"Zur Endstation fahr' i heut net!" [gelöst]

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02.01.2010, 13:11#1
"[...] Die einzige Verbindung mit der Großstadt war damals der Stellwagen, der beim Gemeindegasthaus in der Hietzinger Hauptstraße (1) , Ecke Glasauergasse (2) , wo der neue Schultrakt angebaut wurde, seinen Standplatz hatte. Die Fahrt mit diesem Stellwagen war sehr teuer und dauerte bis zum Mehlmarkt (3) , heute Neuer Markt (4) , eineinhalb Stunden und oft noch länger. Der Wagen verkehrte nur, wenn mehrere Leute beisammen waren. Die erste Station wurde beim Rudolfsheimer Markt, Schwender-Gasthaus (5) gemacht. Wer wollte, konnte aussteigen. Dem Kutscher wurde ein Getränk bezahlt, die Pferden wurden Futtersackerln gegeben. Genauso war es dann auch bei der Rückfahrt, schön gemütlich und ohne Kontrolle. Ja, es war oft so, daß der Kutscher, Herr Fasching oder der Hauer Sepperl, abends um acht Uhr sagte: "Wegen zwei oder drei Personen fahr' i heut nimmer nach Ober St. Veit (6) " und ist dann gleich in die Remise des Besitzers Fuhrmann in die St.-Veit-Gasse (7) gefahren."

Dieser Ausschnitt entstammt einer Mitte der fünfziger Jahre verfaßten Chronik eines Wiener Bezirksteils.

----> Füllt die Lücken!

E: Diverse Änderungen
Dieser Beitrag wurde 7-mal editiert, zuletzt von bernhard222 (12.01.2010, 14:28)
04.01.2010, 07:48#2
RE: "Zur Endstation fahr' i heut net!"
Ich versuch einmal einen Anfang:
4 = Schwedenplatz , daraus ergibt sich möglicherweise
3 = Elisabethpromenade
04.01.2010, 13:58#3
RE: "Zur Endstation fahr' i heut net!"
Zitat
Original von Ottakring
Ich versuch einmal einen Anfang:
4 = Schwedenplatz , daraus ergibt sich möglicherweise
3 = Elisabethpromenade


Leider nicht richtig, Achtung auch auf den Artikel bei (3): "zum" ;)
Mehr als einen Kilometer ist der gesuchte Ort allerdings nicht vom Schwedenplatz entfernt 8-)
04.01.2010, 14:28#4
RE: "Zur Endstation fahr' i heut net!"
Zitat
Original von bernhard222
Zitat
Original von Ottakring
Ich versuch einmal einen Anfang:
4 = Schwedenplatz , daraus ergibt sich möglicherweise
3 = Elisabethpromenade


Leider nicht richtig, Achtung auch auf den Artikel bei (3): "zum" ;)
Mehr als einen Kilometer ist der gesuchte Ort allerdings nicht vom Schwedenplatz entfernt 8-)


"zum" bezieht sich auf ein (ehem.) Stadttor?
wenn die Endstation heute anders heißt, ist es nicht das Schottentor oder das Stubentor.
Viel bleibt nicht mehr übrig, was weniger als einen Kilometer vom Schwedenplatz entfernt ist: Neutor (heute Börseplatz), Werdertor (Rudolfsplatz) , Salztor (Salzgrieß).
Wie hieß denn das Tor beim Schwarzenbergplatz? Burgtor und Kärntner Tor sind sicher schon > 1km vom Schwedenplatz entfernt.
04.01.2010, 14:42#5
RE: "Zur Endstation fahr' i heut net!"
Entschuldigt das Doppelposting, und das Off-Topic!
Aber die Geschichte erinnert mich an meine Fahrt mit der Marshrutka von Yerevan nach Tbilisi. Planmäßige Abfahrt ist 7:00, aber real erst, wenn die Kiste voll ist. Also es kann passieren, dass man gar nicht fährt, oder die Passagiere legen zusammen und bezahlen den Fahrpreis der freigebliebenen Sitze.
Die Fahrt ermöglicht ein paar Nahtoderlebnisse, weil man mit 90 km/h über kurvige, enge Straßen brettert. Unterwegs bleibt man bei einem "Gasthaus" stehen, und der Fahrer genehmigt sich ein köstliches Kebab. Die Grenze stellt dann kein großes Problem mehr da.Nach 7 Stunden hat man dann die 250 km endlich geschafft.

