Bahnstrecke Wien–Moskau

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09.06.2010, 15:56#21
RE: Bahnstrecke Wien-Moskau
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Original von moszkva tér
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Original von WeSt
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Original von umweltretter
Höchstens 4 Schienen. Denn 3 Schienen gehen sich soviel ich weiß aufgrund der Spurweiten genau nicht aus.

Bingo, denn der Unterschied der Spurweiten ist genau zu gering (bösen Gerüchten zufolge soll das Absicht gewesen sein).


Ich denke, das liegt am metrischen System.
Die Russen haben von Haus aus 1,5 m genommen (1500 mm), während in Resteuropa 1453 mm irgendein Relikt aus Zoll und Fuß sind. Die Eisenbahn kommt ja ursprünglich aus England.

Übrigens, falls es wer nicht weiß, auch auf der Iberischen Halbinsel wird auf 1500 mm gefahren.

Deine Maße stimmen nicht ganz. Jene Spurweite, die wir in Zentraleuropa als "Normalspur" kennen (in Russland, Irland etc. heißt sie natürlich nicht so!) hat eine Weite von 4 Fuß und 8,5 Zoll, sprich 1435 mm (also 143,5 cm), die russische Spurweite hat 1520 mm (152 cm), die Breitspur auf der spanischen Halbinsel sogar 1668 mm (166,8 cm). Eine dreigleisige Strecke könnte man zwischen Frankreich und Spanien also locker legen, da der Unterschied hier 23,3 cm beträgt, nicht jedoch zwischen Russland und Zentraleuropa, wo es nur 85 Millimeter sind.

Die breiteste Spurweite weltweit bei Bahnen (die dem Personentransport dienen) findet man übrigens bei uns in Österreich, genauer gesagt in Salzburg. Das ist eine Standseilbahn im Nationalpark Hohe Tauern mit irgendwas über 8 (!) Metern Schienenabstand! Hab ich vor längerer Zeit schon irgendwo im Internet gelesen...
09.06.2010, 16:02#22
RE: Bahnstrecke Wien-Moskau
Zitat
Original von penner16
Die breiteste Spurweite weltweit bei Bahnen (die dem Personentransport dienen) findet man übrigens bei uns in Österreich, genauer gesagt in Salzburg. Das ist eine Standseilbahn im Nationalpark Hohe Tauern mit irgendwas über 8 (!) Metern Schienenabstand! Hab ich vor längerer Zeit schon irgendwo im Internet gelesen...

8200 mm genau. Bin schon einmal mit ihm gefahren
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Zell am See046 - Kopie.jpg
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von P.S.38 (09.06.2010, 16:03)
09.06.2010, 17:11#23
RE: Bahnstrecke Wien-Moskau
Zitat
Original von umweltretter
Zitat
Original von ttoommii
Ich suche, suche und suche und finde keinen Sinn für diese Erweiterung. :evil:

Nur so eine Schnapsidee: Wenn man schon so unbedingt Breitspur nach Wien haben will, könnte man doch ein drittes Gleis dazubauen zur bisherigen Strecke.
Dann wird ein Gleis eben 3 Schienen haben. Billiger als jetzt eine ganz neue Trasse zu bauen.

Höchstens 4 Schienen. Denn 3 Schienen gehen sich soviel ich weiß aufgrund der Spurweiten genau nicht aus.


Ja, daran hab ich dann später auch gedacht
10.06.2010, 12:00#24
RE: Bahnstrecke Wien-Moskau
Danke an penner16, der mein Halbwissen bezüglich Spurweiten korrigiert hat :daumenhoch:
04.03.2011, 21:41#25
Nix mit 2016
Zitat
Original von http://www.orf.at/stories/2045692/
ÖBB: Breitspurbahn nach Russland nicht vor 2024

ÖBB-Chef Christian Kern gibt sich bezüglich des Projekts einer Verlängerung der Transsibirischen Eisenbahn auf Breitspur bis nach Wien eher verhalten.

Es handle sich zwar um ein grundsätzlich „faszinierendes Infrastrukturprojekt“, das Zieldatum sei aber erst 2024/25. „Bis dahin sind noch einige Fragen zu klären“, sagte Kern heute vor Journalisten in Wien.

