Jahreskarte für Österreich
36 Beiträge · Seite 2 von 2
10.02.2010, 17:49#21
Die Zitate sind von mir, nicht von "moszkva tér".
Ja. Genau so, wie ich es sozial gerecht finde, dass jemand mit 1.000 Euro Einkommen weniger Lohnsteuer, SV-Abgaben usw. als jemand mit 5.000 Euro Einkommen zahlt.
Gegenfrage: Findest du Halbpreis-, Schüler- und Studententickets sozial gerecht?
Beschwerst du dich auch darüber, dass du Arbeitslosenversicherung zahlen musst, obwohl du nicht arbeitslos bist? Dass du Krankenversicherung zahlen musst, obwohl du nicht krank bist? Dass du Unfallversicherung zahlen musst, obwohl du keinen Unfall hattest? Dass du Pensionsversicherung zahlen musst, obwohl du nicht Pensionist bist?
ZitatOriginal von Ferry
Und das findest du sozial gerecht?
Ja. Genau so, wie ich es sozial gerecht finde, dass jemand mit 1.000 Euro Einkommen weniger Lohnsteuer, SV-Abgaben usw. als jemand mit 5.000 Euro Einkommen zahlt.
Gegenfrage: Findest du Halbpreis-, Schüler- und Studententickets sozial gerecht?
Zitat
Nicht derzeit. Das wird nie umsetzbar sein, weil es viel zu unsozial ist (Wie komme ich dazu, dafür zu mitzuzahlen, dass Arbeitslose umsonst mit den Öffis fahren dürfen)?
Beschwerst du dich auch darüber, dass du Arbeitslosenversicherung zahlen musst, obwohl du nicht arbeitslos bist? Dass du Krankenversicherung zahlen musst, obwohl du nicht krank bist? Dass du Unfallversicherung zahlen musst, obwohl du keinen Unfall hattest? Dass du Pensionsversicherung zahlen musst, obwohl du nicht Pensionist bist?
10.02.2010, 20:43#22
ZitatOriginal von Ferry
ZitatOriginal von moszkva tér
Damit hätte man gleich mehrere Fliegen mit einer Klatsche erledigt:
- Keine Notwendigkeit für Sozial-, Schüler- oder Studententickets: wer nichts oder wenig verdient, zahlt auch nichts oder wenig.
dieses Zitat ist nicht von mir, ich habe es selbst nur in meinen Postings zitiert! Das Original ist von Zug fährt ab! Auch wenn ich diese Meinung unterstütze, s. unten
ZitatOriginal von Ferry
Und das findest du sozial gerecht?
Das ist sozial sicher gerecht. Und auch argumentierbar. Wenn man sagt, Mobilität ist in unserer Gesellschaft ein Grundrecht und notwendig, dann sollte es auch allen ermöglicht werden. Und der Preis sollte dann sozial gestaffelt sein. Das wäre dann wie die Sozialversicherung - jemand der mehr verdient zahlt auch mehr SV, obwohl er vielleicht genauso oft oder noch weniger krank ist, wie jemand, der weniger verdient. Aber wir lassen halt unsere Ärmsten (noch) nicht vor die Hunde gehen.
Ist denn das jetzige System sozial gerecht? Jemand der mit seinem Hilfshacklerjob auf nicht einmal 1000 Euro im Monat kommt, zahlt dasselbe, um in die Arbeit zu fahren, wie der Abteilungsleiter, der 4500 verdient. Der Pensionist mit 2500 Euro Pension (die gibts auch) kriegt eine Pensionistenermäßigung, aber der Hackler aus vorigem Beispiel zahlt den vollen Preis. Ist das deiner Meinung nach sozial gerecht?
ZitatOriginal von Ferry
Das wird nie umsetzbar sein, weil es viel zu unsozial ist (Wie komme ich dazu, dafür zu mitzuzahlen, dass Arbeitslose umsonst mit den Öffis fahren dürfen)?
