Unbenutzte Gleise auf Schwedenbrücke

37 Beiträge · Seite 2 von 2
22.05.2012, 11:04#21
OT:
@Ottakring: Bezirkspläne in Wien bekam man erst in der 3. Volksschulklasse! (Zumindest war das bei mir so, ich ging am Allerheiligenplatz in die VS.) Wir mussten ein sogenanntes besonders schön zu schreibendes "Merkheft" führen. Da drinnen waren z.B. handgezeichnete und mit einem Matritzenapparat vervielfältigte Pläne etwa der Stadtbahn und der wichtigen Brücken eingeklebt - selbstredend mussten wir damals alle Stadtbahnstationen und sämtliche Donau- und Donaukanalbrücken auswendig lernen. Allerdings dann schon in der vierten Klasse - da stand Wien auf dem Lehrplan. Die Geographie Österreichs war Stoff im ersten Gymnasium bzw. HS (5. Stufe). Jetzt macht man nach der Volksschulzeit, in der eben in der 4. Stufe das jeweilige Bundesland genau besprochen wird, gleich einen Sprung in die Welt. Mit dem Ergebnis, dass Pubertierende nicht einmal die Bundesländer kennen, weil sie mit 14, 15 andere Dinge im Schädel haben als diese zu lernen. (Geographie Österreich ist jetzt nämlich Stoff der 8. Schulstufe!).
Immer wieder beklagen sich Chefs und Lehrlingsausbilder wie niedrig das Allgemeinbildungsniveau ist: "Die kennen ja nicht einmal die Bundesländer!"
22.05.2012, 17:37#22
Immer wieder beklagen sich Chefs und Lehrlingsausbilder wie niedrig das Allgemeinbildungsniveau ist: "Die kennen ja nicht einmal die Bundesländer!"
Wie wahr, wie wahr! Meine Frau war Hauptschullehrerin in Wien Meidling. Zitat aus einer Arbeit aus der 3. Klasse HS: "Steiermark ist die Hauptstadt von Linz". :rolleyes:
22.05.2012, 20:49#23
Stimmt. Wir haben damals (Bin Jahrgang 1983) die österreichischen Bundesländer in der 3. VS durchgenommen. Und ich hab mich schon gewundert wieso die Kids heut zutage manchmal gar nicht wissen wie die Bundesländer heissen.
Im Zeitalter von Inet und GPS wohl nicht mehr von Bedeutung.

Öffis waren bei uns aber nie ein Thema,mein Wissen hab ich mir dilettant angeeignet :D
22.05.2012, 21:17#24
Mir wird immer eine Szene in der Volksschule - ich glaube, dritte Klasse - in Erinnerung bleiben, als die Lehrerin tausendmal betonte, Wien habe 23 Bezirke, aber Österreich neun Bundesländer, und dass man das nicht verwechseln solle - und kurz nach genau diesem Vortrag ein Schüler auf ihre Frage meint, Österreich habe 23 Bundesländer (oder wars umgekehrt, ich weiß es nicht mehr) ...

Stoff war es bei uns (Jahrgänge 1993/1994) sicher, auch noch ein paar Mal in der AHS-Unterstufe, aber ob sich das alle gemerkt haben, bezweifle ich - der Großteil wirds nur für den jeweiligen Test gelernt haben und dann wieder vergessen.
22.05.2012, 23:01#25
(oder wars umgekehrt, ich weiß es nicht mehr) ...
:D :daumenhoch:
23.05.2012, 13:41#26
@ ÖBB: ein wenig gehaltvoller wär bei dem Beitrag aber schon möglich gewesen...

