Erste Fluglinie (gelöst)
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16.01.2010, 01:19#21
Da sich nun schon längere Zeit nichts mehr bei diesem Rätsel getan hat und auch sonst das Interesse mäßig war, löse ich es jetzt auf.
Vorausschicken möchte ich, daß ich durch das Rätsel selbst einiges dazugelernt habe, vor allem durch die umfangreiche Kommunikation mit VT_5081. Das hat dazu geführt, daß ich die Fragestellung im Laufe der Zeit etwas präzisieren mußte. Jedenfalls schien die Zeit für einen Linienverkehr mit Flugzeugen nach dem aerodynamischen Prinzip im Jahre 1918 reif zu sein. Unterscheidungsrelevant bei den einzelnen Ereignissen, die heute gefeiert oder auch nur still hochgehalten werden, scheinen mir jedenfalls die folgenden Punkte zu sein:
- Personen- oder Güterverkehr
- National oder international
- Regelmäßigkeit, Stabilität und Länge der Verbindung
- Transportumfang
- Wirtschaftlicher Nutzen.
Eine Bewertung der Ereignisse hinsichtlich dieser Punkte kann jeder selbst vornehmen.
Ist Florida 1914 die gesuchte Lösung?
Bevor ich zur Lösung komme, möchte ich aber ein Ereignis erwähnen, das VT_5081 herausgefunden hat: Am 1. Jänner 1914 eröffnete eine Flugline über die Meeresbucht zwischen St. Petersburg und Tampa. Diese Line wurde auf die Dauer von 4 Monaten an 6 Tagen in der Woche betrieben, pro Tag wurden 2 Flüge absolviert, und pro Flug konnte ein einziger Passagier transportiert werden. Die Entfernung zwischen St. Petersburg und Tampa beträgt 34 km, und der Flug dauerte etwa 20 Minuten. Mehr darüber z.B. unter http://home.earthlink.net/~ralphcooper/pimagm9.htm
Mir stellt sich allerdings die Frage, ob bei max. einem Passagier und zwei Flügen pro Tag über einen Zeitraum von 4 Monaten von einer sinnvollen Linienverbindung für Transportzwecke gesprochen werden kann, oder ob diese Verbindung nicht doch eher den Charakter eines Abenteuers oder Piloten hatte. Mich würde auch interessieren, warum diese Linie nach nur 4 Monaten wieder eingestellt wurde. Äußere Gründe kann ich in dieser Gegend zu dieser Zeit keine entdecken.
Welchen Kriterien entspricht die gesuchte Lösung?
Das war jedenfalls nicht die Antwort, die ich mir vorgestellt hatte und die man als Wiener wissen sollte. Auch handelt es sich bei der gesuchten Lösung um eine internationale Flugline, wie ich deshalb später bei der Fragestellung ergänzt habe. Jedenfalls hatte die gesuchte Line einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund, und es ging um eine Distanz von etwa 1200 km. Befödert wurden aber nicht Personen, sondern Post. Es war die erste Flugpostline der Welt. Durch die
Eröffnung dieser Linie konnte die Postbeförderung wesentlich vereinfacht und beschleunigt werden.
Bezug zu den Themen des Forums der FPdWL
Und welchen Bezug hat diese Fragestellung zu diesem Forum: Der Flughafen, von dem diese Linie startete, war bereits damals durch ein städtisches öffentliches Verkehrsmittel mit dem Stadtzentrum verbunden, und zwar mittels Dampftramway. Mit der Dampftramway kam man damals direkt zum Flughafen. Ist das nicht interessant, welch technologischer Kontrast: Zubringerdienst zum Flughafen mit der Dampftramway, und dann weiter mit dem Flugzeug? Ob allerdings die Post damals auch mit der Dampftramway transportiert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Wäre interessant zu wissen. Die Vermutung liegt allerdings nahe, denn im Straßenbahn-Geschäftsbericht der Gemeinde Wien von 1923 heißt es, daß zur Postbeförderung auf der Linie 317 bei 361 Personenzügen die vordere Plattform des ersten Anhängewagens benützt wurde (Laula - Sternhart, Dampftramway Krauss&Comp. in Wien, Slezak Wien 1974, S. 60). Die Postbeförderung ist von der Dampftramway 1922 nach der Elektrifizierung vom 317er übernommen worden. Es scheint mir daher naheliegend zu sein, daß auch die Flugpost mit der Dampftramway angeliefert wurde.
Lösung des Rätsels
Die Flugline startete jedenfalls vom Flughafen Aspern. Eröffnet wurde sie am 1. April 1918 (kein Aprilscherz!).
