2013-01-05: Frau auf U-Bahn-Gleise gestoßen

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07.01.2013, 13:49#1
Frau auf U-Bahn-Gleise gestoßen

Im Zuge eines angeblich rassistischen Streits ist eine gebürtige Afrikanerin am Samstag von einem Mann in der U-Bahn-Station Taborstraße auf die Gleise gestoßen worden. Sie konnte im letzten Moment vor dem heranfahrenden Zug gerettet werden.


Der 51-jährige Verdächtige, der in Begleitung seiner Lebensgefährtin war, soll sich gegen 23.40 Uhr in der Station in der Leopoldstadt durch das Verhalten zweier gebürtiger Afrikanerinnen geärgert haben, die laut mit einem Handy telefoniert hätten. „Er stänkerte die Frauen an und beschimpfte sie rassistisch“, sagte Polizeisprecher Thomas Keiblinger.

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Vorfall passierte in U-Bahn-Station Taborstraße (APA/Schlager)

Die Auseinandersetzung eskalierte weiter: Der Mann versetzte der 36-Jährigen einen Faustschlag auf den Kopf und stieß sie absichtlich auf die Schienen in Fahrtrichtung Aspern. Die Frau erlitt durch den Sturz einen Fersenbeinbruch und hätte sich nicht selbst in Sicherheit bringen können.

Frau beinahe von U-Bahn überrollt
Laut Polizei wurde der Notstopp von einem Noteinsatzteam der Wiener Linien betätigt. Dort wusste man davon nichts, sondern ging davon aus, dass ein unbekannter Zeuge geistesgegenwärtig genug war, das Einfahren der U-Bahn zu verhindern. „Nur 30, 40 Sekunden später wäre ein Zug in die Station eingefahren“, so Keiblinger.

Während der Angreifer flüchtete, hielt die Begleiterin des Opfers die Lebensgefährtin des Mannes fest. So war es für die Polizei nicht weiter schwer, diesen festzunehmen. Dieser gab den Stoß zwar zu, gab aber an, selbst beschimpft worden zu sein.

Mann wurde in U-Haft genommen
Er habe auch keine rassistischen Äußerungen getätigt, sondern sei selbst mit einer Ausländerin liiert. Er habe sich bedroht gefühlt und versucht, die Frau durch den Stoß auf Distanz zu halten. Keinesfalls habe er sie verletzen wollen.

Das ist aber offensichtlich passiert. Die Frau wurde operiert und befand sich am Montag noch in stationärer Behandlung. Der Mann wurde wegen Mordverdachts verhaftet und in die Justizanstalt Josefstadt eingeliefert.

"Wien heute"-Beitrag zum Thema (~ 7 Tage lang abrufbar):
http://tvthek.orf.at/programs/70018-Wien-heut…auf-Gleise-gestossen

Beste Grüße
VT

EDIT: Link ergänzt
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von VT 5081 (07.01.2013, 21:14)
07.01.2013, 17:01#2
RE: 2013-01-05: Frau auf U-Bahn-Gleise gestoßen
Frau auf U-Bahn-Gleise gestoßen
Er habe sich bedroht gefühlt und versucht, die Frau durch den Stoß auf Distanz zu halten. Keinesfalls habe er sie verletzen wollen.
Natürlich nicht, bei einem Sturz aus 1m Höhe kann ja auch nichts passieren, von der Stromschiene ganz abgesehen. Ein dümmere Ausrede gibt's wohl wirklich nicht mehr. Hoffentlich muss der Typ tief in den Scmalztopf greifen!
07.01.2013, 18:17#3
Ja, eine Verurteilung wegen versuchten Mordes ist wohl nicht abwegig, vor allem weil darüber dann Geschworene entscheiden.
08.01.2013, 23:26#4
Frau gestoßen: Mann bestreitet Vorsatz

Nach dem Stoß auf die Gleise in der U2-Station Taborstraße gibt es unterschiedliche Darstellungen des Vorfalls. Der Beschuldigte gibt einen Rempler zu, bestritt aber die Verletzungsabsicht. Er wird allerdings von Zeugen belastet.