Zunächst müsse die Machbarkeit genau geprüft werden, dann könne man sich die Finanzierung überlegen. Der Chef der russischen Bahn, Wladimir Jakunin, hatte sich im APA-Interview für das Projekt einer eurasischen Bahnachse auf Breitspur starkgemacht.
04.03.2011, 22:02#26
Na gut, das ist zu verkraften. Es gibt wirklich dringendere Bahnanliegen in Österreich. Spurt man halt noch ein paar Jahre in Brest um.
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von bernhard222 (04.03.2011, 22:04)
05.03.2011, 01:34#27
Hallo,

Die schaffen ja nicht mal bis nach Tschechien. :D

Das ist totaler Werbe-Fantasie-Glaube, das wird nie umgesetzt und wenn, dann sicher nicht so schnell. Ja, auch wenn es einige Jahre hin sind, so ein Projekt mit Planung und Problemen ist nicht "von heute auf morgen" fertig.

gehtjanx
07.03.2011, 10:21#28
Zitat
Original von bernhard222
Na gut, das ist zu verkraften. Es gibt wirklich dringendere Bahnanliegen in Österreich. Spurt man halt noch ein paar Jahre in Brest um.

Ja. Außerdem frage ich mich, warum wir dafür zahlen sollen, dass russische Breitspurwagen nach Österreich kommen. Was bringt uns das?
07.03.2011, 16:47#29
Zitat
Original von Ferry
Zitat
Original von bernhard222
Na gut, das ist zu verkraften. Es gibt wirklich dringendere Bahnanliegen in Österreich. Spurt man halt noch ein paar Jahre in Brest um.

Ja. Außerdem frage ich mich, warum wir dafür zahlen sollen, dass russische Breitspurwagen nach Österreich kommen. Was bringt uns das?

Verlängerung der TRANSSIB nach Wien 8-)
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von P.S.38 (07.03.2011, 16:48)
08.03.2011, 15:21#30
Zitat
Original von P.S.38
Verlängerung der TRANSSIB nach Wien 8-)

Na, dann könnte man sie doch gleich weiter Richtung Portugal verlängern - dann könnte man sie TRANSEUROP-SIB nennen... :D
10.03.2011, 08:04#31
Zitat
Original von Ferry
Zitat
Original von P.S.38
Verlängerung der TRANSSIB nach Wien 8-)

Na, dann könnte man sie doch gleich weiter Richtung Portugal verlängern - dann könnte man sie TRANSEUROP-SIB nennen... :D


Lissabon -> via Moskva -> Beijing in 14 Tagen. :D
10.03.2011, 10:05#32
Nur mal so als Denkmodell:

Wäre es eigentlich möglich, Rillenschienen zu walzen die beide Spurweiten ermöglichen? Also innen Normal- und außen Breitspur?

Leider fehlen mir die grafischen Möglichkeiten um sowas mal am PC auszuknobeln.