Dampftramway als Zubringer
Die Dampftramway gehörte damals bereits den Wiener Linien (wenn man den heutigen Namen für diesen Eigentümer verwendet). Von der Stephaniebrücke bis zum Flughafen benötigte die Dampftramway etwa 1 1/4 Stunden. Als allerdings die Flugline 1918 eröffnet wurde, waren bereits weite Teile des ehm. Dampftramwaynetzes elektrifiziert. Mit Dampf ging es damals allerdings noch von Kagran bis zum Flughafen. Die Fahrt von "Wagramerstraße H." (Kagran) bis "Aspern a. D. Flugfeld H." dauerte 22 Minuten + 6 Minuten Aufenhalt in "Aspern a. d. D. (Station)" (gem. Österr. Kursbuch 1914 Aug. - Sept.).
Demnächst wird sich genau dort, wo einst diese Fluglinie gestartet ist, eine U-Bahnstation der Wiener Linien befinden. Das Thread über die U2-Verlängerung brachte mich auf die Idee für dieses Rätsel.
Die Flugline
Nun aber zur Fluglinie selbst. Ich finde, darüber sollte man in Wien Bescheid wissen. Dieses Wissen ist aber leider bei uns kaum präsent. Hier einige Links zu diesem Thema:
Flugpost anderswo
Daß in der k.u.k. österr.-ung. Monarchie früher als in den USA Luftpost in Flugzeugen transportiert wurde, zeigt die folgende Seite:
http://www.centennialofflight.gov/essay/Government_Role/1918/POL2.htm
Vorausschicken möchte ich, daß ich durch das Rätsel selbst einiges dazugelernt habe, vor allem durch die umfangreiche Kommunikation mit VT_5081. Das hat dazu geführt, daß ich die Fragestellung im Laufe der Zeit etwas präzisieren mußte. Jedenfalls schien die Zeit für einen Linienverkehr mit Flugzeugen nach dem aerodynamischen Prinzip im Jahre 1918 reif zu sein. Unterscheidungsrelevant bei den einzelnen Ereignissen, die heute gefeiert oder auch nur still hochgehalten werden, scheinen mir jedenfalls die folgenden Punkte zu sein:
- Personen- oder Güterverkehr
- National oder international
- Regelmäßigkeit, Stabilität und Länge der Verbindung
- Transportumfang
- Wirtschaftlicher Nutzen.
Eine Bewertung der Ereignisse hinsichtlich dieser Punkte kann jeder selbst vornehmen.
Ist Florida 1914 die gesuchte Lösung?
Bevor ich zur Lösung komme, möchte ich aber ein Ereignis erwähnen, das VT_5081 herausgefunden hat: Am 1. Jänner 1914 eröffnete eine Flugline über die Meeresbucht zwischen St. Petersburg und Tampa. Diese Line wurde auf die Dauer von 4 Monaten an 6 Tagen in der Woche betrieben, pro Tag wurden 2 Flüge absolviert, und pro Flug konnte ein einziger Passagier transportiert werden. Die Entfernung zwischen St. Petersburg und Tampa beträgt 34 km, und der Flug dauerte etwa 20 Minuten. Mehr darüber z.B. unter http://home.earthlink.net/~ralphcooper/pimagm9.htm
Mir stellt sich allerdings die Frage, ob bei max. einem Passagier und zwei Flügen pro Tag über einen Zeitraum von 4 Monaten von einer sinnvollen Linienverbindung für Transportzwecke gesprochen werden kann, oder ob diese Verbindung nicht doch eher den Charakter eines Abenteuers oder Piloten hatte. Mich würde auch interessieren, warum diese Linie nach nur 4 Monaten wieder eingestellt wurde. Äußere Gründe kann ich in dieser Gegend zu dieser Zeit keine entdecken.
Welchen Kriterien entspricht die gesuchte Lösung?
Das war jedenfalls nicht die Antwort, die ich mir vorgestellt hatte und die man als Wiener wissen sollte. Auch handelt es sich bei der gesuchten Lösung um eine internationale Flugline, wie ich deshalb später bei der Fragestellung ergänzt habe. Jedenfalls hatte die gesuchte Line einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund, und es ging um eine Distanz von etwa 1200 km. Befödert wurden aber nicht Personen, sondern Post. Es war die erste Flugpostline der Welt. Durch die
Eröffnung dieser Linie konnte die Postbeförderung wesentlich vereinfacht und beschleunigt werden.
