Straßenbahnlinie 67 - Gestatten, 67er...

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15.08.2009, 22:09#1
Diese Selbstdarstellung widme ich der fpdwl-Familie sowie all meinen Fahrgästen als kleines Dankeschön für ihre jahrzehntelange Treue. Gleichzeitig möchte ich mich gerne allen Interessierten, die mich noch nicht oder nur flüchtig bzw. vom Hörensagen kennen, vorstellen und sie einladen, mit mir in Favoriten unterwegs zu sein.

Bereits 1907 verkehrte mein Namenspatron zwischen Kärntner Ring und der Schleiergasse, 1908 wurde er bis zur Lehmgasse (Seitengasse der Favoritenstraße in Höhe Altes Landgut) verlängert. Im September 1972 wurde diese Straßenbahnlinie eingestellt und durch meinen Vater - den 167er - ersetzt. Er ist seit 1914 zwischen der Lehmgasse und Rothneusiedl unterwegs gewesen und wurde 1937 (bis 1966 lediglich in der Hauptverkehrszeit) bis zum Kärntner Ring, im Dezember 1972 zur Per-Albin-Hansson-Siedlung-Ost und im Februar 1974 zum Kurzentrum Oberlaa verlängert.

Meine Mutter - die Straßenbahnlinie 66 - nahm im April 1907 den Betrieb zwischen Kärntner Ring und Laxenburger Straße, Troststraße auf. Im September 1954 wurde sie bis zur Raxstraße, Rudolfshügelgasse / Migerkastraße verlängert. In dieser Schleife befindet sich heute noch die Endstation des O-Wagens.

Mit Betriebsaufnahme der U1 am 25. Februar 1978 wurde das öffentliche Verkehrsnetz im 10. Bezirk wesentlich verändert. Meine Eltern z.B. wurden in den Ruhestand verabschiedet, ich habe das Licht der Welt erblickt, zum 1. Mal „bim, bim“ gemacht und zumindest in Favoriten die Aufgabe meiner Ahnen übernommen, indem ich vom Kurzentrum Oberlaa über Fontanastraße, Favoritenstraße, Reumannplatz, Quellenstraße, Laxenburger Straße, Troststraße und Neilreichgasse zur Raxstraße gefahren bin. Am 15. November 1980 durfte ich erstmals bis Wienerfeld West (Frödenplatz) fahren, und seit 16. Dezember 1989 bin ich bis zum Otto-Probst-Platz unterwegs.

Nach meinem Lebenslauf ein Blick auf meine Geburtsurkunde, die gleichzeitig mein Taufschein ist:

Foto Nr. 17210
Bild 1: Informationsblatt der Wiener Verkehrsbetriebe – Inbetriebnahme Linie 67

Foto Nr. 17211
Bild 2: Haltestellentafel Kurzentrum Oberlaa

Unmittelbar neben der Schleife mit meiner zweigleisigen Anfangs- bzw. Endstation Kurzentrum Oberlaa befinden sich u.a. eine Konditorei, das Thermalbad, der Südeingang des Kurparks (ehemaliges Gelände der „Wiener Internationalen Gartenschau 1974“ = WIG 74), die Apotheke (neuerdings auch Post-Partner!) und das Kurmittelhaus.

Die in den 1930er Jahren entdeckte 54° C heiße Schwefelquelle wird seit 1969 für den Heilbetrieb genutzt, der Ausbau zum Kurzentrum erfolgte 1974. Ende 2010 soll sich dieser Bereich als vollkommen neu gestaltetes Therapie-, Erholungs-, Freizeit- und Wellness- Areal präsentieren.

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Bild 3: Endstation Kurzentrum Oberlaa - Und ich präsentiere: Das neue Logo der Wiener Linien (Über Geschmack und Notwendigkeit lässt sich streiten...)

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Bild 4: Endstation Kurzentrum Oberlaa - Abfahrt Richtung Otto-Probst-Platz in 3 Minuten!