Glaube mir, 99 % aller Arbeitslosen würden liebend gerne auf die Gratisfahrscheine verzichten, wenn sie dafür eine Arbeit hätten.
Abgesehen davon: Arbeitslosenunterstützung ist eine Versicherungsleistung, die man im Faller der Arbeitslosigkeit in Anspruch nehmen kann, wenn man vorher die Beiträge bezahlt hat. Es ist keine Gnade des Staates, und es ist auch kein Schmarotzen, wenn diese Unterstützung regelkonform ausbezahlt wird. Es ist etwas, was einem unter bestimmten Voraussetzungen einfach zusteht!
10.02.2010, 20:54#23
"Sozial gerecht" ist eine Sache, über die man lang diskutieren kann. Ich denke aber, dass es einen anderen Grund gibt, und zwar den Umweltschutz. Wenn die Leute den ÖV nutzen statt dem Auto, geht es der Umwelt besser, und im Sinne der Zukunft unseres Planeten mache ich mir daher nicht einmal wirklich große Gedanken, was sozial gerechter ist.
11.02.2010, 11:33#24
ZitatOriginal von darkweasel
"Sozial gerecht" ist eine Sache, über die man lang diskutieren kann. Ich denke aber, dass es einen anderen Grund gibt, und zwar den Umweltschutz. Wenn die Leute den ÖV nutzen statt dem Auto, geht es der Umwelt besser, und im Sinne der Zukunft unseres Planeten mache ich mir daher nicht einmal wirklich große Gedanken, was sozial gerechter ist.
Da hast du recht. Der in den vorigen Postings angesprochene Personenkreis dürfte allerdings nicht zu den typischen Autofahrern zählen.
Damit wir uns richtig verstehen: ich finde es in Ordnung, wenn Schüler, Studenten udgl. Leistungen günstiger oder sogar unentgeltlich bekommen, denn sie sind die Zukunft unseres Landes (und dessen künftige Steuerzahler, die - hoffentlich - einst unserer Pension mitfinanzieren werden). Probleme habe ich mit Typen, die mit Mitte 30 arbeitslos sind. Und ich denke mir, dass die Bereitschaft, diesen Zustand zu ändern, umso geringer sein wird, je mehr Leistungen umsonst zu bekommen sind, solange man kein Einkommen hat.
Außerdem beleuchten die von "moszkva tér" und "Zug fährt ab!" vorgebrachten Argumente die Sachlage zu einseitig - seht es doch einmal andersherum: Ihr betreibt ein kleines Busunternehmen. Wer mit euch fahren möchte, muss dafür einen Fahrpreis zahlen - er nimmt eine Leistung in Anspruch, die von euch angeboten wird. Das Unternehme wirft gerade soviel Gewinn ab, dass ihr davon einigermaßen leben könnt.
Und eines Tages kommen zehn erwachsene Personen, erklären, sie sind arbeitslos und haben leider kein Einkommen und wollen daher ab jetzt täglich unentgeltlich hin- und herbefördert werden, denn Mobilität sei ja schließlich eines der Grundrechte unserer Gesellschaft.
Na, was würdet ihr als kleiner Unternehmer jetzt tun? Denkt mal nach!
11.02.2010, 12:33#25
ZitatOriginal von Ferry
Außerdem beleuchten die von "moszkva tér" und "Zug fährt ab!" vorgebrachten Argumente die Sachlage zu einseitig - seht es doch einmal andersherum: Ihr betreibt ein kleines Busunternehmen. Wer mit euch fahren möchte, muss dafür einen Fahrpreis zahlen - er nimmt eine Leistung in Anspruch, die von euch angeboten wird. Das Unternehme wirft gerade soviel Gewinn ab, dass ihr davon einigermaßen leben könnt.
Und eines Tages kommen zehn erwachsene Personen, erklären, sie sind arbeitslos und haben leider kein Einkommen und wollen daher ab jetzt täglich unentgeltlich hin- und herbefördert werden, denn Mobilität sei ja schließlich eines der Grundrechte unserer Gesellschaft.