Ab sofort poste ich nur mehr zum Thema
04.01.2010, 19:04#6
Das "zum" hab ich m.o.w.ignoriert - in der Annahme, daß der Schwedenplatz damals auch anders geheißen hat. Die Bezeichnung "Elisabethpromenade" habe ich einem Buch aus 1908 entnommen, das meine Oma als Schulkind zum 60-Jahr-Jubiläum des Kaisers erhalten hatte.
Na dann versuch ich es mit dem Julius Raab-Platz (früher Aspernplatz, ob er zu Kaisers Zeiten noch anders hieß, entzieht sich meiner Kenntnis.
Zur Eingrenzung des Abfahrtsortes: Liegt der in einem Bezirk mit einem Zweier an erster Stelle?
04.01.2010, 19:26#7
Zitat
Original von Ottakring
Das "zum" hab ich m.o.w.ignoriert - in der Annahme, daß der Schwedenplatz damals auch anders geheißen hat.

Das ist eine gute Annahme. Der Schwedenplatz und die Schwedenbrücke hieß in der Monarchie Ferdinandsplatz resp. Ferdinandsbrücke und wurde erst aufgrund der Hilfe Schwedens nach dem 1. WK umbenannt.
04.01.2010, 21:12#8
RE: "Zur Endstation fahr' i heut net!"
Zitat
Original von moszkva tér
Unterwegs bleibt man bei einem "Gasthaus" stehen, und der Fahrer genehmigt sich ein köstliches Kebab.

13er, seit wann bist du Taxifahrer in Georgien? :D :D :D
04.01.2010, 22:10#9
RE: "Zur Endstation fahr' i heut net!"
Zitat
Original von 95B
Zitat
Original von moszkva tér
Unterwegs bleibt man bei einem "Gasthaus" stehen, und der Fahrer genehmigt sich ein köstliches Kebab.

13er, seit wann bist du Taxifahrer in Georgien? :D :D :D

Darauf hab ich jetzt nur gewartet :D :D :D
05.01.2010, 01:03#10
RE: "Zur Endstation fahr' i heut net!"
Zitat
Original von moszkva tér
"zum" bezieht sich auf ein (ehem.) Stadttor? [...] Weder Anfangs- noch Endpunkt liegen bei einem Tor der Stadtmauer. :daumenrunter:
Wie hieß denn das Tor beim Schwarzenbergplatz? Da gabs kein Tor! Erst 1810 wurde in unmittelbarer Nähe, an der heutigen Kreuzung Weihburggasse/Hegelgasse, das "Karolinentor" (benannt nach Kaiser Franz I. vierter Gattin) als Fußgängerdurchgang errichtet, um das "Wasserglacis" leichter erreichen zu können. Die nächsten Tore (die auch vom Verkehr passiert werden konnten) waren zuvor Stubentor und Neues bzw. Altes Kärntnertor.


Zitat
Original von ottakring
Na dann versuch ich es mit dem Julius Raab-Platz (früher Aspernplatz, ob er zu Kaisers Zeiten noch anders hieß, entzieht sich meiner Kenntnis.) Der Julius-Raab-Platz hieß ab 1903 Aspernplatz. Allerdings spielt auch er hier keine Rolle. :daumenrunter:
Zur Eingrenzung des Abfahrtsortes: Liegt der in einem Bezirk mit einem Zweier an erster Stelle? Nein, der Abfahrtsort liegt in einem anderen Bezirk :daumenrunter:


Zitat
Original von moszkva tér
Entschuldigt das Doppelposting, und das Off-Topic! [...]

Solches Off-Topic ist in keinster Weise störend, sondern sehr bereichernd! Danke für den interessanten Erlebnisbericht! So etwas würde ich auch gerne einmal erleben.
05.01.2010, 08:15#11
RE: "Zur Endstation fahr' i heut net!"
Also, ich probiere es noch einmal:
Nachdem es kein Stadttor ist, ist es ein Teil des Ringes (zum ...ring), obwohl, als die Ringstraße fertig war, gab es kaum noch Stellwagen, sondern schon die Dampftramway.
Edit: Fragezeichen vergessen - das soll eine Frage sein? :)

Gibt es das erwähnte Gasthaus noch, wo man dem Fahrer ein Getränk zahlte? Wenn ja, unter dem selben Namen?
Der Besitzer Fuhrmann - soweit ich weiß, ist die Fuhrmanngasse im 8. Bezirk nach einem Fuhrmann benannt, der auch einen Kutschenbetrieb hatte. Ist derselbe Fuhrmann gemeint?

