Streit über Pflaster der Höhenstraße

48 Beiträge · Seite 1 von 3
19.01.2010, 20:00#1
Zitat

Streit über Pflaster der Höhenstraße
Die Höhenstraße ist nach mehr als 70 Jahren ein Sanierungsfall. Die Stadt will sie asphaltieren, das Denkmalamt will das traditionelle Kopfsteinpflaster aber erhalten.

Denkmalamt: Seltenes Bauwerk
Notdürftig werden die schlimmsten Schlaglöcher immer wieder ausgebessert, eine Generalsanierung ist aber längst überfällig. Allzu oft kommen die Autos auf der Aussichtsstraße ins Holpern, was am nicht mehr zeitgemäßen Kopfsteinpflaster liegt.

Das Bundesdenkmalamt ist für eine Sanierung, aber nur wenn das ursprüngliche Erscheinungsbild wieder hergestellt wird. "Es handelt sich um ein besonderes Verkehrsbauwerk aus den 30er Jahren. Solche Bauwerke gibt es heute schon äußerst selten", erklärte Richard Wittasek-Dieckmann vom Denkmalamt.

Errichtet wurde die 14 Kilometer lange Höhenstraße im Ständestaat der 30er Jahre, als Arbeitsbeschaffungsprojekt und um den Wienerwald der motorisierten Oberschicht zu erschließen.

Historische Höhenstraße
Im Sommer 1934 begann der Bau der Höhenstraße. Das erste Teilstück wurde laut Stadt Wien im Abschnitt zwischen Cobenzl und Kahlenberg am 16. Oktober 1935 eröffnet. Insgesamt mussten 73.500 Quadratmeter Fahrbahnbelag als Granitkleinsteinbelag ausgeführt werden.

Die Sanierung der bestehenden Granitkleinsteinpflasterung ist kostenaufwendig.

Asphaltieren ist billiger
Die Stadt Wien will kein historisches Kopfsteinpflaster, sondern modernen Asphalt. Ausschlaggebend sind für sie der Lärmschutz und finanzielle Gründe. Denn mindestens 30 Millionen Euro kostet laut MA 28 eine neue Bepflasterung. Dem stehen 20 Millionen für das Asphaltieren gegenüber.

Das ist auch ein Grund, warum sich der Bezirk Döbling, durch den ein Großteil der Höhenstraße läuft, für die billigere Asphaltvariante ausspricht. Denn die Erneuerung muss aus dem Bezirksbudget bezahlt werden.

Erst im Laufe des nächsten Jahres wird entschieden werden, ob die Höhenstraße weiterhin unter Denkmalschutz stehen wird.


----> Quelle
----> Bericht in Wien Heute
19.01.2010, 22:13#2
RE: Streit über Pflaster der Höhenstraße
Zitat
Original von 5er-Franzi
Denn mindestens 30 Millionen Euro kostet laut MA 28 eine neue Bepflasterung. Dem stehen 20 Millionen für das Asphaltieren gegenüber.

Und was würde es wohl kosten, stattdessen die Zahnradbahn wieder zu errichten? Natürlich zeitgemäß, als ganz normale Tramway! In einem Grünraum, dann ganz ohne Straße und Autoverkehr. :lampe:
19.01.2010, 22:33#3
Eine nicht uninteressanter Idee, vielleicht durch eine Verlängerung der Linie 38 ?
20.01.2010, 02:22#4
Naja, daß der Straßenbelag dort asphaltiert gehört, steht aber außer Frage. Rein vom Optischen her, ist das Kopfsteinpflaster halt schon um einiges schöner. Wobei die 10 Millionen Differenz angesichts des Nacht-U-Bahnbetriebs gleichsam lächerlich wenig klingen. Das Kopfsteinpflaster hält wohl mit kleinen Ausbesserungen auch wieder 70 Jahre. Asphaltieren müssen sie wahrscheinlich wesentlich öfter.
20.01.2010, 08:01#5
Dass die Höhenstraße denkmalgeschützt gehört, steht meiner Meinung nach außer Zweifel. Wo sonst gibt es in Europa noch einen solch langen Straßenzug, der noch im Originalzustand der 1930er-Jahre ist?
Die Verkehrsbedeutung der Straße ist auch gering, im Gegensatz zu den ehem. Reichsautobahnen, sodass man einen schlechteren Fahrbahnbelag durchaus in Kauf nehmen kann.
Das Pflaster gehört also mMn erneuert. Die Kostendifferenz von 20 od. 30 Mio Euro relativiert sich auch, wenn man bedenkt, dass diverse Nordautobahnen oder Marchfeldschnellstraßen gemeinsam ein Vielfaches kosten werden, deren Verkehrsbedeutung aber ebenfalls fragwürdig ist.
Es geht ja auch nicht darum, eine Straße museal zu bewahren, sondern sie wäre nach der Sanierung weiterhin als solche benutzbar. Also haben alle eine Freude.