Na, was würdet ihr als kleiner Unternehmer jetzt tun? Denkt mal nach!
Das wäre ja im Falle des diskutierten Modelles "Freifahrt" egal, weil das Busunternehmen ohnehin von woanders das Geld bekommt. Der ÖV würde ja dann über Steuern finanziert werden, die jeder bezahlt, und zwar anteilsmäßig vom Einkommen, analog zur Sozialversicherung.
Und ja, Mobilität ist eine der Grundpflichten unserer Gesellschaft, da man von den Leuten immer mehr Flexibilität erwartet und auch die Bereitschaft erwartet, immer weitere Distanzen zu immer schlechteren Arbeitsplätzen zurückzulegen. Und dafür müssen die Leute selbst bezahlen! Mit diesem vorgeschlagenen Modell würden Leute mehr für Mobilität zahlen, die auch mehr davon profitieren, ich würde das gar nicht so schlecht finden.
Zumindest würde ich es nett finden, hier keinen Neid und keine Missgunst hineinzubringen, wie z.B. da finanziere ich irgendwem eine Fahrt ins Kaffeehaus. Tatsache ist, dass wir alle die Spekulationsverluste der ÖBB&Co finanzieren, und da gehts um ganz andere Summen! Wir sollten eher erkennen, wer die "Bösen" sind und uns nicht untereinander zerfleischen, weil das hilft nur der herrschenden Klasse
(so, jetzt wurde es etwas marxistisch, aber was solls...)
Und diese Aussage, dass Arbeitslose Mitte 30 sowieso nicht arbeiten wollen... ich wünsche Ferry, dass er das Glück hat, nie arbeitslos zu sein. Alternativ kann er sich auch einmal bei den Leuten umhören, die beim AMS warten, wie lustig die das so finden...

PS: Ich war glücklicherweise noch nie arbeitslos, und ich bin ca. Mitte 30, für mich wäre das, mit oder ohne Freifahrt, sicher keine attraktive Option, meinen Lebensunterhalt zu verdienen!
Das ganze ist aber eine utopische Diskussion, ursprünglich ging es ja um eine Netzkarte für Österreich, und nicht um einen innovativen Zugang, um Mobilität für alle zu leistbaren Preisen zu gewährleisten.
11.02.2010, 13:43#26
ZitatOriginal von moszkva tér
Das wäre ja im Falle des diskutierten Modelles "Freifahrt" egal, weil das Busunternehmen ohnehin von woanders das Geld bekommt. Der ÖV würde ja dann über Steuern finanziert werden, die jeder bezahlt, und zwar anteilsmäßig vom Einkommen, analog zur Sozialversicherung.
Nun ja, aber soweit sind wir eben noch nicht.
Ich habe eben den - vielleicht antiquierten - Standpunkt, dass für eine bestimmte Leistung auch eine Gegenleistung zu erbringen ist, und zwar zunächst von dem, der die Leistung in Anspruch nimmt.
Ich kann heute als Arbeitsloser auch nicht in ein Kleiderhaus gehen und dort einkaufen und behaupten, dass ich alles Gewand umsonst zu bekommen habe, weil ich keine Arbeit und kein Einkommen habe, weil aber das Recht auf Bekleidung eines der Grundrechte jedes Menschen ist (Wer hat eigentlich definiert, dass Mobilität darunterfällt?). Und selbst in den Vinzi-Märkten, die ja genau für jene sozialen Randgruppen gedacht sind, um die es hier (primär) geht, muss für Ware bezahlt werden. Zwar weniger, aber immerhin doch etwas. Weil es eben in unserem Sozialsystem nicht anders geht.
Zitat
Das ganze ist aber eine utopische Diskussion, ursprünglich ging es ja um eine Netzkarte für Österreich, und nicht um einen innovativen Zugang, um Mobilität für alle zu leistbaren Preisen zu gewährleisten.