Okay, von den daraus resultierenden Kompliktionen bei Weichen etc. will ich jetzt mal gar nicht ausgehen. ;)
20.05.2011, 23:38#33
Pressemeldung ÖBB
Zitat
Original von http://www.lok-report.de/news/news_europa_oesterreich.html
Breitspurbahn bis Wien möglich
Am 20.05.11 unterzeichneten der Präsident der Russischen Eisenbahnen AG (RZD), Wladimir Jakunin, und der Vorstandsvorsitzende der ÖBB-Holding AG, Christian Kern, in Moskau einen Vertrag, der die gute Zusammenarbeit der ÖBB mit den russischen Staatsbahnen (RZD) noch weiter ausbaut. Das beinhaltet auch das Projekt einer möglichen Verlängerung der Breitspurbahn von Kosice nach Wien, sowie die Kooperation im Bereich von Logistikdienstleistungen.
Nur 450 km - nämlich die Eisenbahnstrecke zwischen Wien und Košice - ist man derzeit aufgrund der unterschiedlichen Spurweite von einer direkten Ost-West-Verbindung und damit einem durchgehenden Schienenweg von Zentraleuropa nach Asien entfernt. Durch die Verlängerung der Breitspurstrecke von Wien nach Košice würde ein einheitliches Schienensystem geschaffen, das die osteuropäischen und die asiatischen Märkte mit den zentraleuropäischen Märkten direkt und ohne Zeitverzögerung miteinander verbindet und gleichzeitig grünes Licht für ein umweltverträgliches Transportwesen der Zukunft gibt. Dadurch würden auch Wachstum und Arbeitsplätze geschaffen werden.
Der Vorschlag, eine derzeit in Košice in der Ostslowakei endende Bahnlinie nach Bratislava bzw. Wien zu verlängern, wurde von Roland Berger Strategy Consultants im Rahmen einer von der Breitspur Planungsgesellschaft mbH in Auftrag gegebenen Studie untersucht - einem Joint Venture von vier gleichberechtigten Partnern - ÖBB, RZD, UZ and ŽSR, den nationalen Eisenbahngesellschaften Österreichs, Russlands, der Ukraine und der Slowakei.
Durch die Verlängerung der Breitspur - diese beträgt 1.520 mm gegenüber 1.435 mm Normalspur - entstehen ein zentraler Logistikanbieter sowie ein Güterkorridor von 8.000 km Länge, der eine verkürzte Transportzeit auf 15 Tagen mit der Bahn gegenüber bisher 35 Tagen mit dem Schiff ermöglicht. Die Frachtkapazität der Strecke liegt bis 2050 bei mindestens 16 Millionen Tonnen jährlich.
Mit dem Ausbau der Breitspurstrecke kommt es zu einer stärkeren Nutzung des Breitspursystems zwischen Europa und China bzw. Russland als attraktive Alternative zum Seeweg. Weiters ist die Twin City-Region Wien-Bratislava, in der sich zahlreiche Infrastrukturachsen kreuzen, ein idealer Standort für die Systemgrenze zwischen Normal- und Breitspur - und damit für einen weiteren in Europa dringend benötigten Logistikstandort mit tausenden Arbeitsplätzen.
Der Gütertransport auf der Schiene ist eine sichere Alternative zum Seeweg, da kritische Streckenpassagen (z.B. von Piraterie betroffene Seewege) oder Krisengebiete vermieden werden. Mit der Streckenverlängerung der Breitspurbahn wird ein elektrifiziertes und somit umweltfreundliches Verkehrsnetz geschaffen.
Die in Auftrag gegebene strategische Machbarkeitsstudie bescheinigt einerseits die technische und rechtliche Machbarkeit des Projekts, anderseits weist sie auf die „neue Dimension eines wettbewerbs­fähigen und umweltverträglichen Schienentransportsystems in Eurasien“ hin. Die Autoren kommen zum Schluss, dass sich durch die Verlängerung der Breitspurbahn bis 2050 jährlich voraussichtlich zwischen 16 Millionen Tonnen und 24 Millionen Tonnen Frachtaufkommen erzielen lassen. Nicht nur die Twin City-Region Wien - Bratislava als logistisches Zentrum würde aufgewertet, sondern es würden insgesamt mehr als 33 Länder in West- und Mitteleuropa, Zentralasien, Russland und dem Fernen Osten von der Verlängerung wirtschaftlich profitieren.
Durch die Errichtung würden durchschnittlich durch direkte oder indirekte Beschäftigung 21.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Nach Fertigstellung würden durch den Zugbetrieb zumindest 6.400 Arbeitsplätze entstehen sowie weitere 3.100 Arbeitsplätze durch den Betrieb der Terminals und der restlichen Infrastruktur, besagt die Studie.
Die Errichtungskosten für die Strecke belaufen sich laut Studie auf 6,36 Milliarden Euro. Aus den Untersuchungen geht hervor, dass die Kosten im Rahmen vergleichbarer europäischer Eisenbahnprojekte liegen.
Die strategische Machbarkeitsstudie ebnete den Weg für den nächsten Schritt nach vorne: Die Eisenbahngesellschaften sowie die zuständigen staatlichen Behörden der vier Partnerländer analysieren die Ergebnisse, um die weiteren Planungsvorarbeiten in Angriff nehmen zu können.
In weiterer Folge wird eine Markt- und Wettbewerbsanalyse erstellt, das Geschäftsmodell sowie die Beteiligungsstruktur im Detail entwickelt, die Produktionsprozesse am existierenden Korridor und die Aufnahme der Verkehre optimiert sowie strategische Kooperationen geprüft. Zu Ende dieses Prozesses wird ein detailliertes Konzept für den Marktaufbau vorliegen. Bereits vor der möglichen Realisierung des Breitspurprojekts werden RZD und ÖBB ihre Kooperation im Logistikbereich intensivieren.
Im Infrastrukturbereich erfolgen ebenfalls weitere Konkretisierungen bezüglich der Zugzahlenabschätzung für das Normalspurnetz in Österreich nach Fertigstellung der Breitspurbahnstrecke. Bei positivem Entscheid kann ab dem Winter 2011 eine umfassende Machbarkeitsstudie durchgeführt werden.
Als Kriterien zur Entscheidungsfindung für dieses Projekt werden unter anderem eine sorgfältige Betrachtung der Wirtschaftlichkeit, des Finanzierungskonzepts, standortpolitische Überlegungen sowie volks- und verkehrspolitische Überlegungen herangezogen (Pressemeldung ÖBB, 21.05.11).
23.05.2011, 11:43#34
RE: Pressemeldung ÖBB
Zitat
Original von umweltretter
Zitat
Original von http://www.lok-report.de/news/news_europa_oesterreich.html
Breitspurbahn bis Wien möglich
Die Errichtungskosten für die Strecke belaufen sich laut Studie auf 6,36 Milliarden Euro. Aus den Untersuchungen geht hervor, dass die Kosten im Rahmen vergleichbarer europäischer Eisenbahnprojekte liegen.