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Bild 5: Routenzettel Linie 67 im Wageninneren zur Orientierung und Fahrgastinformation

Da es sich bei der Verbindung zwischen Oberlaa und Rothneusiedl um eine Schnellstraßenbahnstrecke handelt, darf ich hier mit bis zu 60 km/h unterwegs sein. Allerdings muß ich mich schon wieder einbremsen, da wir nach weniger als nur 400m Fahrt bereits die Station Laaer-Berg-Straße erreichen.

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Bild 6: Station Laaer-Berg-Straße - Fahrtrichtung Otto-Probst-Platz

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Bild 7: Station Laaer-Berg-Straße - Fahrtrichtung Kurzentrum Oberlaa

„Der 10. Hieb“ ist der bevölkerungsreichste Bezirk Wiens und beheimatet mit ca. 175.000 Einwohnern rund 10 % der Wiener Gesamtbevölkerung (Stand: Jänner 2009). Die wohl erwähnenswerteste Wohnsiedlung Favoritens - zugleich auch das erste große Bauprojekt der Stadt Wien nach dem Zweiten Weltkrieg - ist die Per-Albin-Hansson-Siedlung. In über 30jähriger Bauzeit wurde sie in mehreren Etappen (West 1947-1955, Nord 1964-1971 und Ost sowie Hanssonzentrum 1966-1977) errichtet.

Benannt ist sie nach dem schwedischen Ministerpräsidenten Per Albin Hansson (1885-1946), der unmittelbar nach Kriegsende gemeinsam mit seinem Regierungsteam den Bau dieser Anlage durch großzügige Hilfsaktionen ermöglicht hat. Bedauerlicherweise zeige ich in den ULF-Garnituren seinen Namen falsch an, der Kundendienst der Wiener Linien hat jedoch die Richtigstellung bereits zugesagt.

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Bild 8: In einem ULF - knapp vor der Station Per-Albin-Hansson-Siedlung-Ost

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Bild 9: Station Per-Albin-Hansson-Siedlung-Ost - Fahrtrichtung Otto-Probst-Platz

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Bild 10: Hanssonschleife (nur aus Richtung Otto-Probst-Platz befahrbar)

Foto Nr. 17220
Bild 11: Station Per-Albin-Hansson-Siedlung-Ost - Fahrtrichtung Kurzentrum Oberlaa

Blicke ich der Zukunft entgegen, werde ich ziemlich traurig, da ich wegen der U1-Verlängerung vom Reumannplatz nach Rothneusiedl - so wie es derzeit aussieht - im Jahr 2015 eventuell kürzer treten muß. Auf der einen Seite wird mich die U-Bahn ablösen, auf der anderen Seite werde ich zwischen Oberlaa und Rothneusiedl wahrscheinlich durch einen Autobus ersetzt!

Doch zurück in die Gegenwart. Noch darf ich ja in diesem Abschnitt meiner mir zugedachten Aufgabe nachgehen und für meine Fahrgäste da sein, noch darf ich mich ja auch dem Geschwindigkeitsrausch mitten im Grünen hingeben: Dank meines eigenen Gleiskörpers lege ich die knapp 700 m lange Strecke zwischen der Per-Albin-Hansson-Siedlung-Ost und Rothneusiedl in ungefähr einer Minute zurück.

Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von 67er (15.08.2009, 22:27)
15.08.2009, 22:19#2
Straßenbahnlinie 67 - Gestatten, 67er...
16.08.2009, 00:59#3
Tolle Reportage! :daumenhoch:
Jetzt weiß ich mehr über die Linie die (wie ich ein kleines Kind war) bei mir in der Nähe gefahren ist.

Edit: Satz ausgebessert
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von The best is the 21er (16.08.2009, 01:31)
16.08.2009, 01:28#4
Einige schöne Bilder dabei!

Zitat
Original von The best is the 21er
Jetzt weiß ich mehr über die Linie wo ich als kleiner Junge gewohnt habe.