Ich tippe, vom Erzählungsstil her, eher auf die Westbezirke (Gasthaus usw. klingt sehr nach Wein / Heurigen), d.h. - Schuss ins Blaue in Verbindung mit der Fuhrmanngasse - war die stadtauswärtige Endstation im 16. od. 17. Bezirk?
Edit: Ich meine natürlich ... im heutigen 16. od. 17. Bezirk

zu meinem Off-Topic: Ich wollte eh einen Erlebnisbericht über ÖV am Kaukasus schreiben, wenn ich etwas mehr Zeit habe, mache ich das auch. Wollte nur ausloten, ob es in diesem Forum überhaupt Interesse gibt... Ich hab auch einige Fotos dazu.
Dieser Beitrag wurde 2-mal editiert, zuletzt von moszkva tér (05.01.2010, 08:18)
05.01.2010, 10:16#12
RE: "Zur Endstation fahr' i heut net!"
Zitat
Original von moszkva tér
Nachdem es kein Stadttor ist, ist es ein Teil des Ringes (zum ...ring), obwohl, als die Ringstraße fertig war, gab es kaum noch Stellwagen, sondern schon die Dampftramway. Die Ringstraße spielt hier auch keine Rolle. :daumenrunter: In der Zeit, die der Chronist hier vorstellt, gab es sie sicherlich noch nicht. Aber auch, als die Ringstraße 1865 eröffnet wurde, sollte es noch fast 20 Jahre bis zur Eröffnung der ersten Dampftramwaystrecke dauern (1883). Den Ring erreichte die Dampftramway überhaupt erst 1886. Lückenfüller war daher vorerst auf einigen Strecken die Pferdetramway, auf vielen jedoch noch immer der traditionelle Stellwagen.[/b]

Gibt es das erwähnte Gasthaus noch, wo man dem Fahrer ein Getränk zahlte? Wenn ja, unter dem selben Namen? Mit ziemlicher Sicherheit nicht. :daumenrunter: Da die Ortsangabe recht allgemein gehalten ist, kann ich es nicht hundertprozentig bestätigen. In der Gegend gibt es allerdings nicht mehr sehr viele Wiener Gasthäuser. Mir fällt eigentlich nur ein einziges Traditionsgasthaus in der Nähe ein. Das besteht allerdings erst seit 1896, hat daher für unsere Geschichte keine Relevanz.[/b]

Der Besitzer Fuhrmann - soweit ich weiß, ist die Fuhrmanngasse im 8. Bezirk nach einem Fuhrmann benannt, der auch einen Kutschenbetrieb hatte. Ist derselbe Fuhrmann gemeint? Sehr guter Tip - aber nicht korrekt. :daumenrunter: Ich gestehe, daß Punkt 7 der schwierigste Punkt des Rätsels ist, da weder in der Gasse selbst noch in der näheren Umgebung Anhaltspunkte für einen ehemaligen Kutschenbetrieb zu finden sind. Auch der Name 'Fuhrmann' taucht nirgendwo auf. [/b]

Ich tippe, vom Erzählungsstil her, eher auf die Westbezirke :daumenhoch: (Gasthaus usw. klingt sehr nach Wein / Heurigen), d.h. - Schuss ins Blaue in Verbindung mit der Fuhrmanngasse - war die stadtauswärtige Endstation im 16. od. 17. Bezirk? :daumenrunter:


Zitat
Original von moszkva tér
zu meinem Off-Topic: Ich wollte eh einen Erlebnisbericht über ÖV am Kaukasus schreiben, wenn ich etwas mehr Zeit habe, mache ich das auch. Wollte nur ausloten, ob es in diesem Forum überhaupt Interesse gibt... Ich hab auch einige Fotos dazu.