@ all: und vom grundsätzlichen Thema sind wir auch ein wenig abgekommen ;) Dorthin sollten wir jetzt wohl zurückkehren
23.05.2012, 21:42#27
Dorthin sollten wir jetzt wohl zurückkehren
Völlig richtig. :daumenhoch: Ich bin noch immer beim suchen was die Hollandstraße betrifft.
26.05.2012, 17:29#28
Bei der Gelegenheit: Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass die Hollandstraße deshalb so breit ist, weil in ihr einmal eine Straßenbahn fahren sollte. Stimmt das?
Bin fündig geworden! 1887 plante die NWT folgende Strecke als Verlängerung der von ihr betriebenen, jedoch im Eigentum der KE stehenden Strecke nach Nußdorf: Wipplinger Straße - Börseplatz - Eßlinggasse (Gegenrichtung: Werdertorgasse) - Gonzagagasse - Rudolfsplatz - Gonzagagasse - Salztorgasse - Salztorbrücke - Hollandstraße - Haidgasse - Rotensterngasse - Praterstraße. Zum Bau ist es nie gekommen. Ob die Hollandstraße wegen der Planung so breit gebaut wurde oder ob sie sich wegen ihrer Breite als Streckenführung anbot kann ich nicht sagen. Dazu müsste man im Wiener Häuserkataster feststellen ob die hauptsächliche Bebauung vor 1887 erfolgte. Ich glaube aber eher, dass die Breite nichts mit der Straßenbahnplanung zu tun hatte sondern bereits so vorgefunden wurde, denn hätte ja die gesamte Bebauung direkt 1887 erfolgen müssen, denn nach der Nichtausführung hätte man wohl kaum auf eine abgelegte Planung Rücksicht genommen. Quelle: Wolfgang Kaiser: "Die Wiener Straßenbahnen - Vom "Hutscherl" bis zum "Ulf"" (GeraMond 2004). Auf Seite 21 ist ein Gleisplan der vorgesehenen Strecke abgebildet, der - laut Autor - auf den Originalunterlagen basiert. Ich habe den Plan eingescannt und hänge ihn hier an. Gruß Öffi Freund :)
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27.05.2012, 14:50#29
Interessant in dem Zusammenhang auch die Planungen aus dem Jahr 1903 (s. Pawlik-Slezak "Ring-Rund", s.72/73): Straßenbahn u.a. durch die Herbststraße/Spetterbrück, Krottenbachstraße bis Neustift, die bereits erwähnte Grinzinger Straße sowie über die Schmelzbrücke zur Sechshauser Straße! Dazu noch eine geplante Streckenführung des 62ers (?) über Mittersteig und quer durch Meidling (hier ist der Verlauf etwas unklar). Immerhin - Schweglerstraße, Dresdner Straße und Engerthstraße sowie der Gürtel vom Wienfluß bis zum Südbahnhof sind auch noch als "projectierte Straßenbahnen" eingezeichnet und wurden dann realisiert.
Darüber hinaus erinnere ich mich an Erzählungen meiner Mutter, denen zufolge in den 1930er-Jahren in der Gallitzinstraße Vermessungsarbeiten für eine Straßenbahn gemacht worden sein sollen, sich aber das Gelände als zu steil für eine Bim-Strecke erwiesen hätte.
27.05.2012, 17:54#30
Interessant in dem Zusammenhang auch die Planungen aus dem Jahr 1903 (s. Pawlik-Slezak "Ring-Rund", s.72/73):

