[OTS/KfV] Straßenbahnen in Wien: Sicherheit beim Ein- und Aussteigen

46 Beiträge · Seite 1 von 3
28.05.2008, 10:21#1
Kuratorium für Verkehrssicherheit / 28.05.2008 / 10:00 / OTS0080 5 CI 0627 KVS0002 II

Straßenbahnen in Wien: Sicherheit beim Ein- und Aussteigen

Utl.: Das KfV hat zusammen mit den Wiener Linien Unfälle beim Ein-
und Aussteigen in die bzw. aus den Straßenbahnen untersucht.
Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit zu verunfallen ist gering.


Wien (OTS) - Die Wiener Landesstelle des Kuratoriums für
Verkehrssicherheit (KfV) hat in Kooperation mit den Wiener Linien das
Unfallgeschehen beim Ein- und Aussteigen in bzw. aus den Wiener
Straßenbahnen untersucht. Für die Jahre 2006 und 2007 wurden im
Rahmen der KfV-Studie rund 300 Unfälle, die beim Ein- oder Aussteigen
eines Fahrgastes passiert sind, analysiert. "Hauptziel der Studie
war, mit Hilfe einer Unfallanalyse genaue Informationen über Hergang
und Ursache zu erhalten", erklärte DI Klaus Robatsch, KfV-Leiter der
Regionen Wien, Niederösterreich und Burgenland. "Eine detaillierte
Bestandsaufnahme der Unfälle ist die wichtigste Basis dafür, konkrete
Maßnahmen zu entwickeln um derartige Vorkommnisse in Zukunft zu
verhindern", sagt Robatsch weiter.

Die KfV-Studie hat ergeben, dass vor allem ältere weibliche Fahrgäste
(65+) von Unfällen betroffen sind und dass die meisten Unfälle beim
Einsteigen passieren.

Generell ist die Wahrscheinlichkeit beim Ein- oder Aussteigen zu
verunfallen äußerst gering: Ein Fahrgast müsste statistisch gesehen
ungefähr 13.700 Jahre lang einmal am Tag Straßenbahn fahren, um in
einen Unfall verwickelt zu werden.

Maßnahmen für ältere Fahrgäste sind geplant

Im Zuge der KfV-Studie hat sich gezeigt, dass die Gruppe der über
65-Jährigen besonders von Unfällen betroffen ist: So entfallen 65
Prozent der Unfälle beim Ein- und Aussteigen auf diese Altersgruppe,
obwohl ihr Gesamtanteil an allen Fahrgästen nur 14 Prozent beträgt.
Im Vergleich zu anderen Altersgruppen verunfallen vor allem ältere
weibliche Fahrgäste: In den Jahren 2006 und 2007 kam es zu rund 120
Vorfällen mit weiblichen Fahrgästen in der Altersgruppe der über
65-Jährigen. Bei den männlichen Fahrgästen lag die Zahl bei 28
Unfällen. Am vergleichsweise wenigsten passierte (19 Unfälle) in der
Altersgruppe der 0- bis 34-Jährigen Fahrgäste. Die Gründe, warum es
vor allem weibliche Fahrgäste trifft, sind vielschichtig. Zum einen
findet man sie in der demographischen Entwicklung: Frauen erreichen
ein höheres Alter als Männer und sind länger mobil. Zudem sind Männer
länger und bevorzugt im motorisierten Individualverkehr unterwegs als
Frauen.

Mehr Unfälle beim Einsteigen als beim Aussteigen

Vergleicht man die Anzahl der Unfälle beim Einsteigen mit denen beim
Aussteigen, so rangiert das Einsteigen mit 69 Prozent eindeutig vor
dem Aussteigen mit 31 Prozent. "Dieses Ergebnis lässt sich unter
anderem damit erklären, dass Fahrgäste manchmal versuchen,
buchstäblich in letzter Sekunde in die Straßenbahn zu gelangen. Es
liegt auf der Hand, dass es in so einer Situation schneller zu einem
Sturz kommt, als beim Aussteigen", weiß Robatsch.
Betrachtet man die Verletzungsursachen, so zeigt sich, dass die
meisten Verletzungen (51%) aufgrund von Eigenverschulden des
Fahrgastes passieren. 27 Prozent der Verletzungen entstehen aufgrund
von Einklemmen, fünf Prozent aufgrund eines Türstoßes und drei
Prozent aufgrund von Mitschleifen.