Du musstest (nein, du durftest) als kleines Kind in einer Straßenbahn wohnen?
16.08.2009, 05:29#5
Zitat
Original von 13er
Einige schöne Bilder dabei!

Zitat
Original von The best is the 21er
Jetzt weiß ich mehr über die Linie wo ich als kleiner Junge gewohnt habe.

Du musstest (nein, du durftest) als kleines Kind in einer Straßenbahn wohnen?


Die Jahreskarte machts möglich :)

Schöne Reportage :)
16.08.2009, 07:10#6
Zitat
Original von 69er
Die Jahreskarte machts möglich :)

Ja, nur dummerweise schmeißen's einen genau in der kältesten Zeit raus. :D
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von Linie 41 (16.08.2009, 07:10)
16.08.2009, 08:08#7
Sehr schöne Reportage!

mfg
Aquarius
16.08.2009, 11:45#8
Eine sehr liebevoll gestaltete Reportage! :daumenhoch: =)
16.08.2009, 16:13#9
Zitat
Original von 13er
Einige schöne Bilder dabei!

Zitat
Original von The best is the 21er
Jetzt weiß ich mehr über die Linie wo ich als kleiner Junge gewohnt habe.

Du musstest (nein, du durftest) als kleines Kind in einer Straßenbahn wohnen?

Nein, in einer Linie! ;)
16.08.2009, 18:49#10
Eine sehr gelungene Reportage - besonders begrüßenswert die "Hintergrundinformation" über historische und geografische Besonderheiten an der Strecke. :daumenhoch:
16.08.2009, 19:01#11
Eine tolle Reportage, besonders gefällt mir dass die ganze Strecke dokumentiert wurde :daumenhoch:
16.08.2009, 21:59#12
Danke für die tolle Reportage. :daumenhoch:
Sehr schöne Bilder und ausgezeichnete Informationen über die Strecke. =)
16.08.2009, 22:17#13
@ 67er: Ich möchte mich meinen Vorrednern anschließen und danke Dir für Deine Mühe um das Erstellen einer ausgezeichneten, interessanten und auf jeden Fall äußerst sehens- sowie lesenswerten Reportage! =)

Ich finde es toll, dass einer der am meisten frequentierten Straßenbahnlinien eine "Nachlese" mit so viel Hintergrundinformation "gewidmet" wurde - ohne Deinen ausführlichen Bericht hätte ich mir nie so viele Gedanken über die Strecke der heutigen Linie 67 sowie deren Umgebung gemacht bzw. machen können!
22.08.2009, 20:49#14
Danke für die erfreulichen Reaktionen und die lobenden Worte. Freut mich, wenn Euch die Dokumentation trotz einiger nicht unbedingt straßenbahnspezifischer Exkurse gefällt. Und ich muß gestehen: Auch mir hat das Erstellen der Reportage große Freude bereitet.
22.08.2009, 21:40#15
RE: Straßenbahnlinie 67 - Gestatten, 67er...
Hallo!
Ich lese hier schon sehr lange mit, verfasse aber selten Beiträge. Bei dieser wunderbaren Reportage muss ich dir aber meinen Respekt aussprechen! Echt schön!
23.08.2009, 00:29#16
Zitat
Original von 67er
Danke für die erfreulichen Reaktionen und die lobenden Worte. Freut mich, wenn Euch die Dokumentation trotz einiger nicht unbedingt straßenbahnspezifischer Exkurse gefällt. Und ich muß gestehen: Auch mir hat das Erstellen der Reportage große Freude bereitet.


Und wahrscheinlich auch große Arbeit.
15.09.2009, 23:01#17
Zitat
Original von 67er
... mir hat das Erstellen der Reportage große Freude bereitet.