Der Vorfall passierte am Samstag kurz vor Mitternacht. Die 36-Jährige und ihre ebenfalls aus Kenia stammende Freundin waren um 23.40 Uhr in die U2-Station in der Leopoldstadt gekommen. Der 51-Jährige und seine Lebensgefährtin hatten sich offenbar durch das zu laute Telefonieren einer der beiden Frauen gestört gefühlt.

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Opfer befindet sich im Spital (ORF)

Auch ins Gesicht geschlagen
Nach Angaben des Opfers startete die Frau mit rassistischen Beschimpfungen. Sie habe daraufhin die Lebensgefährtin des Beschuldigten gefragt, was sie gesagt habe, schilderte die 36-Jährige in einem ORF-Interview die Vorgänge. Der Mann habe ihr ins Gesicht geschlagen, dann sei auch schon der Stoß gefolgt, durch den sie auf die Gleisanlage gestürzt sei - mehr dazu in tvthek.ORF.at.

Dabei brach sie sich das Fersenbein und konnte nicht mehr von allein auf die Plattform klettern. Etwa 30 bis 40 Sekunden später wäre ein Zug in die Station gefahren. Er wurde von Zeugen über den Notstopp in der Station abgebremst.

Beschuldigter fühlte sich attackiert
Der Beschuldigte sagte hingegen aus, die Kenianerinnen hätten nach der in normalem Ton vorgebrachten Bitte, leiser zu telefonieren, selbst zu schimpfen begonnen und ihn letztlich attackiert. Er habe einer der beiden Frauen nur einen Stoß versetzt, um sie von sich wegzuhalten. Die 36-Jährige sei gestolpert und auf den Gleiskörper gefallen. Es habe keinerlei Verletzungsabsicht gegeben.

Seine Lebensgefährtin wollte von dem Stoß laut Polizei nicht viel mitbekommen haben. Sie habe nur gesehen, dass eine der Frauen auf den Gleisen gelegen sei. Ihr Mann sei plötzlich weg gewesen. Sie wollte aber gesehen haben, wie die beiden Kenianerinnen ihren Mann attackierten und eine von ihnen sein Gesicht zerkratzt habe.

Die Wiener Linien wiesen unterdessen darauf hin, dass es neben dem Gleiskörper in den Stationen Rettungsnischen gibt, in die sich Fahrgäste im Ernstfall flüchten könnten.

Beste Grüße
VT
09.01.2013, 11:04#5
Ich wundere mich ja schon lange darüber, dass man in der "Bitte seien Sie achtsam!"-Durchsage zwar auf den Spalt "zwischen Bahnsteig und U-Bahn-Türe" hinweist - aber nicht darauf, dass in Abwesenheit eines Zuges dieser "Spalt" noch viel größer und gefährlicher ist - und es z.B. vorteilhaft wäre, sich beim Warten auf den Zug (wenn möglich) in einer größeren Entfernung von der Bahnsteigkante aufzuhalten, als dies die gelbe Sicherheitslinie vorgibt.

Das ist zwar für halbwegs denkende Menschen eh klar, aber ich beobachte häufig Personen, die ohne erkennbaren Grund sehr knapp an der Bahnsteigkante stehen (vielleicht auch noch telefonierend) - und für die solch ein Hinweis vermutlich sinnvoller wäre als die derzeitige Spalt-Ansage.
09.01.2013, 12:40#6
RE: 2013-01-05: Frau auf U-Bahn-Gleise gestoßen
Frau auf U-Bahn-Gleise gestoßen

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Vorfall passierte in U-Bahn-Station Taborstraße (APA/Schlager)

Die Auseinandersetzung eskalierte weiter: Der Mann versetzte der 36-Jährigen einen Faustschlag auf den Kopf und stieß sie absichtlich auf die Schienen in Fahrtrichtung Aspern. Die Frau erlitt durch den Sturz einen Fersenbeinbruch und hätte sich nicht selbst in Sicherheit bringen können.