Unfälle nach Fahrzeugtyp

Im Rahmen der KfV-Studie wurden ebenfalls die Unfälle je nach
Fahrzeugtyp der Straßenbahnen analysiert. Bei dieser Analyse wurde
deutlich, dass die modernen Straßenbahnen ohne Stufe (ULF) bzw. mit
ausfahrbarer Zusatztrittstufe (E2) am wenigsten Unfälle zu
verzeichnen haben (ULF: 14 Unfälle pro 100 Züge pro Jahr, E2: 10
Unfälle pro 100 Züge pro Jahr). Die meisten Fälle ereigneten sich
beim Fahrzeugtyp E1 (21 Unfälle pro 100 Züge pro Jahr). Gründe
hierfür sind sicherlich die fehlende Hilfsstufe - und damit die
Tritthöhe.

Wiener Linien setzen Maßnahmen für noch mehr Sicherheit

Auch wenn die KfV-Studie gezeigt hat, dass die Wahrscheinlichkeit für
einen Fahrgast sich beim Ein- oder Aussteigen in die bzw. aus den
Wiener Straßenbahnen zu verletzen sehr gering ist, werden das KfV und
die Wiener Linien umgehend konkrete Maßnahmen setzen, um die
aufgezeigten Unfälle in Zukunft zu vermeiden. Hierbei werden sich
beide Institutionen vor allem auf die Altersgruppe der über
65-Jährigen konzentrieren.

Rückfragehinweis:
Mag. Kerstin Pommereit
Kuratorium für Verkehrssicherheit
Marketing & Kommunikation
Tel.: 05 77 0 77-1906
E-Mail: kerstin.pommereit@kfv.at
www.kfv.at


Quelle: OTS
28.05.2008, 10:57#2
Ich hoffe doch, dass die E1 jetzt keine Trittstufen bekommen! 8o
28.05.2008, 11:19#3
Zitat
Original von benkda01
Ich hoffe doch, dass die E1 jetzt keine Trittstufen bekommen! 8o

Ähm, die E1 haben ja Trittstufen! Und genau das dürfte das Problem sein. Oder meinst du die Schwenkstufen wie beim E2? Halte ich für unwahrscheinlich.
28.05.2008, 11:29#4
Zitat
Original von schaffnerlos
Ähm, die E1 haben ja Trittstufen! Und genau das dürfte das Problem sein. Oder meinst du die Schwenkstufen wie beim E2? Halte ich für unwahrscheinlich.


Halte ich auch für unwahrscheinlich.
Ich frage mich ja welche Maßnahmen man da setzen möchte. Die meisten Unfälle der über 65-jährigen passieren wohl aufgrund des Alters und der damit verbundenen Krankheiten und Behinderungen.

Nun kann ich sagen, der E2 ist die sicherste Straßenbahntype der WL. :D :daumenhoch:

mfg ulf67
28.05.2008, 12:13#5
Zitat
Original von benkda01
Ich hoffe doch, dass die E1 jetzt keine Trittstufen bekommen! 8o


Auf wien.orf.at wird dies präzisiert:

Ersatz durch modernere Züge

Etwas anfälliger für Unfälle sind jene alten Straßenbahnen, die fürs Einsteigen keine Hilfsstufe haben - die so genannten E1-Fahrzeuge. Ein Teil dieser Garnituren wird in den nächsten Jahren ohnehin durch neue ULF-Züge ersetzt, so Wiener-Linien-Geschäftsführer Michael Lichtenegger.

Die restlichen werden an den Türen mit einem neuen, elektronischen Fühler-System ausgestattet: "Wir werden sicher Ende des Jahres die ersten umgebauten Fahrzeuge haben, innerhalb von eineinhalb Jahren ist dann die ganze Flotte umgebaut", kündigt Lichtenegger an.