Richtig, und da ich sichtlich andere Ansichten über dieses Thema habe als die meisten hier, gibt's jetzt von meiner Seite EOT.
11.02.2010, 16:05#27
ZitatOriginal von Ferry
Probleme habe ich mit Typen, die mit Mitte 30 arbeitslos sind. Und ich denke mir, dass die Bereitschaft, diesen Zustand zu ändern, umso geringer sein wird, je mehr Leistungen umsonst zu bekommen sind, solange man kein Einkommen hat.
Du unterstellst allen Arbeitslosen Mitte 30 dass sie zu wenig Bereitschaft zeigen einen Job zu finden? Noch dazu in der derzeitigen Situation am Arbeitsmarkt? Dann wünsche ich dir, dass du mal arbeitslos wirst und siehst wie "einfach" es ist heutzutage einen Job zu finden.

11.02.2010, 23:14#28
ZitatOriginal von 5er-Franzi
Dann wünsche ich dir, dass du mal arbeitslos wirst und siehst wie "einfach" es ist heutzutage einen Job zu finden.
Ja ohne abgeschlossene Ausbildung ist das nun einmal schwer einen Job zu finden. Und von der Sorte rennen leider genug Leute herum.
12.02.2010, 11:22#29
ZitatOriginal von Linie 41
Ja ohne abgeschlossene Ausbildung ist das nun einmal schwer einen Job zu finden. Und von der Sorte rennen leider genug Leute herum.
Und mit Ausbildung ist man womöglich "überqualifiziert" ;(
Die wichtigste Qualifikation ist immer noch "Vitamin P"
das durfte ich als HAK-Absolvent (denen man angeblich die gutbezahlten Jobs nachschmeissen würde) schon vor 40 Jahren erfahren...

12.02.2010, 14:25#30
Na das ist eh klar, daß nur der, der wen kennt, was reißt. Denn Netzwerken ist ja bekanntlich wichtiger als Qualifikation. *kotz*
12.02.2010, 15:06#31
ZitatOriginal von Linie 41
Ja ohne abgeschlossene Ausbildung ist das nun einmal schwer einen Job zu finden. Und von der Sorte rennen leider genug Leute herum.
Auch mit abgeschlossener Ausbildung, also Lehrabschluss oder so.
ZitatOriginal von Ottakring
Und mit Ausbildung ist man womöglich "überqualifiziert" ;(
Nein, da fehlt dir dann die "mehrjährige" Praxis in der entsprechenden Abteilung, wo du halt hin möchtest.
03.08.2013, 00:32#32
Mobiles Österreich: Um 3 Euro pro Tag soll man im ganzen Land alle Öffis nutzen dürfen – sagen die Grünen.
Grüner Wunsch: Um 1095 Euro mit Öffis durchs Land
Auch die Grünen setzen nun auf das Thema „Mobilität“. Ihr Wunsch: Ein Österreich-Ticket.
Die Formel, mit der Eva Glawischnig reüssieren will, ist bestechend einfach: Wer einen Euro am Tag ausgibt, der soll in einem Bundesland alle Öffis benützen können; für zwei Euro gibt’s ein zweites Bundesland dazu – besonders interessant für Pendler; und mit täglich drei Euro sollte jeder im ganzen Land alle Öffis ein Jahr lang benutzen dürfen – das „Österreich-Ticket“ um 1095 Euro.
Am Donnerstag präsentierten die Grünen ihre Ideen zur „Verkehrswende“. Was in Wien (Öffi-Ticket um 365 € / Jahr), Vorarlberg (365-€-Ticket ab 2014), Tirol und Salzburg (365-€-Ticket im Regierungspakt) möglich sei, das müsse so auch im Rest des Landes gelten. „Es darf nicht von der Postleitzahl abhängen, wie viel jemand für das Pendeln oder den öffentliche Verkehr bezahlt“, sagte Glawischnig. Finanzieren will sie das Modell durch eine Anhebung der Lkw-Maut, das Streichen von Steuer-Zuckerln bei Dienst- und Firmenwagen sowie eine Reform der Pendlerpauschale.
