[Türkei] Tunnel durch den Bosporus eröffnet
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29.10.2013, 22:28#1
Quelle: orf.atZitat56 Meter unter dem Meer
Nach mehr als neunjähriger Bauzeit ist am
Dienstag der Bahntunnel auf dem Meeresgrund in Istanbul eröffnet worden.
Die Marmaray-Verbindung durch den Bosporus soll mit Zügen im
Zweiminutentakt stündlich bis zu 75.000 Menschen befördern und helfen,
den Verkehrsinfarkt in der Millionenmetropole abzuwenden.
Die türkische Staatsführung und internationale Ehrengäste weihten
den Tunnel zum 90. Jahrestag der Republikgründung ein. Ministerpräsident
Recep Tayyip Erdogan sprach von einem „Jahrhundertprojekt“. Zunächst
soll nur die Unterquerung der Meerenge mit einer S-Bahn in Betrieb
gehen. Von 2015 an soll der Tunnel auch für den Zugsfernverkehr genutzt
werden und dann die erste normalspurige Verbindung zwischen Europa und
Asien sein.
APA/AP
Erdogan, Präsident Gül und Japans Regierungschef Abe im Cockpit
Teil der „eisernen Seidenstraße“
Die türkische Regierung will den vorerst nur halbfertigen Bahntunnel später
als Teil einer „eisernen Seidenstraße“ betreiben, über die Verkehr
zwischen China und Europa laufen könne. Das gesamte Marmaray-Projekt
soll nach dem Endausbau in den kommenden Jahren 76 Kilometer lang
werden. Erdogan kündigte an, dass die neue Verbindung in den ersten 15
Tagen kostenlos genutzt werden könne.
An der Eröffnungsfahrt durch den Tunnel nahmen neben Erdogan auch der türkische Präsident Abdullah
Gül und Japans Regierungschef Shinzo Abe teil. Die japanische Industrie
war einer der wichtigsten Zulieferer für das Projekt, das weniger
umstritten war als andere von Erdogan unterstützte Vorhaben wie etwa ein
dritter Flughafen für Istanbul, ein Kanal parallel zum Bosporus und
eine dritte Brücke über die Meerenge.
APA/ORF.at
Die Eisenbahnstrecke verläuft von Halkali auf der europäischen Seite über den Bosporus bis zur asiatischen Seite
Marmaray-Projekt
Das Wort „Marmaray“ leitet sich von Marmara-Meer und dem türkischen Wort
für Schiene - „ray“ - ab. Durch die neue Eisenbahnlinie soll sich der
Anteil des Schienenverkehrs in Istanbul von 3,6 Prozent auf 27,7 Prozent erhöhen.
Der 13,6 Kilometer lange Tunnel, davon 1,4 unter
Wasser, verläuft teils unterirdisch, teils als in den Meeresboden
eingespülte Röhre und zählt zu den weltweit größten
Infrastrukturprojekten der vergangenen Jahre. Die Konstrukteure
versprechen, dass der Tunnel schwersten Erdbeben standhalten werde - nur
20 Kilometer entfernt verläuft die Nordanatolische Verwerfungszone. Der
Tunnel sei in Istanbul das sicherste Bauwerk überhaupt, sagte der
türkische Transportminister Binali Yildrim.
Anders sieht das die Vereinigung der Ingenieure. Es habe noch keine ausreichenden
Belastungstests gegeben. Und für den Fall dass in die Wagons Wasser
eindringen sollte, gäbe es keine Pumpen, um es wieder abzusaugen, lautet
ihre Kritik - mehr dazu in oe1.ORF.at.
150 Jahre alter Traum realisiert
Von einer Verkehrsverbindung unter dem Bosporus hindurch wurde schon rund
150 Jahre lang geträumt. Der Traum werde nun Wirklichkeit, so Erdogan
bei der Eröffnung. Die ersten Entwürfe stammen von osmanischen Sultanen,
die von einer „neuen Seidenstraße“ bis nach China schwärmten. Die Pläne
scheiterten jedoch an der großen Tiefe des Bosporus.
Doch die Idee tauchte immer wieder auf, aber erst als in den 80er Jahren der
wachsende Verkehr die Stadt völlig zu verstopfen drohte, wurde ernsthaft
über diese Alternative nachgedacht. 1999 unterzeichnete der türkische
Staatsminister Recep Onal mit Japan einen Projektvertrag. Er sah ein
Darlehen in Höhe von 117 Mio. US-Dollar (rund 95 Mio. Euro) vor und eine
Bauzeit von vier Jahren.
APA/EPA/Tolga Bozoglu
Die Züge für den die neue Strecke
Baustopp nach archäologischen Funden
Die ursprünglich geplanten Baukosten blähten sich zu einer Summe von fast
drei Milliarden Euro auf. Den größten Teil der Finanzierung tragen die
Japan Bank für Internationale Kooperationen (JBIC) und die Europäische
Investitionsbank (EIB). Wie viel das ehrgeizige Projekt im Endeffekt
tatsächlich kosten wird, darüber halten sich die Verantwortlichen
bedeckt. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass die ursprünglich
veranschlagte Summe deutlich überschritten wird.
APA/EPA/Tolga Bozoglu
Eigentlich waren vier Jahre Bauzeit veranschlagt, doch zahlreiche historische
Funde verzögerten die Arbeiten immer wieder. So stießen die Bauarbeiter
unter anderem auf einen alten byzantinischen Hafen. Fünf historische
Schiffe wurden freigelegt, die die Geschichte der Stadt völlig neu
schrieben. Durch den Fund ist belegt, dass die Stadt schon vor 8.000
Jahren besiedelt wurde, und nicht wie angenommen vor 3.000.
Tausende bei Demos in Istanbul
Während der Eröffnung des Tunnels demonstrierten Tausende gegen die
islamisch-konservative Regierung. Die Polizei setzte im Zentrum
Istanbuls nach türkischen Medienberichten vereinzelt Tränengas ein.
Straßenschlachten wie im Sommer blieben auf der vom Taksim-Platz
abgehenden Einkaufsstraße Istiklal Caddesi aber aus. Demonstranten
skandierten „Überall ist Taksim, überall ist Widerstand“ und „Wir sind
Soldaten von Mustafa Kemal (Atatürk, dem Republikgründer, Anm.)“.
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Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von Bimigel (29.10.2013, 22:32)