Es wäre schon schade um ein solches Kulturdenkmal. Straßen im Originalzustand von vor 70 Jahren fallen mir in Europa nur mehr wenige ein,... die Reichsautobahn Elbing-Königsberg war vor einigen Jahren z.B. noch genauso, wie sie 1940 gebaut wurde, soll aber erneuert werden.

Ach ja, wie wärs mit Verschieben in ein anderes Unterforum? Die Höhenstraße hat mit den Wiener Linien wenig zu tun - nur der 38A fährt dort, um den geht es aber nicht.
20.01.2010, 09:14#6
Die Pflastersteine sind tatsächlich eine Folter für jedes Auto. Aus autotechnischer Sicht würde ich mir Asphalt wünschen, aus photographischer Sicht natürlich Pflastersteine. Ist ein zweischneidiges Schwert.

Mein Wunsch wäre folgender Kompromiß: Den Großteil asphaltieren und an einigen ausgesuchten Stellen, den schönsten halt, das Pflaster restaurieren. So LU-Photostellen halt. ;)

LG Taxiorange, der auf der Höhenstraße gerne Autobus- und Autobilder macht.
20.01.2010, 09:46#7
Zu den Baukosten: Bei Erneuerung des Pflasters und sonstiger originalgetreuer Sanierung wäre die Höhenstraße auch eine super Filmkulisse für Filme, die in den 30ern spielen - was für eine Werbung für Wien, wenn z.B. Inglorious Bastards auf der Höhenstraße gefilmt werden würde.
Damit wären die höheren Baukosten vielleicht auch bald kompensiert.

Folter für jedes Auto? Wenn das Kleinteilpflaster saniert würde, wäre es auch nicht mehr so rumpelig wie jetzt. Und wie gesagt, einen echten Verkehrswert hat die Höhenstraße nicht, das ist eigentlich nur Ausflugsverkehr.
20.01.2010, 10:00#8
Zitat
Original von moszkva tér
Inglorious Bastards

Besterds, zur Zeit der Bastards gab's noch genug Kopfsteinpflaster.
20.01.2010, 10:57#9
Zitat
Original von Taxiorange
Mein Wunsch wäre folgender Kompromiß: Den Großteil asphaltieren und an einigen ausgesuchten Stellen, den schönsten halt, das Pflaster restaurieren. So LU-Photostellen halt. ;)

Soviel ich mitbekommen habe, wird - vor allem aus Kostengründen - genau daran gedacht.
20.01.2010, 13:12#10
Thema verschoben:

Allgemeines ----> Small Talk
20.01.2010, 14:36#11
20.01.2010, 20:18#12
Was haben die Geheimprojekte mit der Höhenstraße zu tun? ?(
20.01.2010, 23:24#13
Zitat
Original von Taxiorange
Die Pflastersteine sind tatsächlich eine Folter für jedes Auto.

Was hast du für ein Auto? 8o

Dort fährt sich's eh ganz gut. Rasen muss man ja nicht! ;)
21.01.2010, 01:09#14
Zitat
Original von hema
Dort fährt sich's eh ganz gut. Rasen muss man ja nicht! ;)

Das ist leider meine Befürchtung, sobald man dort asphaltiert - dann sind die Raser, vor allem am einspurigen motorisierten Kraftfahrzeug, verstärkt unterwegs. Ansonsten kann man gegen eine Asphaltierung eh nicht sehr viel sagen, ich würde jedenfalls eine Straße, die im Austrofaschismus unter Ausnutzung billigster Arbeitssklaven entstanden ist, nicht für unbedingt denkmalschützenswert halten.
21.01.2010, 07:17#15
Zitat
Original von 13er
..., ich würde jedenfalls eine Straße, die im Austrofaschismus unter Ausnutzung billigster Arbeitssklaven entstanden ist, nicht für unbedingt denkmalschützenswert halten.


Nach dieser Logik wären aber die Pyramiden oder das Kolosseum, um nur zwei Beispiele von tausenden Weltkulturdenkmälern zu nennen, auch nicht schützenswert? :rolleyes: Gebaut von Sklaven in autoritären Regimes...
Ernsthaft, die Höhenstraße ist in Originalzustand, das betrifft nicht nur das Pflaster, sondern auch das gesamte Umfeld, wie Brückenbauwerke, die Betonleitpflöcke und sogar die Geometrie der Kreuzungen. Ich finde das schon schützenswert, und einen Hinweis auf die Entstehungsbedingungen kann man sehr wohl angeben, sollte man sogar. Und ich bitte, mich nicht falsch zu verstehen: Ich will solche Regimes oder diese Zeiten keineswegs glorifizieren.