Zickzack der SPÖ
In einem ist sich die Grünen-Chefin mit der ÖVP einig: Was die Mobilität anlangt, sind die SPÖ und ihre Verkehrsministerin Doris Bures völlig unglaubwürdig.
Erst am Mittwoch hatte die Kanzlerpartei ein kostenloses, österreichweites Öffi-Ticketfür alle Jugendlichen und Studenten gefordert, den Wunsch aber noch am Abend korrigiert: Gratis werde es wohl doch nicht gehen, befand SPÖ-Klubchef Josef Cap – vermutlich hat er die Kalkulationen von Reinhold Mitterlehner studiert: Der ÖVP-Familienminister beziffert die zusätzlichen Kosten für ein Gratis-Jugend-Ticket mit 1,3 Milliarden Euro (der KURIER berichtete), auch er befundet der SPÖ einen „Zickzackkurs“.
Bundeskanzler Werner Faymann sieht das naturgemäß anders. „Unsere endgültigen Forderungen werden erst beim Bundesparteirat fixiert“, sagte der SPÖ-Chef gestern. Die Botschaft: Wir haben nur laut nachgedacht, das Wahlprogramm kommt erst am Samstag.
Fest steht derweil: Das „Top-Jugend-Ticket“ (Um 60 Euro können Schüler und Lehrlinge alle Öffis benutzen) wird in den nächsten Monaten von Wien, NÖ, und dem Burgenland aufs ganze Land ausgeweitet, das ist laut Mitterlehner beschlossen. Und die Studenten? Dieses Thema könne man seriöserweise erst nach der Wahl verhandeln.
(kurier) Erstellt am 01.08.2013, 17:44
03.08.2013, 20:20#33
01.08.2013
60-€-Jahreskarte
Offi-Ticket für Junge: Koalition vor Einigung
Öffi-Verkehr als Wahlkampfthema! Verkehrsministerin Doris Bures (SP) präzisiert im "Heute"-Gespräch die Forderung der SPÖ: Alle unter 24-Jährigen in Ausbildung sollen in ganz Österreich günstig Öffi fahren. Ähnliches will die VP.
Nach dem Wirbel um den SP-Plan zu Gratis-Öffis für Junge geht die SPÖ von ihrer Maximalforderung ab. Verkehrsministerin Bures sagt, welche Forderungen nun im SP-Wahlprogramm stehen:
"Das Top-Jugendticket des Verkehrsverbundes Ost Region soll auf alle unter 24 Jahren in Ausbildung ausgeweitet werden." Heißt: Auch Studenten sollen wie bisher Schüler und Lehrlinge um 60 Euro jährlich Öffi fahren.
Und: "Alle sieben Verkehrsverbünde Österreichs sollen ein Ticket in dieser Größenordnung anbieten." Gespräche würden bereits laufen. Kosten: 127 Mio. €.
Auch VP-Jugendminister Mitterlehner hatte die Ausweitung auf Studenten gefordert. Steht also eine Einigung der Koalition kurz bevor? Bures: "Bei gutem Willen ist eine Einigung vor der Wahl noch möglich."
Grüne: Um 1.095 € durchs Land
Die Grünen setzen bei ihrem Verkehrspaket auf eine Tarif-Reform: Ein Jahrestikket soll in jedem Bundesland maximal 365 € kosten, für zwei Länder das Doppelte. Um den dreifachen Preis (1.095 €) gibt es die Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel in Österreich.
Ähnlich wie die Vorschläge von VP und SP klingt die Forderung für Junge: Ein Ticket für alle Verkehrsmittel um 60 € im Jahr. Grünen-Chefin Glawischnig übt scharfe Kritik an der SP: "Der öffentliche Verkehr wurde kaputtgespart." Und: Der "große Wurf" fehle.