Fragt sich nur, wer das - die Kosten liegen bei stolzen 14 Millionen Euro pro Kilometer (ich frage mich, was da alles gebaut wird!) - bezahlen soll.
23.05.2011, 16:17#35
RE: Pressemeldung ÖBB
Interessant in dem Zusammenhang wäre auch noch, wo und wie der österreichische Abschnitt verlaufen soll. Sinnvoll wäre ja, die Strecke an einem gscheiten Güterumschlagplatz enden zu lassen: Wiener Hafen, Kledering, Inzersdorf? Außerdem müsste man ja auch Umspuranlagen einplanen, wird durchaus platzverbrauchend, nehm ich mal an.

Kennt da jemand konkretere Überlegungen bzgl. der Örtlichkeiten?
02.04.2012, 14:11#36
Habe ein wenig heute in meinen Lieblingsforum :D geschmökert und diesen schon etwas älteren Artikel gefunden; Was die "russische" Breitspur von 1524mm(jetzt1520mm) ist, ist keine russische Erfindung sondern Sie kommt - aus den USA !
1524mm sind nämlich genau 5 Fuß, und im 19.Jahrhundert gab es einige Strecken in den USA, vor allem in den Südstaaten (im Film"der General"wird eine Entführungsversuch eines Eisenbahnzuges während des amerik. Bürgerkrieges behandelt-der sogar ein tatsächliches Vorbild hat;was die wenigsten Leute wissen-diese Bahnstrecke war eine der 5-Fuß-Strecken).
Diese Strecken wurden dann nach den Krieg alle auf 1435mm "umgenagelt", was sich allerdings bis 1886 (also gut 19Jahre) hingezogen hat.
Der Grund, warum Russland diese Spurweite übernommen hat, waren m.W. wirklich strategische Gründe-Normalspurige Züge können dadurch in Russland nicht fahren und da nur 89mm Unterschied ist,kann keine 3te "Normalspurschiene" eingelegt werden (was allerdings in 2 Weltkriegen die Deutschen Armeen nicht daran hinderte, tausende Kilometer Gleis umzunageln).
Überhaupt ist die Sinnhaftigkeit solcher "strategischer" Maßnahmen zu hinterfragen-man verhindert damit nicht wirklich eine feindliche Invasion, aber im zivilen Alltagsbetrieb erschwert man sich das Leben ungemein (auch das 14,5t Achsdrucklimit in der Monarchie hat letztendlich nur betriebliche Nachteile mit sich gebracht).
29.06.2013, 23:36#37
Mit dem Bummelzug zum großen Deal

21.06.2013 | 18:43 | von Hanna Kordik (Die Presse)

Russland will seine Bahnstrecke an Mitteleuropa anbinden – via Österreich. Ein Milliardenprojekt, das Österreich großen volkswirtschaftlichen Nutzen brächte. Trotzdem ging in der Sache jahrelang nichts weiter.

Der Anruf erreichte Michael Spindelegger am ersten Juniwochenende. Unangekündigt. Am anderen Ende war der russische Außenminister Sergej Lawrow. Kurze Schrecksekunde: Ging es um den geplanten Abzug der österreichischen Blauhelme vom Golan? Falscher Alarm, Spindeleggers russischer Amtskollege hatte ein ganz anderes Anliegen. Und so plauderten die beiden über ein wirtschaftliches Großprojekt, das den Russen schon seit Jahren am Herzen liegt. Es geht um die Verlängerung der Breitspureisenbahnstrecke bis in den Raum Wien.