Zitat
Original von bernhard222
Was haben die Geheimprojekte mit der Höhenstraße zu tun? verwirrt

Das war wohl als Hinweis gedacht, was man in Wien sonst noch so an Infrastruktur aus dieser Zeit finden kann, wenn auch die Höhenstraße per se nichts mit den Geheimprojekten zu tun hat, da zu einer anderen Zeit in einem anderen Regime errichtet. Ich hab den Link sehr interessant gefunden, und nicht als allzu unpassend zu diesem Thema.
21.01.2010, 09:57#16
Zitat
Original von moszkva tér
Nach dieser Logik wären aber die Pyramiden oder das Kolosseum, um nur zwei Beispiele von tausenden Weltkulturdenkmälern zu nennen, auch nicht schützenswert?

Naja, wollen wir nicht übertreiben. Es ist doch ein wenig gewagt, die Höhenstraße mit den Pyramiden zu vergleichen, findest du nicht ;) Oder ist im Krapfenwaldl unter den Pflastersteinen irgendwo das Mausoleum vom Dollfuß?
21.01.2010, 10:15#17
Zitat
Original von 13er
Zitat
Original von moszkva tér
Nach dieser Logik wären aber die Pyramiden oder das Kolosseum, um nur zwei Beispiele von tausenden Weltkulturdenkmälern zu nennen, auch nicht schützenswert?

Naja, wollen wir nicht übertreiben. Es ist doch ein wenig gewagt, die Höhenstraße mit den Pyramiden zu vergleichen, findest du nicht ;) Oder ist im Krapfenwaldl unter den Pflastersteinen irgendwo das Mausoleum vom Dollfuß?


Natürlich will ich die Höhenstraße nicht mit den Pyramiden gleichsetzen, ich wollte nur das Argument entkräften, dass eine Denkmalschützensunwürdigkeit unterstellt, weil in einem autoritären Regime mit Sklavenarbeit errichtet.

Wie gesagt, ich finde halt die Straße als Ensemble schützenswert. Dazu gibt es halt unterschiedliche Meinungen, die eben genau hier diskutiert werden können ;)
21.01.2010, 10:15#18
Zitat
Original von 13er
Naja, wollen wir nicht übertreiben. Es ist doch ein wenig gewagt, die Höhenstraße mit den Pyramiden zu vergleichen, findest du nicht ;) Oder ist im Krapfenwaldl unter den Pflastersteinen irgendwo das Mausoleum vom Dollfuß?

Die Höhenstraße ist ja auch nicht die Gruft vom Dollfuß. Erhaltungswürdigkeit hat meiner Meinung nach nichts mit dem Bauherren zu tun. Ich hätte auch die Berliner Mauer erhalten – also jetzt nicht unbedingt vor dem Brandenburger Tor, aber ein längeres Stück an einer weniger störenden Stelle.
21.01.2010, 10:23#19
Zitat
Original von Linie 41
Die Höhenstraße ist ja auch nicht die Gruft vom Dollfuß. Erhaltungswürdigkeit hat meiner Meinung nach nichts mit dem Bauherren zu tun. Ich hätte auch die Berliner Mauer erhalten – also jetzt nicht unbedingt vor dem Brandenburger Tor, aber ein längeres Stück an einer weniger störenden Stelle.


Ich finde auch, dass Bauwerke, die an Schreckensherrschaften erinnern, erhalten gehören, kombiniert mit entsprechenden Hinweisen, um folgenden Generationen zu veranschaulichen, wie es damals war, und auch, um folgenden Generationen die Möglichkeit zu geben, daraus zu lernen, damit sich solche Verbrechen nicht wiederholen.
Es ist immer eine Frage, was man draus macht - einen Vergnügungspark oder eine würdige Gedenkstätte. Das KZ Auschwitz-Birkenau ist z.B. zurecht ein Unesco-Welterbe. Dass es von manchen Touristen dennoch als Disneyland gesehen wird, ist ein anderes Problem...
21.01.2010, 10:52#20
Zitat
Original von moszkva tér
Ich finde auch, dass Bauwerke, die an Schreckensherrschaften erinnern, erhalten gehören, kombiniert mit entsprechenden Hinweisen, um folgenden Generationen zu veranschaulichen, wie es damals war, und auch, um folgenden Generationen die Möglichkeit zu geben, daraus zu lernen, damit sich solche Verbrechen nicht wiederholen.

Das denkst du aber bei der Höhenstraße nicht wirklich, dass da mehr als 0,01%, die drüberfahren, an die christlichsozialen Arbeitermörder denken?
Zitat
Original von moszkva tér
Es ist immer eine Frage, was man draus macht - einen Vergnügungspark oder eine würdige Gedenkstätte. Das KZ Auschwitz-Birkenau ist z.B. zurecht ein Unesco-Welterbe. Dass es von manchen Touristen dennoch als Disneyland gesehen wird, ist ein anderes Problem...

Mittlerweile sogar ohne "Zieltafel"... oder hat man die schon wieder gefunden?