Ich habe Ring-Rund schon länger nicht in der Hand gehabt und habe es jetzt heraus gesucht. Der von dir angesprochene Plan ist eine wahre Fundgrube an Schmankerln über geplante Straßenbahnlinien. Was mir zuerst einmal auffällt ist die geplante Linie von Grinzing über die Krapfenwaldlgasse zur Zahnradbahnstation. Wie um alles in der Welt hätte diese Steigung bewältigt werden sollen ??!! Oder das Projekt wurde nicht richtig eingezeichnet (mir ist etwas von einer Planung aus 1905 im Hinterkopf, doch hätte diese Linie den Cobenzl erreichen sollen). Der Plan eine Straßenbahn auf den Kahlenberg zu bauen wurde nämlich nicht so schnell aufgegeben, sondern beim Bau der Höhenstraße in den 30er Jahren noch einmal aus der Schublade hervor gezaubert. Nachdem eine geplante Elektrifizierung der Zahnradbahn gescheitert und dieselbe eingestellt worden war, wurde die neue Höhenstraße unter Umgehung der Krapfenwaldlgasse angeblich so angelegt, dass eine Straßenbahn steigungs- und kurventechnisch möglich gewesen wäre (Straßenbreite 8m, in Kurven 9m, Mindestradius 25m, Steigung maximal 6%). Die technischen Daten stammen aus dem Buch „Die Wiener Höhenstraße“ von Johannes Sowa (Sutton Verlag), die Sache mit der Möglichkeit habe ich von meinem 1973 verstorbenen Schwiegervater, der als junger Bauingenieur an der Höhenstraße mitgearbeitet hat. Ich habe das nie so ganz geglaubt, habe aber im gerade zitierten Buch auf Seite 15 den Satz entdeckt: „Die geplante Straßenbahn gab es jedoch nie.“ Offensichtlich war da doch zumindest eine Absicht vorhanden. Was mich wundert ist, dass die Linie durch die Grinzinger Straße hinter der Hohen Warte 1903 noch als Planung eingezeichnet ist, obwohl der bestehende Teil im selben Jahr wieder abgetragen wurde. Die Straßenbahnplanung in der Verlängerung der Hohen Warte nach Nußdorf scheint mir denn doch etwas fantasievoll, denn offenbar wäre dafür ein Brutalabbruch der Gässchen rund um den Pfarrplatz erforderlich gewesen (der sich aber offenbar tatsächlich darin manifestiert, dass die Verlängerung nicht Armbrustergasse sondern auch Hohe Warte heißt). Die Planung einer Straßenbahn durch die Krottenbachstraße war mir schon bekannt, aber nicht, dass sie bereits so zeitig vorlag (mein Wissensstand waren wieder einmal die Dreißigerjahre, wobei sich diese Planung bis in den 2. Weltkrieg hielt und schließlich durch den O-Bus realisiert wurde. Meiner Meinung nach hätte diese Linie auch noch heute Anspruch auf Verwirklichung, die scheitert aber daran, dass spätestens nach der Einmündung der Agnesgasse kein Platz mehr für eine Umkehrschleife besteht. Früher behalf man sich in einem solchen Fall eben mit Kuppelendstellen). In diese Zeit ist ja offensichtlich auch die Planung der von dir angesprochenen Linie ins Liebhartstal gefallen und die Planung der Straßenbahn über die Breitenfurter Straße nach Liesing. Die Sache mit der Herbststraße ist mir neu, ebenso die Linie über die Schmelzbrücke – Grenzgasse – Reindorfgasse – Stiegergasse – Längenfeldgasse – Böckhgasse. Die weiter gezeichnete Schräge dürfte der Marx-Meidlinger-Straße folgen. Aber jetzt kommt was (für mich) ganz Interessantes: Neben der Sechshauserstraße gibt es eine (dem Symbol nach) in Betrieb stehende Strecke vom Gürtel durch die Ullmannstraße! Die kenne ich nur als Neubaustrecke für den 8er nach Einstellung des 57ers. Und jetzt kommts noch besser: Knapp daneben findest du noch ein in Betrieb (!!) stehendes Linienstück, welches offensichtlich die Linke Wienzeile benützt. Was soll das gewesen sein? Wer kann darüber Auskunft geben? Den Verlauf der Linie über den Mittersteig kann man mit dem Stadtplan recht gut verfolgen: Mittersteig – Siebenbrunnengasse – Flurschützstraße – Wilhelmstraße. Bei all diesen Planungen muss man beachten, dass manche Gebiete von Wien (z.B. speziell Meidling) damals noch dörflichen Charakter aufwiesen und die heutigen Straßenzüge nicht unbedingt 1903 bereits vorhanden waren.