Interesse besteht jedenfalls! Ich freue mich schon auf Deine Erzählungen! :]
05.01.2010, 14:56#13
Könnte der "neue Schultrakt" jener der Schule in der Währinger Straße (kurz unterhalb der Simonygasse - die, die man von der S45 aus sieht) sein?
05.01.2010, 20:38#14
Zitat
Original von Ottakring
Könnte der "neue Schultrakt" jener der Schule in der Währinger Straße (kurz unterhalb der Simonygasse - die, die man von der S45 aus sieht) sein? :daumenrunter: Der "neue Schultrakt" ist nach eingehender Prüfung auch für mich verwirrend, da die 1873 errichtete Schule nur einmal, im Jahr 1904 (und 1993, aber das ist wohl belanglos) einen Zubau erhielt. In den Fünfziger Jahren war dort gar kein Platz, um groß Ausbauten zu tätigen. Möglicherweise meint der Chronist Umgestaltungen, ich weiß es nicht. Bitte das in die Betrachtung einzubeziehen.
05.01.2010, 21:08#15
Die Hans-Radl-Schule wurde Ende der 50er komplett neu aus dem Boden gestampft, vorher befand sich dort keine Schule, sondern das wunderschöne Czartoryskischlössl.
09.01.2010, 01:01#16
Hat keiner mehr Lust zu raten? ;(
09.01.2010, 07:24#17
Also, ich probiers noch einmal mit dem Endpunkt der Fahrt.

Die Fahrt dauerte bis zum Linienwall, heute Gürtel, eineinhalb Stunden.

Da ja die Vororte schon lange zu Wien gehörten, war ja die Verbindung in die Großstadt nur bis zum Linienwall nötig, denn dann war ja schon Wien.

Eine 1 1/2 stündige Stellwagenfahrt samt Pause - ich schätze Stellwägen sind ungefähr so schnell wie ein flotter Fußgänger - bringt uns vom Gürtel etwa 5 km weit weg. Ich rate einfach, und frage: War der Anfangspunkt der Fahrt in Hütteldorf?
10.01.2010, 00:43#18
Zitat
Original von moszkva tér
Die Fahrt dauerte bis zum Linienwall, heute Gürtel, eineinhalb Stunden. Beim Gürtel war sie noch nicht zu Ende. :daumenrunter: Bedenke den Ein-Kilometer-Abstand zum Schwedenplatz, den ich schon in einem früheren Beitrag erwähnt hatte.

Da ja die Vororte schon lange zu Wien gehörten, war ja die Verbindung in die Großstadt nur bis zum Linienwall nötig, denn dann war ja schon Wien. Du meinst wahrscheinlich die Vorstädte (zwischen Linienwall und Stadtmauer), die aber erst seit 1850 eingemeindet wurden. In den Jahren 1892 und 1904 wurden dann die Vororte (außerhalb des nunmehr Gürtels) eingemeindet. Ich gehe davon aus, daß sich unsere Geschichte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abspielt.

Eine 1 1/2 stündige Stellwagenfahrt samt Pause - ich schätze Stellwägen sind ungefähr so schnell wie ein flotter Fußgänger - bringt uns vom Gürtel etwa 5 km weit weg. Ich rate einfach, und frage: War der Anfangspunkt der Fahrt in Hütteldorf? In Hütteldorf wars nicht, aber Du bist nicht weit weg. :daumenrunter: Du unterschätzt außerdem die Geschwindigkeit der Stellwagen. Wenn die Zeitangabe im Bericht stimmt, hat der Wagen in 90 Minuten sogar 9,1 Kilometer zurückgelegt, wenn er über jene Route verkehrte, die ich für die wahrscheinlichste halte.
11.01.2010, 14:11#19
Hatte das Fuhrmannhaus in der Linzer Straße 404 was mit der Geschichte zu tun?
Zitat

http://kiwithek.kidsweb.at/index.php/Penzing_…uhrmannhaus.E2.80.9C
Im Fuhrmannhaus in der Linzer Straße 404 wird noch immer regelmäßig ein richtiger Bauernmarkt abgehalten.

Dieses Haus stammt noch aus dem 17. Jahrhundert und gehörte einst einem Fuhrwerksunternehmer. Ab 1851 war hier die Endstelle für Stellwagen aus der Stadt. Oft mussten bis zu 100 Pferde versorgt werden.

Das Gebäude wurde baulich kaum verändert. Es sieht heute noch so aus wie vor 300 Jahren und ist noch immer im Besitz der Familie Fuhrmann.


kann man davon ausgehen, dass der Beginn der Fahrt im heutigen 14. Bezirk war (wenn du schreibst, nicht weit von Hütteldorf)?
11.01.2010, 14:18#20
Wenn ich die Aussagen koordiniere, könnte #5 der Linienwall sein.
Der Ausgangspunkt (ca. 9 km stadtauswärts und "nicht weit weg von Hütteldorf") könnte demzufolge der Bereich Mariabrunn/Auhof/Hadersdorf sein - wobei Auhof wegen der Schule wiederum ausscheidet.


Edit:Tippfehler bei der Ziffer korrigiert
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von Ottakring (11.01.2010, 14:21)