Frau beinahe von U-Bahn überrollt
Laut Polizei wurde der Notstopp von einem Noteinsatzteam der Wiener Linien betätigt. Dort wusste man davon nichts, sondern ging davon aus, dass ein unbekannter Zeuge geistesgegenwärtig genug war, das Einfahren der U-Bahn zu verhindern. „Nur 30, 40 Sekunden später wäre ein Zug in die Station eingefahren“, so Keiblinger.

Diesen Absatz finde ich ja unglaublich, und zeigt nur einen weiteren Fall, das diese Schreiberlinge absolut null Ahnung davon haben, was sie schreiben!

Wieso hätte sie sich nicht selbst in Sicherheit bringen können? Sie hätte sich in den Sicherheitsbereich unter der Bahnsteigkante rollen können!

Und der komische Polizeisprecher weiß auch nix davon? Da sieht man wieder das die Sicherheitsinformationen den Fahrgästen und anscheinend auch nicht den Medien und der Polizei bekannt sind! :daumenrunter:

Da gehört unbedingt Aufklärung betrieben, und als Pressesprecher der Wr. Linien hätte ich mich auch sofort eingeschaltet und darauf hingewiesen, das es z.B. diesen Sicherheitsbereich unter der Bahnsteigkante gibt, wo man sich in Sicherheit bringen kann, sollte man es nicht mehr auf den Bahnsteig schaffen :achtung:

Edit: Text ergänzt
09.01.2013, 13:21#7
als Pressesprecher der Wr. Linien hätte ich mich auch sofort eingeschaltet und darauf hingewiesen, das es z.B. diesen Sicherheitsbereich unter der Bahnsteigkante gibt, wo man sich in Sicherheit bringen kann, sollte man es nicht mehr auf den Bahnsteig schaffen :achtung:

Den letzten Absatz in der letzten hier geposteten Pressemeldung hast du gelesen?
09.01.2013, 13:39#8
als Pressesprecher der Wr. Linien hätte ich mich auch sofort eingeschaltet und darauf hingewiesen, das es z.B. diesen Sicherheitsbereich unter der Bahnsteigkante gibt, wo man sich in Sicherheit bringen kann, sollte man es nicht mehr auf den Bahnsteig schaffen :achtung:

Den letzten Absatz in der letzten hier geposteten Pressemeldung hast du gelesen?
Ui, klassisches Eigentor meinerseits :rolleyes: Auch wenns verspätet gesagt wurde, immerhin :daumenhoch:

Edit: Fehler beim Zitieren ausgebessert
10.01.2013, 11:41#9
Wieso hätte sie sich nicht selbst in Sicherheit bringen können? Sie hätte sich in den Sicherheitsbereich unter der Bahnsteigkante rollen können!
Das wissen wir die wir uns mit den Öffis, ihren Techniken und Anlagen eingehend beschäftigen. Ich frage mich nur ob Jemand, für den eine U-Bahn nur Verkehrsmittel darstellt, auch weiß wo Sicherheitszonen sind und wo nicht und ob man im Schock, wenn man hinunter gestoßen wird, überhaupt zum klaren Denken fähig ist.
10.01.2013, 14:29#10
Wieso hätte sie sich nicht selbst in Sicherheit bringen können? Sie hätte sich in den Sicherheitsbereich unter der Bahnsteigkante rollen können!
Das wissen wir die wir uns mit den Öffis, ihren Techniken und Anlagen eingehend beschäftigen. Ich frage mich nur ob Jemand, für den eine U-Bahn nur Verkehrsmittel darstellt, auch weiß wo Sicherheitszonen sind und wo nicht und ob man im Schock, wenn man hinunter gestoßen wird, überhaupt zum klaren Denken fähig ist.
Genau das hab ich gemeint! Die Medien sind nicht fähig darauf hinzuweisen, sondern machen eine Panik draus.