06.08.2013, 16:06#34
Wer anschafft, muss auch zahlen
Verkehrsministerin Bures verspricht
ÖBB-Chef Kern Geld für günstige Jugendtickets.
Sie ist seit 2008
Verkehrsministerin, er seit 2010 Chef der Österreichischen Bundesbahnen.
Bei einer Zugfahrt im modernen Railjet sprachen Doris Bures und
Christian Kern im KURIER-Doppelinterview über billige Jugend-Tickets,
teure Investitionen und den bevorstehenden Wahlkampf.
KURIER: Frau Minister, die SPÖ hat erst ihre Forderung nach
einem Gratis-Öffi-Ticket für Jugendliche präsentiert, dann auf
vergünstigte Tickets abgeschwächt. War das klug?
Doris Bures: Die genaue Formulierung der Forderung wurde am Samstag beim Bundesparteiratbeschlossen.
Bis dahin gab es eine rege Diskussion. Unsere Ziel ist, dass Mobilität
leistbar ist. So wie das Top-Jugendticket in der Ostregion (um 60
€/Jahr) wollen wir in allen Verkehrsverbünden in ganz Österreich ein
günstiges Jahresticket haben. Und wir wollen es für Studierende
erweitern.
Herr Kern, werden die ÖBB das finanziell unterstützen?
Christian Kern: Wir begrüßen alles, was junge
Menschen an die Bahn heranführt. Wir stehen Gewehr bei Fuß. Wir sind
aber ein Unternehmen und können keine Sozialleistungen finanzieren.
Daher ist klar, dass wir die Leistung abgegolten bekommen müssen.
Bures: Wenn die Politik Leistungen bestellt, muss
das den Unternehmen abgegolten werden. Die Zeiten sind vorbei, in denen
Politiker Verkehrsträgern ausgerichtet haben, dass bestimmte
Personengruppen gratis fahren auf Kosten der Firmen.
Herr Kern, wie stehen Sie zur Forderung der Grünen nach einem Österreich-Ticket um 1095 Euro?
Kern: Die ÖBB haben eine eigene Österreich-Card, mit
der man bereits ab drei Euro pro Tag das gesamte ÖBB-Zugangebot nutzen
kann. Das belohnt Vielfahrer. Wir sind gerne bereit für die Umsetzung
weiterer Maßnahmen, aber es braucht dafür die Finanzierung – im
konkreten Fall einen dreistelligen Millionenbetrag.
Frau Minister, Ende September wird gewählt. Sie werden
offenbar immer stärker zum zweiten SPÖ-Wahlkampfmanager. Fürchten Sie
nicht, dass die ÖBB damit in den Wahlkampf hineingezogen werden?
Bures: Wenn man in den Mittelpunkt stellt, was in den
letzten fünf Jahren bei den ÖBB gelungen ist, habe ich nichts dagegen.
Wir haben mit einer ÖBB-Reform begonnen. Und heute sehen wir, dass wir
auf gutem Weg sind. Wir haben Zuwächse bei den Passagierzahlen,
Verbesserungen bei der Pünktlichkeit und bei Infrastrukturinvestitionen
eine professionelle Abwicklung. Wir liegen bei allen Projekten exakt im
Zeit- und Kostenplan.
Ein kleines Scharmützel gab es bereits: Die SPÖ fordert im
Wahlprogramm eine Beschränkung der Vorstandsgagen im öffentlichen
Bereich. Die ÖVP meint, man solle gleich bei den ÖBB anfangen.
Bures: Wir haben ein klares System bei den Gagen von
Geschäftsführern. Aber ich halte nichts von Zurufen. Jeder soll seinen
Bereich so optimal wie möglich aufstellen.
Herr Kern, die ÖBB waren immer ein Politikum, etwa bei Postenbesetzungen. Ist es mühsamer als in anderen Firmen?