Liebe Grüße Öffi Freund :)
02.07.2012, 13:43#31
Linienverkehr Praterstraße-Schwedenbrücke
Auf meinen Linienlisten findet sich nur die Anmerkung, daß am 29.4.1911 die Gleise in der unteren Praterstraße (zur Schwedenbrücke) eröffnet wurden. Grund dürfte einzig und allein die vorübergehende Umleitung der Praterstraßen-Linien wegen des Neubaus der Aspernbrücke gewesen sein. Allerdings dauerte der bis 1920, und daher fuhren diese Linien auch bis 1920 über die Schwedenbrücke. Sonstiger Linienverkehr über diese Strecke ist mir nicht bekannt. Leider hab ich in meiner Liste kein Auflassungsdatum dieser Strecke, vermutlich wurde sie erst gemeinsam mit der übrigen Praterstraße (1.3.1981) aufgelassen.

Die Linien aus der Taborstraße, die zum Kai (Richtung Ringturm) abbogen, benutzten üblicherweise die Marienbrücke (z.B. CT, C, V, 16, 24, 26), die Linien, die Richtung Aspernplatz (heute Julius Raab-Platz) abbogen, benutzten die Schwedenbrücke (z.B. N, O, 29).

Ab 1986 bis 2008 fuhr die Linie 21 eine Schleife über beide Brücken (Fahrtrichtung gegen den Uhrzeigersinn). Die Linie 29 fuhr auch einmal über beide Brücken diese Schleife. Eine Zeit lang wurde während des U-Bahn-Baus aber eine eigene Strecke in der Oberen Donaustraße errichtet, die für die Schleifenfahrten dienten. Seit der Einführung der Linie N gab es aber planmäßig keine Endstation Schwedenplatz mit dieser Schleifenfahrt. Nur für Kurzführungen infolge von div. Problemen.
02.07.2012, 15:08#32
RE: Linienverkehr Praterstraße-Schwedenbrücke
Leider hab ich in meiner Liste kein Auflassungsdatum dieser Strecke, vermutlich wurde sie erst gemeinsam mit der übrigen Praterstraße (1.3.1981) aufgelassen.
Ja, wurde sie.

Korrektur: Die Strecke wurde bereits am 26.4.1972 gesperrt.

Zitat
Die Linie 29 fuhr auch einmal über beide Brücken diese Schleife.
Ja, vom Oktober 1972 bis 27. Juni 1980.

Korrektur: Der 29er wendete vom 9.10.1972 bis 6.4.1973 über den Schwedenplatz. Ab 9.4.1973 bis 6.12.1978 wurde wegen des U-Bahn-Baus über die Obere Donaustraße gewendet. Die neu errichtete Schleife Schwedenplatz konnte dann ab 7.12.1978 befahren werden.
Dieser Beitrag wurde 2-mal editiert, zuletzt von Ferry (02.07.2012, 19:16): Korrektur falscher Angaben
22.08.2012, 18:48#33
Meines Wissens lagen nie Schienen auf der Marienbrücke.

Im beigefügten Liniennetzplan sind sämtliche, jemals von Straßenbahnen befahrene Donaukanalbrücken, gekennzeichnet.
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2001.jpg
22.08.2012, 20:10#34
Meines Wissens lagen nie Schienen auf der Marienbrücke.

Im beigefügten Liniennetzplan sind sämtliche, jemals von Straßenbahnen befahrene Donaukanalbrücken, gekennzeichnet.

Meinst du die Salztorbrücke oder willst du schlecht trollen?
22.08.2012, 22:17#35
Ja, er wird die Salztorbrücke gemeint haben! Beachtet man die Breite der Hollandstraße (Fortsetzung der Salztorbrücke in den 2. Bezirk), dann fällt sofort deren Breite auf. Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass durch diese Straße einmal eine Straßenbahn geplant war.
23.08.2012, 10:36#36
Ja, er wird die Salztorbrücke gemeint haben! Beachtet man die Breite der Hollandstraße (Fortsetzung der Salztorbrücke in den 2. Bezirk), dann fällt sofort deren Breite auf. Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass durch diese Straße einmal eine Straßenbahn geplant war.
Du brauchst nur ein Stückchen hinauf scrollen, dann findest du im Beitrag 28 von mir den Plan der nicht zustande gekommenen Tram über die Salztorbrücke! Gruß Öffi Freund ;)
23.08.2012, 12:50#37
@Öffi Freund: Besten Dank - ich habe das offenbar übersehen! Ist hochinteressant!