Zudem will man sich mit Informations- und Sicherheitskampagnen an - vor allem ältere - Fahrgäste wenden.
28.05.2008, 12:17#6
Zitat
Original von schaffnerlos
27 Prozent der Verletzungen entstehen aufgrund
von Einklemmen, fünf Prozent aufgrund eines Türstoßes [...]

Blöde Frage: was soll ein Türstoß sein?

Zitat
Auch wenn die KfV-Studie gezeigt hat, dass die Wahrscheinlichkeit für
einen Fahrgast sich beim Ein- oder Aussteigen in die bzw. aus den
Wiener Straßenbahnen zu verletzen sehr gering ist, werden das KfV und
die Wiener Linien umgehend konkrete Maßnahmen setzen, um die
aufgezeigten Unfälle in Zukunft zu vermeiden. Hierbei werden sich
beide Institutionen vor allem auf die Altersgruppe der über
65-Jährigen konzentrieren.

Ich ahne schon, was da kommen wird: "Aufklärungsunterricht" in Pensionistenheimen und noch der eine oder andere Beitrag in Sendungen wie "Schöner leben"...

@ schaffnerlos: eventuell verfolgt man jetzt die Idee, die zu einem bereits umgebauten Prototyp-Zug führte, weiter...? (Die Nummern der betreffenden Fahrzeuge habe ich wieder einmal vergessen. *schäm*)

Beste Grüße
VT
28.05.2008, 13:06#7
Zitat
Original von VT 5081
Zitat
Original von schaffnerlos

@ schaffnerlos: eventuell verfolgt man jetzt die Idee, die zu einem bereits umgebauten Prototyp-Zug führte, weiter...? (Die Nummern der betreffenden Fahrzeuge habe ich wieder einmal vergessen. *schäm*)

Beste Grüße
VT

Du meinst den 4503 und 1201. Nein, ein schnöder senkrechter Lichtschranken wäre viel zu billig und zu rasch umsetzbar! Da muss kompliziertere Elektronik her, die wieder neue Störungsquellen beinhaltet und entsprechend kostet, sonst lohnt sich das nicht. Die E1/c3/c4- Türen sollen angeblich nicht (mehr) umgebaut werden, weil sich das nicht mehr auszahlt, da sie möglichst schnell wegkommen sollen.
28.05.2008, 13:23#8
Zitat
Original von VT 5081
Blöde Frage: was soll ein Türstoß sein?

Vermutlich ist das Umstoßen durch eine sich gerade schließende Türe gemeint. Denn nicht immer spricht der Lichtschranken sofort an. Wenn man wackelig auf den Beinen ist, kann das bereits zum Sturz führen.
28.05.2008, 13:40#9
Ich bin immer noch der Meinung, das viele Unfälle vermeidbar wären, wenn die Fahrgäste, egal ob alt oder jung, nicht zwanghaft noch einsteigen wollen, wenn die Türen sich schließen.
Ich sage jetzt einfach mal, das ich mit meinen 27 Jahren sehr gut zu Fuß bin, dennoch verkneife ich es mir, egal wie eilig ich es habe, nachzulaufen und noch irgendwie reinzuspringen oder irgendwas dazwischen zu schmeißen das ich evt. den Sensor erwische.

Vor einigen Jahren, wo noch mehr "alte" Fahrzeuge eingesetzt waren, bevor die ULF kamen, hab ich kaum was von solchen Unfällen gehört.
28.05.2008, 14:13#10
Aus der WL-Pressemeldung:

Zwtl: Umbau der Type E1

Um das geringfügig höhere Restrisiko, welches durch andere Maßnahmen nicht eingegrenzt werden kann, zu verringern und das Sicherheitsniveau der Type E1 auf das noch bessere Niveau der Typen ULF und E2 zu heben, haben die Wiener Linien entschieden, die pneumatischen (luftdruckbetätigten) Fühlerkanten an den Türen durch innovative, elektrische Fühlerkanten zu ersetzen.