Kern: Die ÖBB haben eine enorme Aufmerksamkeit. Es
erscheinen jährlich rund 25.000 gedruckte Artikel über die ÖBB. Ruhe
gibt es nie. Aber ich würde meinen, dass Aufsichtsrat und Vorstand
genauso professionell geführt werden wie in jedem anderen Unternehmen
auch.
Die ÖBB haben für 2012 einen Vorsteuergewinn von 66,5
Millionen vermeldet. Kann man von Gewinn sprechen, wenn der Steuerzahler
jährlich 2,5 Milliarden Euro in die ÖBB steckt?
Kern: Selbstverständlich. Wir erhalten vom
Steuerzahler Geld für den Ausbau der Infrastruktur oder nehmen es mit
Staatsgarantie auf den Kapitalmärkten auf – rund zwei Milliarden pro
Jahr. Das hat keinen Einfluss auf unseren Gewinn. Zusätzliches Geld
erhalten wir für die Verkehrsbereitstellung auf Strecken, die man nicht
gewinnbringend betreiben kann. Das ist international üblich – selbst der
Euro-Tunnel von London nach Paris macht trotz 80 Prozent Marktanteil
Verluste.
Auf der Weststrecke hat sich gezeigt, dass die ÖBB dank
Konkurrenz besser geworden sind. Wäre eine Konkurrenz auf der Südbahn
nicht sinnvoll?
Bures: 2025 planen wir die Verkehrsfreigabe der
Südbahn. Wenn sie wie geplant ausgebaut wird, gehe ich davon aus, dass
private Mitbewerber kommen.
Kern: Derzeit wäre es für einen privaten Anbieter
aber Kamikaze, auf der Südbahn zu fahren. Selbst auf der Westbahn ist es
schwer, Geld zu verdienen.
Herr Kern, stört es Sie, wenn das Finanzministerium
aufschlüsselt, dass jeder Österreicher 4,4 Prozent seiner Steuern für
die ÖBB zahlt?
Kern: Die Rechnung ist nicht korrekt. In dieser Zahl
stecken etwa die Pensionszahlungen an Ex-ÖBB Mitarbeiter. Die hält man
anderen Bundes-Unternehmen nicht vor. Zudem muss angerechnet werden,
dass wir der größte Steuerzahler des Landes sind und jährlich 800
Millionen Steuern zahlen.
Frau Minister, die ÖBB weisen derzeit 18 Milliarden Euro an Schulden auf. Wie sollen die abgebaut werden?
Bures: Das sind nicht Schulden, sondern
Investitionen in Werte. Weil wir Weitblick beweisen, werden noch unsere
Ururenkel die Infrastruktur nutzen. Und es gibt ein Finanzrahmengesetz,
wo wir bis zum Jahr 2074 definiert haben, wie sich die Investitionen in
die Infrastruktur auswirken.
Das heißt, wir zahlen bis 2074 die ÖBB-Schulden zurück?
Bures: 2074 haben wir alle Investitionen in die
großen Bahnkorridore finanziert. Der Nutzen reicht aber noch viele
Jahrzehnte darüber hinaus.
Kern: Volkswirtschaftlich werden Werte für
Generationen geschaffen. Das Geld der Steuerzahler wurde nicht von
hungrigen Eisenbahnern verfrühstückt, sondern sinnvoll investiert.
Anders als etwa beim Flughafen Wien hat die ÖBB bei ihren
Großbaustellen noch keinen Baukosten-Skandal gehabt. Wird das so
bleiben?
Kern: Wir bauen keine Fertigteilhäuser. Das sind
hochkomplexe Projekte. Aber die Kosten-Abweichung über alle Projekte im
Rahmenplan liegt bei einem Prozent. Wir haben international einen
hervorragenden Ruf.
Frau Minister, die Regierung hat drei Konjunkturpakete
geschnürt und immer in die Bahn investiert. Wird da nicht
überdurchschnittlich viel in Schienen und Beton investiert statt in
Bildung oder Forschung?