Ich wollte keinesfalls das ich das Verhalten vom Opfer schlecht mache. Sie hat es anscheinend nicht gewusst und ob ich richtig reagieren würde, auch wenn ich es weiß, steht woanders geschrieben.
10.01.2013, 14:29#11
Frau auf U-Bahn-Gleisen: Verdächtiger frei

Wieder auf freiem Fuß befindet sich nach einem Bericht von „Österreich“ jener 51-Jährige, der verdächtigt wird, am Samstag eine Frau vom Bahnsteig auf die Gleise der U2 gestoßen zu haben. Der Vorwurf des Mordversuchs soll fallengelassen worden sein.


Wie die Zeitung am Donnerstag berichtete, habe sich der Verdächtige nur acht Stunden in Polizeigewahrsam befunden. Danach habe die Staatsanwaltschaft den Vorwurf des Mordversuchs fallen gelassen. Gegen den Mann werde nun wegen absichtlich schwerer Körperverletzung ermittelt. Eine offizielle Stellungnahme der Staatsanwaltschaft liegt noch nicht vor.

Verdächtiger bestreitet Vorsatz
Der Verdächtige sagte bereits vor Tagen aus, die Kenianerinnen hätten nach der in normalem Ton vorgebrachten Bitte, leiser zu telefonieren, selbst zu schimpfen begonnen und ihn letztlich attackiert. Er habe einer der beiden Frauen nur einen Stoß versetzt, um sie von sich wegzuhalten. Die 36-Jährige sei gestolpert und auf den Gleiskörper gefallen. Es habe keinerlei Verletzungsabsicht gegeben - mehr dazu in Frau gestoßen: Mann bestreitet Vorsatz.

Link:
Artikel in „oe24.at“

Beste Grüße
VT
05.03.2013, 19:55#12
Frau vor U-Bahn gestoßen: Prozess

Jener Mann, der eine Frau nach angeblich rassistischen Beschimpfungen vor die U-Bahn gestoßen hatte, steht am Donnerstag vor Gericht. Die Anklage lautet aber nicht auf Mordversuch, sondern auf schwere Körperverletzung.


Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich wegen versuchten Mordes ermittelt. Nun geht es „nur“ um absichtliche schwere Körperverletzung. Die Lebensgefährtin des Mannes wurde wegen Unterlassung der Hilfeleistung mitangeklagt.

Zeugen belasten Mann
Das Abrücken vom Mordversuch-Verdacht überrascht insofern, als der 51-jährige Mann nach Zeugenaussagen während der Auseinandersetzung mit der 36-jährigen Kenianerin und ihrer ebenfalls farbigen Begleiterin auf die U-Bahn-Signaltafel geblickt haben soll, die in drei Minuten einen einfahrenden Zug ankündigte. Er soll daraufhin seiner Freundin zugerufen haben, in drei Minuten sei „alles vorbei“ und diese möge „dann laufen“.

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(APA/Schlager)

Für die Staatsanwaltschaft liegt allerdings kein hinreichender Beweis für eine konkrete Tötungsabsicht vor, sodass sie den Fall nicht vor Geschworene gebracht hat. Nun muss sich eine Einzelrichterin mit der Frage befassen, was den 51-Jährigen zu seinem gewalttätigen Verhalten bewogen hat. Wie sein Verteidiger Roland Friis am Dienstag erklärte, sei dem Mann „der Kragen geplatzt“. Er habe sich zu dem Stoß auf Provokationen hin bedauerlicherweise hinreißen lassen, dabei aber nicht mit dem Vorsatz gehandelt, die Frau absichtlich schwer zu verletzen.

Mann fühlte sich gestört
Die 36-Jährige und ihre ebenfalls aus Kenia stammende Freundin waren um 23.40 Uhr in die U2-Station in Wien-Leopoldstadt gekommen. Der 51-Jährige und seine Lebensgefährtin fühlten sich offenbar durch das laute Telefonieren einer der beiden Frauen gestört. Nach Angaben des späteren Opfers startete die Freundin des Mannes mit rassistischen Beschimpfungen. Sie habe daraufhin die Lebensgefährtin des Beschuldigten gefragt, was sie gesagt habe, schilderte die 36-Jährige später das Geschehen.