Die erst seit jüngster Zeit von der Zulieferindustrie angebotenen elektrischen Fühlerkanten, mit denen die Wiener Linien die Fahrzeuge des Typs E1 ausrüsten werden, entsprechen den neuesten sicherheitstechnischen Erkenntnissen. Die Technik der elektrischen Fühlerkanten ist eine Lösung, welche von namhaften Schienenfahrzeugherstellern auch bei Neubaufahrzeugen angeboten wird.

Zwtl: Geschätzte Kosten und Zeitplan für den Umbau

Die Wiener Linien kalkulieren die Kosten für die Umrüstung aller im Einsatz stehender Typen der Baureihe E1 mit rund 400.000.- Euro (inkl. Material und Umbaulohnkosten). Bei dieser Auftragssumme ist zwingend eine Ausschreibung durch die Wiener Linien vorzunehmen, bevor der Auftrag vergeben werden kann.

Drei Monate nach Lieferung der neuen Türsicherungssysteme sind die ersten Züge umgebaut und können dann umfassend erprobt werden. Mit Ende dieses Jahres sollen die ersten umgebauten E1-Garnituren im Linieneinsatz unterwegs sein. Der Umbau aller E1-Garnituren soll dann ab Jahresende insgesamt ein- bis eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen.


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28.05.2008, 14:21#11
Wobei man an der Statistik hervorragend sieht, daß nicht der E1 unsicherer ist als die anderen Typen sondern die Leute einfach unfähig sind. Denn ansonsten wäre es nicht erklärbar wie mehr Leute an einem ULF scheitern als an einem E2. Zudem ist die statistische Gesamtheit so niedrig, daß wahrscheinlich die Varianz größer ist als die Differenz von E1 zu E2.
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von Linie 41 (28.05.2008, 14:21)
28.05.2008, 14:40#12
Zitat
Original von Webmaster Gerardo
Um das geringfügig höhere Restrisiko, welches durch andere Maßnahmen nicht eingegrenzt werden kann, zu verringern und das Sicherheitsniveau der Type E1 auf das noch bessere Niveau der Typen ULF und E2 zu heben,

Beim E2 dürfte der Sicherheitsgewinn sicher nur statistischer Natur sein, da ja auch dort die vom E1 bekannten Türfühlerkanten arbeiten...? (Da das "Klumpert" neueren Baudatums ist, werden die entsprechenden Türkomponenten aber auch etwas jünger und folglich eher nicht so "altersschwach" sein.) Zugegebenermaßen stellt eine einfahrende Schwenkstufe aber auch eine gewisse Hemmschwelle für zu spät zueilende Fahrgäste dar.

Zitat
haben die Wiener Linien entschieden, die pneumatischen (luftdruckbetätigten) Fühlerkanten an den Türen durch innovative, elektrische Fühlerkanten zu ersetzen.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich wissen möchte, wie das dann im Endeffekt ausschauen wird... :-/

Beste Grüße
VT
28.05.2008, 15:46#13
Könnte es sein, dass das das Ende der "alten" Türen (mit Halbfenster) bedeuten wird? 8o 8o 8o

Edit: Entsetzen verstärkt
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von benkda01 (28.05.2008, 15:46)
28.05.2008, 23:16#14
Zitat
Original von Webmaster Gerardo
Aus der WL-Pressemeldung:

Zwtl: Umbau der Type E1

[...]
Die Wiener Linien kalkulieren die Kosten für die Umrüstung aller im Einsatz stehender Typen der Baureihe E1 mit rund 400.000.- Euro (inkl. Material und Umbaulohnkosten).
[...]
Der Umbau aller E1-Garnituren soll dann ab Jahresende insgesamt ein- bis eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen.


