Geplante, realisierte und gescheiterte Hausabbrüche

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02.09.2010, 23:05#1
In irgendeinem Thread wurde einmal eher beiläufig auf den anstehenden Abriss eines Gründerzeithauses im 9. Bezirk hingewiesen. Es handelt sich um das Eckhaus Alserbachstraße 12/Boltzmanngasse 21, das zuletzt es eine Notschlafstelle beherbergte, die dann gemeinsam mit einem Gasthaus und einem Fahrradgeschäft dem Vorhaben des Eigentümers, das Haus abzubrechen und durch einen Neubau zu ersetzen, weichen musste.

Das Haus ist recht prominent gelegen und zwar befindet es sich an der Kreuzung Alserbachstraße/Liechtensteinstraße/Boltzmanngasse, gegenüber ist ein Brunnen und dahinter das Areal des Palais Liechtenstein. Schräg gegenüber liegt die Markthalle Nussdorfer Straße. Wer desöfteren mit den Linien 5, 33 oder 40A unterwegs ist, der wird es evtl. kennen. ;)

Hier der ursprünglich geplante Neubau:
Bild
Quelle: http://www.lutter.at/projekte/boltzmanngasse/index.htm
Eine wahre Pracht, nicht wahr? Wären nicht die unregelmäßigen Auslassungen bei den Fensterbändern und die bunten Glasscheiben darunter, dann könnte man das glatt als Hommage an die 70er Jahre durchgehen lassen. :rolleyes:

Einige unbelehrbare Reaktionäre, die offenbar zu den Leuten zählen, die nicht jedes neu errichtete Gebäude - auch wenn es noch so hässlich und architektonisch einfallslos ist - grundsätzlich als Ausdruck des Fortschritts betrachten, haben für die Rettung des bestehenden Gebäudes Unterschriften gesammelt und das Neubauprojekt letztlich zu Fall gebracht. :daumenhoch:

Diese Nachricht ist jetzt auch schon beinahe ein Jahr alt (ich bin allerdings erst heute darauf gestoßen) und von einer Revitalisierung ist bis jetzt noch nichts zu merken. Die Zukunft wird zeigen, ob der Hauseigentümer tatsächlich gewillt ist, das Gebäude zu erhalten.
_____

Bleiben wir in der Gegend: Zwischen dem ehemaligen Modehaus "Eisenbahner" und dem früheren Sitz der Niederösterreichischen Versicherung (?) am Donaukanal befand sich an der Alserbachstraße ein Ensemble von drei ähnlich gestalteten dreistöckigen Gründerzeithäusern. Eines davon, das Haus Alserbachstraße 26, wurde in den vergangenen Monaten wegen angeblich durch ein Erdbeben verursachter Risse im Mauerwerk abgerissen:
Bild

Quellen:
http://wienextra.wordpress.com/2009/09/23/kuc…manngasse-21-bleibt/
http://wienextra.wordpress.com/2010/06/25/als…-26-wird-abgerissen/
http://wienextra.wordpress.com/2010/07/19/mit…se-26-wird-es-ernst/ (auch letztes eigebundenes Bild)
Warnung: Der Autor dieser Website ist ziemlich SPÖ-affin :D
02.09.2010, 23:35#2
RE: Geplante, realisierte und gescheiterte Hausabbrüche
Zitat
Original von N1_2888
In irgendeinem Thread wurde einmal eher beiläufig auf den anstehenden Abriss eines Gründerzeithauses im 9. Bezirk hingewiesen. Es handelt sich um das Eckhaus Alserbachstraße 12/Boltzmanngasse 21, das zuletzt es eine Notschlafstelle beherbergte, die dann gemeinsam mit einem Gasthaus und einem Fahrradgeschäft dem Vorhaben des Eigentümers, das Haus abzubrechen und durch einen Neubau zu ersetzen, weichen musste.

Ja, das Fahrradgeschäft musste damals auf die Lände übersiedeln und am Haus war über die ganze Geschäftsbreite ein Plakat affichiert, das den Hausabbruch und die neue Adresse des Geschäfts ankündigte.

Ich war sehr überrascht, als dann (ich glaube, es war in der Bezirkszeitung) angekündigt wurde, dass man das Haus doch stehenlassen wird. Möglicherweise ging es ja auch nur darum, die bisherigen Mieter und Bewohner zu entfernen, um das Haus für Immobilienspekulationen benutzen zu können, und man bekam sie nicht anders raus als mit dem vorgeschobenen Abbruch.