Der Mann habe ihr darauf ins Gesicht geschlagen, dann sei auch schon der Stoß erfolgt. Bei dem Sturz auf die Gleisanlage brach sich die 36-Jährige das Fersenbein und konnte nicht mehr auf die Plattform klettern. Etwa 30 bis 40 Sekunden später wäre ein Zug in die Station eingefahren. Er wurde allerdings von einem aufmerksamen Augenzeugen rechtzeitig über die Notstopp-Taste abgebremst und zum Stehen gebracht.

Der 51-Jährige behauptet, er und seine Gefährtin hätten die Afrikanerinnen in ruhigem Tonfall um leiseres Telefonieren gebeten. Im Übrigen sei er kein Rassist, weil seine Freundin selbst Ausländerin sei. Er bzw. seine Lebensgefährtin wären auf ihr Ersuchen von den Frauen verbal attackiert worden - mehr dazu in Frau gestoßen: Mann bestreitet Vorsatz.

Bis zu fünf Jahre Haft möglich
Sollte der Mann im Sinn der Anklage schuldig erkannt werden, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Bei seiner Freundin, die sich laut Verteidiger „nicht schuldig“ bekennen wird, weil sie von der Begleiterin der Verletzten festgehalten worden sei und sich deshalb nicht um diese kümmern habe können, wäre bei einem Schuldspruch eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr möglich.

Beste Grüße
VT
07.03.2013, 13:03#13
Stoß vor U-Bahn: Ein Jahr bedingt

Zu einem Jahr bedingter Haft ist jener Mann verurteilt worden, der im Jänner eine Frau vor eine U-Bahn gestoßen hatte. Der Tat waren angeblich rassistische Beschimpfungen vorausgegangen. Am Prozessbeginn war es zu Tumulten gekommen.


Der 51-jährige Elektriker soll im Jänner in der U-Bahnstation Taborstraße eine 36-jährige Kenianerin vor die U-Bahn gestoßen haben, er ist wegen absichtlich schwerer Körperverletzung angeklagt. Seine Ehefrau muss sich im Straflandesgericht wegen Unterlassung der Hilfeleistung verantworten.

Proteste von Zuhörern
Nach der Einvernahme der beiden Angeklagten protestierten zunächst zwei Zuhörer mit einem Transparent sowie Zwischenrufen („We want Justice!“, „We need Justice!“) gegen die in ihren Augen unzureichende Anklage. Nachdem Richterin Gerda Krausam die Störversuche zunächst erfolgreich unterbinden konnte, indem sie einfach „Ruhe!“ zurückbrüllte, eskalierte die Situation, als ein besonders aufgebrachter Zuhörer aufsprang und zur Anklagebank lief.

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Medieninteresse vor Prozessbeginn (ORF)

Er pflanzte sich wenige Zentimeter vor dem Elektriker auf und schrie ihm „Das ist Mordversuch!“ ins Gesicht. Der Angeklagte blieb erstaunlich ruhig und ohne mit der Wimper zu zucken sitzen, während seine Ehefrau sich in den hinteren Bereich des Gerichtssaals flüchtete.

Die Richterin verständigte daraufhin telefonisch den Sicherheitsdienst. Als auch vor dem Gerichtssaal lautstarke Schreie ertönten, trat die Justizwache auf den Plan. Ein Beamter blieb während der weiteren Verhandlung im Saal, um gegen allfällige weitere Zwischenfälle vorgehen zu können. Die zwei Störenfriede, die den Saal zwischenzeitlich verlassen hatten, wurden von einem weiteren Beamten am neuerlichen Betreten gehindert.