Bezug zu den Themen des Forums der FPdWL
Und welchen Bezug hat diese Fragestellung zu diesem Forum: Der Flughafen, von dem diese Linie startete, war bereits damals durch ein städtisches öffentliches Verkehrsmittel mit dem Stadtzentrum verbunden, und zwar mittels Dampftramway. Mit der Dampftramway kam man damals direkt zum Flughafen. Ist das nicht interessant, welch technologischer Kontrast: Zubringerdienst zum Flughafen mit der Dampftramway, und dann weiter mit dem Flugzeug? Ob allerdings die Post damals auch mit der Dampftramway transportiert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Wäre interessant zu wissen. Die Vermutung liegt allerdings nahe, denn im Straßenbahn-Geschäftsbericht der Gemeinde Wien von 1923 heißt es, daß zur Postbeförderung auf der Linie 317 bei 361 Personenzügen die vordere Plattform des ersten Anhängewagens benützt wurde (Laula - Sternhart, Dampftramway Krauss&Comp. in Wien, Slezak Wien 1974, S. 60). Die Postbeförderung ist von der Dampftramway 1922 nach der Elektrifizierung vom 317er übernommen worden. Es scheint mir daher naheliegend zu sein, daß auch die Flugpost mit der Dampftramway angeliefert wurde.
Lösung des Rätsels
Die Flugline startete jedenfalls vom Flughafen Aspern. Eröffnet wurde sie am 1. April 1918 (kein Aprilscherz!).
Dampftramway als Zubringer
Die Dampftramway gehörte damals bereits den Wiener Linien (wenn man den heutigen Namen für diesen Eigentümer verwendet). Von der Stephaniebrücke bis zum Flughafen benötigte die Dampftramway etwa 1 1/4 Stunden. Als allerdings die Flugline 1918 eröffnet wurde, waren bereits weite Teile des ehm. Dampftramwaynetzes elektrifiziert. Mit Dampf ging es damals allerdings noch von Kagran bis zum Flughafen. Die Fahrt von "Wagramerstraße H." (Kagran) bis "Aspern a. D. Flugfeld H." dauerte 22 Minuten + 6 Minuten Aufenhalt in "Aspern a. d. D. (Station)" (gem. Österr. Kursbuch 1914 Aug. - Sept.).
Demnächst wird sich genau dort, wo einst diese Fluglinie gestartet ist, eine U-Bahnstation der Wiener Linien befinden. Das Thread über die U2-Verlängerung brachte mich auf die Idee für dieses Rätsel.
Die Flugline
Nun aber zur Fluglinie selbst. Ich finde, darüber sollte man in Wien Bescheid wissen. Dieses Wissen ist aber leider bei uns kaum präsent. Hier einige Links zu diesem Thema:
ZitatZitiert von http://wien.orf.at/stories/224939/
AUA fliegt seit 50 Jahren
... Die Anfänge reichen viel weiter zurück: Bereits am 1. April 1918 wurde die erste regelmäßige internationale Flugverbindung der Welt aufgenommen.
Zunächst diente der Flug Wien - Kiew allerdings nur der Postbeförderung. Im Juli 1918 nahm auch die Linie Wien - Budapest den Flugbetrieb auf. Fünf Jahre später, im Mai 1923, startete erstmals die ÖLAG (Österreichische Luftverkehrs AG) von Wien nach München.
ZitatZitiert von http://www.flughafen-aspern.at/1914_1918.html
Die erste regelmäßige Luftpostlinie von Wien – Aspern aus
Im letzten Kriegsjahr sollte noch einmal der Name „Flughafen Aspern" mit einer Pioniertat und zugleich einer Vorahnung seiner künftigen Rolle als Wiener Verkehrsflughafen aufscheinen: als Ausgangspunkt der ersten internationelen Flugpostlinie der Welt!
Während des Krieges hatte das Militär bereits Flugzeuge zur Feldpostbeförderung eingesetzt. Die Flugzeugentwicklung war derart voran getrieben worden, dass aus den wagemutigen Anfängen ein sicheres und vor allem verlässliches Transportmittel geworden war. Die fernen Länder der Ukraine, damals von deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen besetzt, aber formell frei, sollten durch eine Luftlinie nachrichtentechnisch in greifbare Nähe rücken. Da die Post keinerlei Erfahrung mit Flugzeugen hatte, wurden die Fliegerverbände des Heeres dazu herangezogen. In der Folgezeit waren 22 Flugzeuge, 14 Unteroffizierspiloten und 16 Beobachtungsoffiziere für diese Linie abgestellt worden. Als Leiter und Organisator bestellte man den damals 24jährigen Frontfliegeroffizier August Raft von Marwil (gestorben 1978 in Wien). Die Postverwaltung musste für die Brief- und Telegrammbeförderung einen gewisse Garantie übernehmen, und so startete zur Probe am 20.3.1918 das erste Flugzeug. Die Vorbereitungen und die Durchführung der Flüge waren derart gelungen, dass bereits am 1.4. 1918 der offizielle Betrieb mit genauem Flugplan eingerichtet werden konnte. Geflogen wurde die Strecke Wien-Krakau-Lemberg-Prosskurow-Kiew täglich in beiden Richtungen.