Die Altsubstanz entlang der 5er-Strecke ist großteils noch in Ordnung, an größeren Bausünden ist in den letzten Jahren nur das Wissenschaftshaus Ecke Spitalgasse / Sensengasse dazugekommen.

Falls das Haus aber wirklich zum Abbruch vorgesehen war und nur durch die Proteste bewahrt werden konnte, darf man nun nur noch hoffen, dass es nicht "warm abgetragen" wird. Kommt ja durch "bedauerliche Unaufmerksamkeiten" von Bauarbeitern immer wieder vor.
03.09.2010, 07:12#3
RE: Geplante, realisierte und gescheiterte Hausabbrüche
Zitat
Original von 13er
Falls das Haus aber wirklich zum Abbruch vorgesehen war und nur durch die Proteste bewahrt werden konnte, darf man nun nur noch hoffen, dass es nicht "warm abgetragen" wird. Kommt ja durch "bedauerliche Unaufmerksamkeiten" von Bauarbeitern immer wieder vor.


Cpt. Obvious erinnert z.B. an die Sophiensäle ;)

Edit: Peinilchen Tippfelher ausgebessret :)
Dieser Beitrag wurde 2-mal editiert, zuletzt von moszkva tér (03.09.2010, 07:19)
03.09.2010, 08:53#4
In diese Kategorie passt auch das Eckhaus Sobieskigasse/ Währinger Gürtel, gleich vis-á-vis der U6 Station Nußdorfer Straße.

Ich hab jetzt die guten Bilder zuhause, hier nur mal als Orientierungshilfe das Haus, wie es noch in NORC dargestellt wird (samt zum damaligen Zeitpunkt noch vorhandener Beate Uhse-Filiale :D )

Mittlerweile ist der Neuaufbau im vollen Gange, Pläne und Zeichnungen zum kombinierten Geschäfts-, Büro- und Wohnhaus konnte ich nirgends finden.
Anhänge
Sobieskigasse_NORC.jpg
03.09.2010, 08:54#5
Zitat
Original von 37er-Wagen
Ich hab jetzt die guten Bilder zuhause, hier nur mal als Orientierungshilfe das Haus, wie es noch in NORC dargestellt wird (samt zum damaligen Zeitpunkt noch vorhandener Beate Uhse-Filiale :D )

Die ist ja nun in die Währinger Straße gegenüber die Anatomie gezogen :D
03.09.2010, 14:39#6
Weil ich vor einiger Zeit einen Artikel darüber gelesen hab:

Auch das Haus Neustiftgasse 7 steht kurz vor dem Abriss.

Bild


Der Eigentümer hat das Biedermeierhaus über Jahre hinweg verfallen lassen und keine Reparaturarbeiten mehr durchgeführt, um durch einen Neubau (der vermutlich mehr Geschoßfläche haben wird) höhere Renditen herauszukriegen.

Für das Haus in der Neustiftgasse liegt bereits ein Abbruchbescheid der Baupolizei vor, zwei der noch verbliebenen Mieter weigern sich jedoch, auszuziehen und kämpfen mit allen (juristischen) Mitteln gegen den geplanten Abriss.
03.09.2010, 14:43#7
Zitat
Original von martin8721
Für das Haus in der Neustiftgasse liegt bereits ein Abbruchbescheid der Baupolizei vor, zwei der noch verbliebenen Mieter weigern sich jedoch, auszuziehen und kämpfen mit allen (juristischen) Mitteln gegen den geplanten Abriss.

Hier böte sich vielleicht das Abtragen nach der Penzinger Methode an ;)
03.09.2010, 15:03#8
Zitat
Original von 13er

Hier böte sich vielleicht das Abtragen nach der Penzinger Methode an ;)



Was ist die "Penzinger Methode"?
Hat die auch was mit "warm abtragen" zu tun? ?(

Neugierige Grüße...
03.09.2010, 15:11#9
Zitat
Original von martin8721
Was ist die "Penzinger Methode"?


----> Das hier! ;)
03.09.2010, 16:39#10
Zitat
Original von Linie 38
Zitat
Original von martin8721
Was ist die "Penzinger Methode"?


----> Das hier! ;)


Ach ja, ich weiß schon wieder!
Die Hauseinstürze im 14. Bezirk und die Verschwörungstheorie, dass die U3 daran schuld sein könnte. 8-)
03.09.2010, 18:52#11
RE: Geplante, realisierte und gescheiterte Hausabbrüche
Zitat
Original von 13er
an größeren Bausünden ist in den letzten Jahren nur das Wissenschaftshaus Ecke Spitalgasse / Sensengasse dazugekommen.