Zeugen belasten Mann
Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den Mann ursprünglich wegen versuchten Mordes ermittelt. Nun ging es „nur“ um absichtliche schwere Körperverletzung. Das Abrücken vom Mordversuchsverdacht überraschte insofern, als der Mann nach Zeugenaussagen während der Auseinandersetzung mit der Kenianerin und ihrer Begleiterin auf die U-Bahn-Signaltafel geblickt haben soll, die in drei Minuten einen einfahrenden Zug ankündigte. Er soll daraufhin seiner Freundin zugerufen haben, in drei Minuten sei „alles vorbei“ und diese möge „dann laufen“.

Für die Staatsanwaltschaft liegt allerdings kein hinreichender Beweis für eine konkrete Tötungsabsicht vor, so dass sie den Fall nicht vor Geschworene gebracht hat. Nun musste sich eine Einzelrichterin mit der Frage befassen, was den Mann zu seinem gewalttätigen Verhalten bewogen hatte. Wie sein Verteidiger Roland Friis am Dienstag erklärte, sei dem Mann „der Kragen geplatzt“. Er habe sich zu dem Stoß auf Provokationen hin bedauerlicherweise hinreißen lassen, dabei aber nicht mit dem Vorsatz gehandelt, die Frau absichtlich schwer zu verletzen.

Mann fühlte sich gestört
Die 36-Jährige und ihre ebenfalls aus Kenia stammende Freundin waren am 5. Jänner 2013 um 23.40 Uhr in die U2-Station Taborstraße in Wien-Leopoldstadt gekommen. Die Angeklagten fühlten sich offenbar durch das laute Telefonieren einer der beiden Frauen gestört. Nach Angaben des späteren Opfers startete die Angeklagte mit rassistischen Beschimpfungen. Sie habe daraufhin gefragt, was sie gesagt habe, schilderte die Frau später das Geschehen.

Der Mann habe ihr darauf ins Gesicht geschlagen, dann sei auch schon der Stoß erfolgt. Bei dem Sturz auf die Gleisanlage brach sich die Frau das Fersenbein und konnte nicht mehr auf die Plattform klettern. Etwa 30 bis 40 Sekunden später wäre ein Zug in die Station eingefahren. Er wurde allerdings von einem aufmerksamen Augenzeugen rechtzeitig über die Notstopp-Taste abgebremst und zum Stehen gebracht.

Der Mann behauptete, er und seine Gefährtin hätten die Afrikanerinnen in ruhigem Tonfall um leiseres Telefonieren gebeten. Im Übrigen sei er kein Rassist, weil seine Freundin selbst Ausländerin sei. Er bzw. seine Lebensgefährtin seien auf ihr Ersuchen von den Frauen verbal attackiert worden - mehr dazu in Frau gestoßen: Mann bestreitet Vorsatz.

Beste Grüße
VT
07.03.2013, 20:34#14
Das Urteil ist ja eine Frechheit sondergleichen! Einerseits wird Rassismus (zurecht!) nicht akzeptiert, und dann so ein Urteil. Wenn man sich da verarscht vorkommt, braucht sich keiner wundern, oder? :boese:
lg
07.03.2013, 21:32#15
Das Urteil ist ja eine Frechheit sondergleichen! Einerseits wird Rassismus (zurecht!) nicht akzeptiert, und dann so ein Urteil. Wenn man sich da verarscht vorkommt, braucht sich keiner wundern, oder? :boese:
lg

Bitte ein bisschen weniger Polemik und mehr Sachlichkeit. "Rassismus" ist kein Straftatbestand. Was ein Straftatbestand ist, ist absichtliche schwere Körperverletzung (§ 87 StGB), wobei dafür die Mindeststrafe ein Jahr und die Höchststrafe fünf Jahre beträgt. Wobei ich Presseartikeln nicht unbedingt zu viel Glauben schenken würde, wenn es um juristische Feinheiten (absichtliche schwere Körperverletzung vs. schwere Körperverletzung) geht.