Das merkt man! Danke für die schönen Bilder und die viele Arbeit!
08.10.2009, 21:59#18
Betrifft Stationsanzeige Per-Albin-Hansson-Siedlung-Ost
Anmerkung zu Bild 8 und der Textpassage, wonach der Stationsname "Per-Albin-Hansson-Siedlung-Ost" in den ULF-Garnituren falsch angezeigt wird: Leider bin ich seit 30. August erst gestern wieder mit einem ULF in diesen Streckenabschnitt gekommen. Jedenfalls konnte ich feststellen, dass die vom Kundendienst der Wiener Linien zugesagte Richtigstellung bereits durchgeführt worden ist.
17.10.2009, 20:26#19
Gestern habe ich die Nachricht eines fpdwl-Besuchers erhalten. Da diese Botschaft nicht nur seine persönlichen Erinnerungen, sondern auch einige weitere Anschauungen und Informationen beinhaltet und er nach erfolgter E-Mail-Rückfrage damit einverstanden ist, daß ich seine Ausführungen nicht für mich behalte, veröffentliche ich nun sein an mich gerichtetes Schreiben:


Sehr geehrter 67er,

ich habe Ihren Foren-Beitrag über ihren Namensvetter heute zufällig im Internet gelesen und möchte einige Dinge über die Vergangenheit des 67er und 167er, eigentlich müsste es umgekehrt heißen, Vater 67er und Sohn 167er, vermitteln.

„Sohn“ 167er:
Die Linie wurde 1914 auf Grund einer kriegswichtigen Munitionsfabrik in Oberlaa geschaffen. Für den Transport von Mensch und Material wurde die Linie einspurig, mit einer Ausweiche in der Höhe Alaudagasse und bei der Verbindungsbahn, die Endstelle Oberlaa – Rothneusiedel, (Stockgleis) errichtet. Die Verbindungsbahn wurde nicht überquert.
Ich bin mit meinen Eltern im März 1952 in der alten Hansson Siedlung eingezogen und hatte das „Vergnügen“ das letzte Halbjahr meines Schulbesuches, im 7.Gemeindebezirkes, in der Straßenbahn zu verbringen.
Die Fahrt endete an der 2. Endstelle, - Lehmgasse (Stockgleis), man musste dann Umsteigen in „Vater“ 67er. Es fuhren in der HVZ 4 Triebwagen, ansonsten nur Zwei. KEINE Beiwagen. Mitte der 50er Jahre wurde auf Triebwagen mit Beiwagen umgestellt. An beiden Endstellen wurde jetzt umgekuppelt. Erst Ende der 50er Jahre wurde die Linie zweigleisig ausgebaut und an der Endstelle Oberlaa-Rothneusiedel eine Schleife errichtet. In der HVZ fuhr jetzt der 167er von Kärntnerring bis nach Oberlaa. als „Ganzzüge“. (Triebwagen mit zwei Beiwagen). Ende der 60er Jahre wurde der Ganztägige Verkehr aufgenommen.
Angeblich sollte es in der Zeit Mai 1937 bis Jänner 1945 eine Direktverbindung Oper/Kärntnerring ’Rothneusiedl/Oberlaa gegeben haben. (lt. Fink/Tramway in Favoriten, Marincig/Auf Schiene durch Wien)

„Vater“ 67er
Um 1900 wurde Favoriten elektrifiziert. Ein Wendegleis in Höhe Inzersdorferstrasse war die Endstelle. Einige Jahre später wurde die Endstelle in die Schleiergasse verlegt. 1908 wurde die Endstelle bei der Lehmgasse errichtet. Die Schleife Lehmgasse – Katharinengasse wurde Mitte der Zwazigerjahre erst gebaut. Ecke Katharinengasse/Favoritenstrasse befand sich der Expedit. Währe heute im Verteilerkreis.
Während des 1. Weltkrieges wurde ein Notlazarett in den Schleiergründen errichtet und der Transport der Verwundeten vom Süd-Ostbahnhof wurde mittels Tramway durchgeführt. (Schleppgleis)

Als Triebwagen fuhren die Typen: G², G³, K, L, M,
17.10.2009, 21:04#20
Das merkwürdige Symbol auf Bild 40- ist das ein Anzeigefehler oder soll dieses abstrakte Gebilde etwa ein Rollstuhlsymbol sein??? 8o