Bures:Nein. Für die Forschung haben wir letztes Jahr
ein Paket von 110 Millionen Euro geschnürt. Bei den Konjunkturpaketen
2008 haben wir gesehen, dass genau die Schieneninvestitionen für
Wachstum sorgen. Fast 80 Prozent der Wertschöpfung aus Bahninvestitionen
landen bei kleinen und mittleren Unternehmen. Es geht nicht darum,
Stahl und Beton in die Landschaft zu legen. Wir werden Verkehr
ermöglichen, werden noch Züge kaufen und das Angebot erweitern.
Eine Großbaustelle ist auch der Brennerbasistunnel. Wie sieht die Finanzierung aus?
Bures: Der Brennerbasistunnel wird einmal der
längste Eisenbahntunnel der Welt. Wir rechnen mit Kosten von zehn
Milliarden Euro, die sich Italien und Österreich teilen. Von den fünf
Milliarden für Österreich soll ein Drittel aus EU-Förderung kommen, ein
Drittel aus der Querfinanzierung von der Straße und ein Drittel aus dem
Budget.
Herr Kern, Sie haben zuletzt geklagt, dass nach dem Aus für
Frühpensionierungen das Durchschnittsalter ihrer Mitarbeiter kräftig
steigt. Droht den ÖBB die Überalterung?
Kern: Unser Altersschnitt liegt bei 43 Jahren – und
wird bis 2020 auf 47 Jahre steigen. Daher wollen wir versuchen, unsere
Mitarbeiter länger gesund und leistungsfähig im Unternehmen zu halten.
Braucht die Bahn eine Einstellungswelle?
Kern: Das wird rechtzeitig passieren müssen. Aber genauso müssen wir in ältere Mitarbeiter investieren.
Frau Minister, sind Sie zufrieden mit ÖBB-Chef Kern?
Bures: Wir haben die Schwerpunkte für die
Verkehrspolitik klar festgelegt. Die Umsetzung wird vom Vorstand
professionell erledigt. Ich denke, dass wir gut aufgestellt sind. Die
Zahlen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Ihnen wird immer wieder ein Wechsel in die Wiener Landespolitik nachgesagt. Lust auf Tapetenwechsel?
Bures: Ich habe vor fünf Jahren dieses interessante
Ressort übernommen. Hier kann man etwas bewegen und verändern. Wenn ich
wieder die Chance bekomme, würde ich gerne Verkehrsministerin bleiben.
ÖBB
Bahn kommt langsam auf Schiene
Mitarbeiter
2012 sank die Zahl der Mitarbeiter erstmals knapp unter die Marke von 40.000. Zusätzlich bilden die ÖBB 1800 Lehrlinge aus.
Schwarze Zahlen
Die ÖBB konnten 2012 endlich wieder schwarze Zahlen schrei- ben: Nach
-27,9 Mio. Euro 2011 drehte das Vorsteuerergebnis auf 66,5 Mio. Alle
drei Teilkonzerne (Personenverkehr, Güterverkehr und Infrastruktur)
schafften ein Plus.
Personen- und Güterverkehr
Die Bahn beförderte 2012 rund 224 Millionen Passagiere (+7 %). Mit
dem ÖBB-Postbus fuhren zusätzlich 240 Millionen Kunden. Die noch nicht
ganz sanierte Rail Cargo Austria (RCA) beförderte im Vorjahr 113
Millionen Tonnen auf der Schiene.
(kurier)
Erstellt am 04.08.2013, 08:00
06.08.2013, 17:50#35
Braucht die Bahn eine Einstellungswelle?
Ein Wort, das im Konnex mit der ÖBB sehr zweideutig ausgelegt werden kann

13.09.2016, 02:25#36
Ich würde deutlich weiter gehen. Warum nur eine gemeinsame Jahreskarte ? Warum nicht gleich ein österreichweiter Verkehrsverbund ? Schluss mit übertriebenen Föderalismus und Tarifdschungel !
Das fordert jetzt auch die Bahngewerkschaft:
Streit über regionale Verkehrsverbünde - help.ORF.at