Die Strecke betrug jeweils 1.200 km. Im Mai kam noch eine Abzweigung nach Odessa vor Prosskurow dazu. Starten, Fliegen und Landen waren nur bei klarer Sicht möglich. So startete man in Aspern um 4.30 Uhr und kam in Krakau um 8.00 Uhr an. Ab Krakau um 8.30 Uhr und an in Lemberg um 11.00 Uhr, ab Lemberg 11.30 Uhr und Ankunft in Prosskurow um 14.00 Uhr. Ab Prosskurow 15.00 Uhr und an in Kiew um 17.30 Uhr. Rückflug am nächsten Tag begann um 4.00 Uhr. Die einzelnen Streckenabschnitte waren zwischen 250 und 350 km lang und wurden immer vom selben Team beflogen. Die Postsäcke mussten also in jeder Station in die bereits oft mit laufendem Motor wartende Maschine umgeladen werden. Im günstigsten Fall, ohne Zwischenaufenthalte, konnte die Strecke in 11 Stunden bewältigt werden. In den ersten 90 Tagen konnte die Post an 80 Tagen plangemäß geliefert werden.
Der Rest mußte wegen Nebels oder mangelhafter Sichtverhältnisse entfallen. Ab 20. Mai beförderte die Post auch Telegramme zwischen Wien, Galizien und der Bukowina mittels dieser Linie, ab 1. Juli übernahmen auch alle Landeshauptstädte bereits Luftpost. Zum Einsatz kamen hauptsächlich Hansa-Brandenburg C1-Maschinen aus verschiedenen österr.-ungar. Produktionsstätten. Weiters wurden auch Albatros und öffag C1-Maschinen eingesetzt. Maschine des Erstfluges war eine Hansa-Brandenburg C1. Es lag nahe, auch die Zweite Reichshälfte in das Flugpostnetz einzubeziehen. Am 4.7.1918 startete das erste Postflugzeug von Budapest nach Wien. Pilot war Rm. Raft von Marwil, Beobachter Oblt. Varga, also ein österreicher und ein Ungar. Der regelmäßige Dienst startete von Wien um 5.00 Uhr, die Landung war für 7.00 Uhr in Budapest geplant, Retourflug ab Budapest um 16.00 Uhr, an in Wien um 18.00 Uhr. Oft wurde die Strecke aber auch in 1,5 Std bewältigt. Später sollte die Strecke bis Bukarest erweitert werden, doch dies scheiterte am Zusammenbruch der Monarchie. Danach waren die ehemaligen Kronländer an einer engeren Bindung nicht mehr interessiert. Nach Endes des Krieges wurde der ehemalige Organisator der Luftpostlinie Leiter der Flughafeninspektion Aspern und nach dem Zweiten Weltkrieg Leiter des Amtes für Zivilluftfahrt.
ZitatZitiert von http://www.wienerzeitung.at/Desktopdefault.aspx?TabID=3946&Alias=wzo&lexikon=Fliegen&letter=F&cob=6646
Von Aspern bis Schwechat: Eine kurze Geschichte der Wiener Flughäfen
Tore zur Welt
...
Im Frühjahr 1918 wurde Aspern zum Ausgangspunkt der ersten regelmäßig verkehrenden Luftlinie der Welt, einer Kurier-und Post-Verbindung von Wien über Krakau nach Kiew. Nach 1918 hingegen wurde es still in Aspern. Die Friedensverträge von St- Germain verlangten von Österreich die Ablieferung des gesamten militärischen Luftfahrtmaterials · und andere Flugzeuge waren fast nicht vorhanden.
Flugpost anderswo
Daß in der k.u.k. österr.-ung. Monarchie früher als in den USA Luftpost in Flugzeugen transportiert wurde, zeigt die folgende Seite:
http://www.centennialofflight.gov/essay/Government_Role/1918/POL2.htm