Ein wirtschaftlich höchst interessantes Projekt: Die transsibirische Breitspurstrecke, die bereits über die Ukraine nach Kosice (Slowakei) reicht, soll durch die Slowakei nach Mitteleuropa geführt werden – nach Österreich.

Befürworter des Projektes führen vor allem volkswirtschaftliche Argumente ins Treffen: Mit der Verbindung der zwei verschiedenen Spurweiten gäbe es für Gütertransporte von Asien nach Europa eine ökologisch nachhaltige Alternative zum Seeweg. Eine, die darüber hinaus enorm zeitsparend ist.

Mit einem nicht zu unterschätzenden Vorteil für Österreich: Mit der Errichtung eines Terminals zum Güterumschlag auf österreichischem Boden würde quasi eine Drehscheibe zwischen den Märkten Europas und Ostasiens geschaffen – und dies sei mit Arbeitsplätzen und entsprechender Wertschöpfung verbunden.

So weit, so gut.

Umso erstaunlicher, dass in den vergangenen Jahren in der Angelegenheit nichts weiterging. Auf österreichischer Seite, wohlgemerkt. Die Idee gibt es jedenfalls schon wirklich lang. In Österreich wurde das Thema erstmals unter FPÖ-Verkehrsminister Michael Schmid virulent. Und der war immerhin schon im Jahr 2000 in Amt und Würden. Dann kamen und gingen die Verkehrsminister Monika Forstinger (FPÖ), Mathias Reichhold (FPÖ), Hubert Gorbach (FPÖ) und Werner Faymann (SPÖ). Nichts passierte.

Wobei in der Ära Faymann zumindest ein Versuch unternommen wurde. Der damalige SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer war von dem Projekt jedenfalls ziemlich angetan – wohl auch nach gutem Zureden seines Freundes, Rechtsanwalt Leopold Specht. Der saß damals immerhin im ÖBB-Aufsichtsrat.

Die Sache verlief dennoch im Sand. Klar: Mit so einem Projekt sind nicht rasche, sichtbare Erfolge zu verbuchen. Im Gegenteil: Zunächst muss einmal jede Menge Geld in die Hand genommen werden. Am Geld scheiterte das Ganze bislang denn auch. Und an der ablehnenden Haltung der von der neuen Eisenbahntrasse betroffenen Bundesländer Niederösterreich und Burgenland.

Dann kam Doris Bures. Per Dezember 2008 übernahm die SPÖlerin das Verkehrsministerium. Und immerhin: Anfang 2009 wurde die Breitspur Planungsges.m.b.H. gegründet. Ein Unternehmen, das zu je einem Viertel den Russen, den Ukrainern, den Slowaken und den Österreichern – sprich: den ÖBB – gehört. Dann wurde sogar der Unternehmensberater Roland Berger beauftragt, ein Grundlagenpapier zu erarbeiten. Es soll freilich inhaltlich recht dürr gewesen sein und wurde rasch schubladisiert. Zwei Millionen Euro hat der Spaß gekostet.

Bei den Partnern machte sich ein gerüttelt Maß an Ungeduld breit: Die Ukrainer und die Slowaken drohten mit dem Absprung. Der deutsche Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ging derweil mit einem Alternativprojekt hausieren: der Führung der Breitspurstrecke über Polen nach Deutschland. Österreich drohte das feine Projekt abhandenzukommen.

Glückliche Fügung: Als Spindelegger am 15. Mai seine „Österreich-Rede“ in der Hofburg hielt, war dort alles, was in der Volkspartei Rang und Namen hat, anwesend.

Aber auch zwei SPÖler gaben ihm die Ehre: ÖBB-Chef Christian Kern und Siemens-Boss Wolfgang Hesoun. Spindelegger sprach die beiden am Rand der Veranstaltung auf das Breitspurprojekt an. Und jetzt kommt Bewegung rein.

Erstaunlicherweise geht es nun, nach jahrelangem Quasi-Stillstand, recht schnell. Mittlerweile soll auch der burgenländische SPÖ-Landeshauptmann Hans Niessl im Boot sein. Der Preis dafür war die Zusage, dass der Terminal in Parndorf errichtet werden soll.

Damit musste nur mehr der Regierungspartner „geknackt“ werden. Nach gelungener Absprache mit Kanzler Werner Faymann ließ Spindelegger sein Kabinett einen Regierungsantrag formulieren, der freilich von der einigermaßen pikierten Doris Bures eingebracht werden musste.Am 11. Juni wurde der Antrag im Ministerrat abgesegnet.