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Interessant find ich ja, dass da immer nur die Rede von den E1 ist.
Was ist denn mit den Beiwagen? ?(
Die müssten doch auch umgerüstet werden. :lampe:
29.05.2008, 00:38#15
Zitat
Original von martin8721
Interessant find ich ja, dass da immer nur die Rede von den E1 ist.
Was ist denn mit den Beiwagen? ?(
Die müssten doch auch umgerüstet werden. :lampe:

Wenn die Lieferung der A1 und B1 abgeschlossen ist sind die Typen c3 und c4 wahrscheinlich sowieso Geschichte. Derzeit sind ~150 c3 und c4 vorhanden, ~125 A1/B1 kommen noch, also würden nur ca. 25 c4 übrig bleiben. Die werden dann sicher dadurch eingespart, dass auf einigen Linien die mit A(1) betrieben werden neben den A(1) nur noch solo Hochflur Triebwagen unterwegs sein werden.
29.05.2008, 01:54#16
Zitat
Original von Ezekiel
Zitat
Original von martin8721
Was ist denn mit den Beiwagen? ?(

Wenn die Lieferung der A1 und B1 abgeschlossen ist sind die Typen c3 und c4 wahrscheinlich sowieso Geschichte. Derzeit sind ~150 c3 und c4 vorhanden, ~125 A1/B1 kommen noch, also würden nur ca. 25 c4 übrig bleiben. Die werden dann sicher dadurch eingespart, dass auf einigen Linien die mit A(1) betrieben werden neben den A(1) nur noch solo Hochflur Triebwagen unterwegs sein werden.


Gut.
Nur von welchem Zeithorizont sprichst du? :D
Soweit ich das herauslese, sollen die E1 bereits bis Ende 2009 umgebaut werden.
Bis 125 A1 geliefert sind, werden noch viele Jahre vergehen.
Und von B1 möcht ich gar nicht anfangen zu reden. Die sind ferne Zukunftsmusik... :rolleyes:
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von martin8721 (29.05.2008, 01:56)
29.05.2008, 08:15#17
Straßenbahnen: Erste Maßnahmen gegen Einklemmen
Nach Unfallserie reagieren die Wiener Linien – Ältester Wagentyp wird nachgerüstet

Wien – Die Wiener Linien ziehen Konsequenzen aus der Unfallserie der vergangenen sechs Monate in Straßenbahnen, bei denen Fahrgäste mitgeschleift oder in den Türen eingeklemmt wurden. Wiener-Linien-Chef Günter Steinbauer sagte am Mittwoch, dass in den kommenden Jahren die Türen der alten Garnituren E1 umgerüstet werden sollen. Die pneumatischen (luftdruckbetätigten) Fühlerkanten an den Türen sollen durch elektrische ersetzt werden. Diese würden sensibler reagieren, sagt Steinbauer. Bis dato hieß es von Seiten der Wiener Linien immer, dass Einklemmen nicht möglich sei.

299 Vorfälle
Grund für das Umdenken ist eine Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Untersucht wurden Unfälle beim Ein- und Aussteigen in die Straßenbahn, die sich in den vergangenen zwei Jahren ereignet haben. Insgesamt gab es 299 Vorfälle.

Straßenbahntypen in Wien
Drei Straßenbahntypen fahren in Wien, E1, E2 und Ulf. Die E1-Wagen – seit Ende der 60er-Jahre im Einsatz – haben kein zusätzliches Trittbrett bei den Türen. Die ausfahrbare Stufe mit Betretungssensor haben die Modelle E2. Die Niederflur-Garnitur Ulf ist am sichersten, ergab die KfV-Studie. Die meisten Unfälle, nämlich 63 Prozent, passierten in E1-Bahnen, sagt Klaus Robatsch vom KfV.

Unfälle in letzter Minute
Mehr als zwei Drittel der Unfälle, 69 Prozent, ereigneten sich beim Einsteigen, "weil die Menschen versuchen, in letzter Minute in die Straßenbahn zu gelangen. Bei so einer Situation kommt es leichter zu einem Sturz als beim Aussteigen", sagt Robatsch. Die Hälfte der Verletzungen sind laut Untersuchung von den Fahrgästen selbst verschuldet.