Ganz nachvollziehen kann ich das Urteil (jedenfalls wenn es wirklich § 87 war) aber auch nicht, denn ...
§ 33. (1) Ein Erschwerungsgrund ist es insbesondere, wenn der Täter
[...]
5. aus rassistischen, fremdenfeindlichen oder anderen besonders verwerflichen Beweggründen gehandelt hat;


Aber was weiß ich schon.
08.03.2013, 13:06#16
Auch ich bin kein Jurist. Aber das Urteil - um es höflich auszudrücken - missfällt mir sehr. Eine bedingte Freiheitsstrafe ist meiner Meinung nach kein Äquivalent für einen Vorgang der absichtlich herbeigeführt wurde (Stoß) und Todesfolge hätte haben können. Das Argument mit der Rettungsnische unter der Bahnsteigkante lasse ich nicht gelten, den wer von den 08/15 U-Bahn Benützern weiß davon und zweitens, was geschieht, wenn sich Jemand dabei nicht das Fersenbein, sondern den Oberschenkel bricht: Dann kommt er vor Schmerz und Schock gar nicht mehr in die Nische, auch wenn er deren Funktion kennen sollte. Und letztlich: Dass nichts Ernstes geschehen ist, verdankt das Opfer nur dem Zufall (Zug hätte auch früher kommen können, kein Passant hätte den Nothalt betätigen können). Weit haben wir es in einem "Rechtsstaat" gebracht, in dem Urteile offensichtlich von juristischen Spitzfindigkeiten abhängig sind. :daumenrunter:
08.03.2013, 13:49#17
Das Urteil ist ja eine Frechheit sondergleichen! Einerseits wird Rassismus (zurecht!) nicht akzeptiert, und dann so ein Urteil. Wenn man sich da verarscht vorkommt, braucht sich keiner wundern, oder? :boese:
lg


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Zitat
Der Mann behauptete, er und seine Gefährtin hätten die Afrikanerinnen in ruhigem Tonfall um leiseres Telefonieren gebeten. Im Übrigen sei er kein Rassist, weil seine Freundin selbst Ausländerin sei. Er bzw. seine Lebensgefährtin seien auf ihr Ersuchen von den Frauen verbal attackiert worden


Offenbar steht hier Aussage gegen Aussage. Da niemand von uns dabei war sollte man sich nicht auf eine Seite schlagen. :lampe:
08.03.2013, 17:53#18
Meine Meinung ist so, wie ich es geschrieben habe. Ich habe nirgends erwähnt, dass ich dabei war (war ich nämlich nicht). Ich bin auch kein Richter, der das zu entscheiden hat, also werde ich wohl meine eigene Meinung haben dürfen! ?(
08.03.2013, 18:03#19
Weit haben wir es in einem "Rechtsstaat" gebracht, in dem Urteile offensichtlich von juristischen Spitzfindigkeiten abhängig sind. :daumenrunter:
Ich sehe es ähnlich. Für mich ist das Urteil ein (weiterer) Freibrief für willkürliche Gewalt. Und - auch ich war nicht dabei, habe es aber gelesen bzw. gehört - der Täter soll ja angeblich nach einem Blick auf die Zugzielanzeige zu seiner Freundin gesagt haben: In drei Minuten rennst los, da ist alles vorbei!. Wenn das stimmt, war es also nicht einmal eine Affekthandlung, sondern eiskalter Vorsatz. Und da hätte zumindest ein Teil der Strafe unbedingt ausfallen müssen.
08.03.2013, 22:45#20
Wieder einaml beschleicht mich das Gefühl einer vergleichweise milden Bestrafung von Delikten gegen Leib und Leben gegenüber beispielsweise kleinen Vermögensdelikten wie Diebstahl oder Drogendelikten.
Ich behaupte einmal provokant, dass beim selben Sachverhalt die Strafe nicht so mild ausgefallen wäre, wenn der Täter schwarz und das Opfer weiß gewesen wäre (mal ganz abgesehen von den politischen Wellen, diees dann geschlagen hätte).