenter) und die Meidlinger Hauptstraße. Ich möchte nicht alle Geschäfte in den Schmutz ziehen, aber der große Anteil ist leider zu vergessen. Eine Einkaufsstraße als FUZO oder Begegnungszone funktioniert leider nur innerhalb des Ringes.
Dieser Meinung bin ich nicht ganz. Die Meidlinger Hauptstraße war auch als FUZO noch eine hochwertige Einkaufsstraße, allerdings fuhr da noch der 8er durch, was aber nicht zwingend mit der Geschäftsqualität zu tun haben muss. Ohne hier in den Verdacht des Rassismus gelangen zu wollen möchte ich hier schon anmerken, dass der Niedergang zwar langsam aber stetig mit dem Zuzug von Familien mit Migrationshintergrund begann. Wobei ich nicht sagen will, dass dies deren Schuld war, sondern zu einem Gutteil durch die Abwanderung von "Wienern" verursacht wurde, die sich in diesem Umfeld nicht mehr wohl fühlten. Aus eigener Erfahrung (ich wohnte dort 30 Jahre bis zum Jahr 2000) kann ich sagen, dass viele Leute einfach weg zogen und ihre Wohnungen untervermieteten. Ich hatte im Nebenhaus einen Billa, der sich natürlich auf die neue Klientel einstellte: Dort bekamst du im Jahr 2000 dann aufgrund der starken Türkenpopulation 10 verschiedene Schafkäse, aber keinen einzigen Schinken mehr. Und der als sehr gut bekannte Fleischer im Haus Nr.1 sperrte zu, da er kein Geschäft mehr machen konnte. Daher hat die Vergammelung der Hauptstraße wohl eher mit dem Wechsel des Publikums zu tun als mit der Umwandlung in eine FUZO.
16.08.2013, 16:35#9
Ich denke, das das "Geschäftsstrassensterben" andere Gründe hat, als ob Fußgängerzone oder Autostraße (und ich habe auch eine Zeitlang im Verkauf gearbeitet).
Einerseits das stark geänderte Konsumverhalten;heutzutage sind irgendwelche Shopping-Center "auf der grünen Wiese" frequentiert (SCNord, G3, Gewerbepark Stadlau, etc.), statt zum kleinen Elektro- u. Fotohändler geht man zum "Blödmann" :D , statt zum Schneider bzw. in die kleine Boutique geht man ins Outlet, sehr viele Dinge bekommt man im Internet sehr viel günstiger, möchte man heute Feinkost braucht man keine Delikatessen-Handlung, sondern die Feinkostabteilungen der großen Supermarktketten sind heute auch schon sehr gut sortiert.
Dann kommt noch dazu daß Ladenmieten (die unterliegen weniger Reglementierungen als Wohnungsmieten) in den letzten Jahren stark gestiegen sind-sehr viele, auch alteingesessene Innenstadtgeschäfte können sich die Mieten dann nicht leisten. Viele Geschäfte kommen dann in einen Teufelskreis;Umsatz geht zurück, das Warensortiment wird gekürzt, Personal abgebaut-dann bleiben aber irgendwann noch mehr Kunden aus ("jetzt kumm i extra zu euch, muaß so long woarten und donn hostas net amoi").
17.08.2013, 19:11#10
Vor beinahe 20 Jahren – um genau zu sein: am 4. September 1993 – sind die U3-Stationen Neubaugasse, Zieglergasse und Westbahnhof eröffnet worden. In der anlässlich dieses Ereignisses von den Wiener Linien herausgegebenen Broschüre „U3 – Vom Volkstheater zum Westbahnhof“ habe ich auf den Seiten 26 und 27 den folgenden Rückblick entdeckt:

Foto Nr. 34847
Foto Nr. 34848
Foto Nr. 34849

Foto Nr. 34850
Foto Nr. 34851
25.08.2013, 03:53#11
Nicht immer ganz zum Thema passend, aber im OT-Fall zumindest sehr knapp dran:

"Wien heute" - Anno dazumal: Neubaugasse 1993 (~ 6 Tage lang online)
derStandard.at - Als auf der Mahü noch Stockbusse fuhren

Beste Grüße
VT