In 27 Prozent der Fälle wurden die Öffi-Benützer eingeklemmt, in drei Prozent mitgeschleift. Betroffen waren vor allem Personen über 65 Jahre (65 Prozent). In dieser Altersgruppe gab es 148 Unfälle, in 120 Fällen waren Frauen betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man beim Ein- und Aussteigen verunfallt, sei aber gering. "Dazu müsste man 13.700 Jahre lang jeden Tag Straßenbahn fahren", sagt Robatsch.

Informationskampagne für Senioren
Die Wiener Linien planen neben dem Umrüsten von 190 E1-Zügen, für die 400.000 Euro vorgesehen sind, eine Informationskampagne für Senioren. Bis 2014 werden die E1 aber fast aus dem Straßenbild verschwunden sein, weil sie von Ulfs ersetzt werden.

Die Grünen und die VP forderten, dass die Straßenbahnen mit Außenspiegeln versehen werden. Das erhöhe die Sicherheit nicht, sagt Michael Lichtenegger von den Wiener Linien. Wolfgang Gerstl von der VP kritisiert, dass die Maßnahen "reichlich spät" kämen. Er freut sich dennoch über die Studie: "Die Politik des Verschleierns und Verdrängens der Wiener Linien hat ein Ende."
(Marijana Miljkoviæ/ DER STANDARD Printausgabe 29.5.2008)
29.05.2008, 09:33#18
Zitat
Vor einigen Jahren, wo noch mehr "alte" Fahrzeuge eingesetzt waren, bevor die ULF kamen, hab ich kaum was von solchen Unfällen gehört.

Oba sicha net ;)
Mein Vater hat mir in meiner frühen Volksschulzeit beigebracht, wie er bei den E am 9er einen Schirm zwischen die schließenden Türen steckt um die Fühlerkanten ansprechen zu lassen...

Außerdem, bitte ehrlich sein: ist wirklich jeder hier immer so rechtzeitig dran und vertraut so sehr auf die Zuverlässigkeit der Wiener Linien, daß er/sie es sich leisten kann auf den nächsten Zug zu warten, besonders wenn man irgendwo einen Anschluß erwischen muß?

Ich denke die meisten Menschen haben ihren täglichen Schul- oder Arbeitsweg eher so eingespielt, daß es sich normalerweise genau ausgeht... und da kommt man dann schon manchmal in eine Paniksituation wo man lieber noch rasch zwischen die schließenden Türen springt statt auf den nächsten Zug zu warten und dabei möglicherweise den nur alle halbe Stunden fahrenden Anschluß zu verpassen. Ich springe auf der U6 auch manchmal zwischen "zug fährt ab" und dem tatsächlichen Schließen der Türen noch rein wenn ich weiß mit dem nächsten Zug kann ich meinen Regionalzug in Meidling vergessen...
29.05.2008, 11:22#19
Naja, ich bin ein Mensch der die Zeit gut einplant und eben auch verspätungen, Staus usw mit einbezieht. Lieber bissi früher drann, als zu spät. Ich habe auch nie Probleme mit Anschlusszügen gehabt usw, ging sich immer aus. Ich fahr seit ich denken kann nur mit den Öffis unterwegs, evt bin ich da auch anders geprägt, aber auch wenn ich zu Spät drann bin, renn ich da nicht rein oder so, ist mir zu blöd :)
29.05.2008, 12:03#20
Zitat
Original von WeSt
Mein Vater hat mir in meiner frühen Volksschulzeit beigebracht, wie er bei den E am 9er einen Schirm zwischen die schließenden Türen steckt um die Fühlerkanten ansprechen zu lassen...

Bei defekter Fühlerkante ist der Unfall dann jedoch vorprogrammiert: Tür ist zu, Schirm bleibt stecken, Panik kommt auf, Schirmgestänge verhakt sich hinter der Tür, noch mehr Panik, Schirm wird in der Panik nicht losgelassen, Zug fährt an, Panik hoch drei, stolper, platsch. :lampe:

E: Tippex
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von 95B (29.05.2008, 12:03)