Und damit ist alles auf Schiene. Vorerst, zumindest: Am 4. Juli wird Österreich mit Russland jedenfalls ein „Memorandum of Understanding“ unterzeichnen. Womit die Russen verbindlich zusagen werden, dass sie 20 Millionen Euro in die Hand nehmen, um eine Planungsstudie anfertigen zu lassen.

Bei dieser Studie geht es um das nicht ganz unwesentliche Detail, wie viel das ganze Projekt kosten und wer welchen finanziellen Anteil übernehmen soll. Ursprünglich war von einem gesamten Investitionsvolumen in der Höhe von sechs Milliarden Euro die Rede. Mittlerweile wird das Projekt eher nicht billiger geworden sein.

Dem Vernehmen nach sind die Österreicher bereit, ein Viertel der Terminal-Kosten zu übernehmen. Zusätzlich zu den Kosten für die rund 40 Kilometer lange Trasse, die von der Grenze nach Parndorf führen soll.

Verhandlungssache. Aber die Österreicher hatten es bisher ja eh nicht eilig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2013)
05.07.2013, 11:58#38
Die Unterzeichnung des zuvor erwähnten "Memorandum of Understanding" dürfte sich um einen Tag verzögert haben:

Breitspureisenbahn: Parndorf im Gespräch

In Wien treffen einander am Freitag die Chefs der staatlichen Eisenbahnen von Russland, Ukraine, Slowakei und Österreich. Thema ist ein großes Infrastrukturprojekt. Konkret geht es um die Verlängerung der russischen Breitspureisenbahn bis Österreich - Parndorf ist im Gespräch.


Die russische Breitspur-Eisenbahn endet derzeit nach 10.000 Kilometern in der Ostslowakei. Dort werden die Container von Waggons mit einer Spurbreite von rund 1,5 Metern umgeladen auf Waggons mit der in Europa üblichen Spurbreite von zirka 1,4 Metern. Russland will nun die Breitspurbahn bis in den Raum Wien verlängern. Die Kosten für das 400 Kilometer lange Teilstück werden auf rund 6 Milliarden Euro geschätzt. Realisierungshorizont: 2030.

In Vorstudien ist von drei möglichen Standorten für den Umladebahnhof die Rede. Einer davon liegt auf der Parndorfer Platte, die anderen in Niederösterreich. Bei der Verladestation könnten 3.000 Arbeitsplätze entstehen, sagte ÖBB-Chef Christian Kern im vorigen Herbst. Damals holte sich Verkehrsministerin Doris Bures grünes Licht für Verhandlungen mit Russland, Ukraine, Slowakei und den Bundesländern.

Absichtserklärung für Machbarkeitsstudie
Am Freitag wird ein weiterer Schritt gesetzt. Die Eisenbahnchefs der betroffenen Staaten unterzeichnen in Wien eine Absichtserklärung. Sie stellen das nötige Geld für eine Machbarkeitsstudie zur Verfügung. Darin wird genauer als in den Vorstudien unter anderem untersucht, welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen das Projekt hätte.

Die Verantwortlichen im Burgenland sehen es derzeit noch neutral, sagt Verkehrskoordinator Peter Zinggl. Man wolle die Ergenisse der Studie abwarten und dann entscheiden, ob sich das Land aktiv dafür einsetzen wird, die Verladestation ins Nordburgenland zu bekommen.

Beste Grüße
VT
05.07.2013, 18:47#39
In der Online-Ausgabe des heutigen Standard gefunden:
http://derstandard.at/1371171749313/Transsib-soll-in-Wien-andocken
06.07.2013, 15:34#40
In Parndorf könnte man die Container dann auf andere Waggons umladen, oder gleich per LKW weitertransportieren. Was mir nicht ganz klar ist, ist, warum man das Terminal nicht irgendwo in Verbindung mit einem Donau-Hafen baut, wo man dann die Möglichkeit hat, die Container auch auf Schiffe zu verladen. Das Gebiet südlich von Bratislava nahe dem Ende der österr. A6 sieht so aus, als ob es dafür in Frage kommen könnte.

Aus einer touristischen Perspektive wär's natürlich auch lustig, ein Breitspurgleis bis zum Hauptbahnhof zu legen und dann eine Art verlängerte Transsib-Reise anzubieten ;-)