Naja, an diesem Gebäude hab ich wenig auszusetzen, das ist architektonisch mMn nicht schlecht. Wenn das eine Bausünde ist, was sind dann die Gebäude in dem Gebiet, wo du arbeitest?
03.09.2010, 19:09#12
Zitat
Original von martin8721
Zitat
Original von Linie 38
Zitat
Original von martin8721
Was ist die "Penzinger Methode"?


----> Das hier! ;)


Ach ja, ich weiß schon wieder!
Die Hauseinstürze im 14. Bezirk und die Verschwörungstheorie, dass die U3 daran schuld sein könnte. 8-)


[OT]

Ohne 95B vorgreifen zu wollen, kann ich mir schon wieder sehr gut eine hypothetische Pressemeldung im WL-Stil vorstellen. :D 8-)

Zitat
Original von Wiener Linien?
Im Rahmen einer Pressekonferenz gaben die Wiener Linien bekannt, dass zu Testzwecken zwei neue U-Bahn-Garnituren der Type V2 ("V2-Wagen") demnächst an die Wiener Linien ausgeliefert werden sollen - wobei Answer Wrong schon zu Beginn eine Anlehnung der Typenbezeichnung zur Raketenbauart als reinen Zufall zurückwies.

Diese Spezialgarnituren, die mit stärkeren Motoren ausgeliefert werden und so eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 175 km/h erreichen, entstanden aus einer waghalsigen und richtungsweisenden Idee eines erfahrenen Ingenieurs der Wiener Linien in Zusammenarbeit mit einer Wiener Abbruchfirma.

Als Folge der Pressespekulationen über die zunächst angenommene - aber später ausgeschlossene - mögliche Mitschuld der durch die U3 verursachten Erschütterungen im Zusammenhang mit dem Hauseinsturz Anfang August in der Kendlerstraße, wurde eine Machbarkeitsstudie durchgeführt und schließlich die Ideen der Abbruch - Ubahn geboren.

In den nächsten Monaten sollen diese Garnituren nun versuchsweise in den Nachtstunden unter der Woche (um die Nacht - Ubahn nicht zu behindern) unter zum Abbruch freigegebenen Häusern, die sich in unmittelbarerer Umgebung der Strecken befinden, mit voller Geschwindigkeit durchfahren und die Auswirkungen durch die verstärkten Erschütterungen auf die Bausubstanz untersucht werden.
Im Falle positiver Ergebnisse - von denen die Verantwortlichen ausgehen - erklärten die Wiener Linien ihre Kooperationsbereitschaft mit anderen Verkehrsbetrieben sowie den damit verbundenen Export dieser zukunftsträchtigen Technologie.


[/OT]
Dieser Beitrag wurde 2-mal editiert, zuletzt von 42er (03.09.2010, 19:15)
03.09.2010, 19:35#13
RE: Geplante, realisierte und gescheiterte Hausabbrüche
Zitat
Original von umweltretter
Wenn das eine Bausünde ist, was sind dann die Gebäude in dem Gebiet, wo du arbeitest?

Ja, dagegen ist das ein Lercherl. Ich könnt mich jeden Tag übergeben, wenn ich zwischen Parksilos und Glasstahlbeton zur Arbeit gehe...
03.09.2010, 23:53#14
Zitat
Original von martin8721

Ach ja, ich weiß schon wieder!
Die Hauseinstürze im 14. Bezirk und die Verschwörungstheorie, dass die U3 daran schuld sein könnte. 8-)

Indirekt (eigentlich gar nicht so indirekt) schon! Um Gewinne aus der Grundstückaufwertung zu lukrieren, welche die U-Bahn mit sich bringt, müssen die alten Schaluppen weg, die den Weg zum Geld versperren.
14.01.2012, 08:55#15
Habe in der Kiste gekramt, nachdem ich wußte, daß es dieses Thema gibt.
Dieses wunderschöne Haus nächst der U6-Station Nußdorfer Straße soll demnächst einem "bunten Hotel" weichen, wie in der HEUTE kürzlich zu lesen war. Hier ein Bild aus maps.bing.com

LG Taxiorange
Anhänge
📎 HausDoeblingerStr.jpg (Anhang nicht mehr vorhanden)
14.01.2012, 09:43#16
Zitat
Gürtel: Neues Hotel für Döbling
von Tom Klinger | vor 4 Tagen

Bild
Gut für Döbling: VP-Bezirkschef Adi Tiller freut sich über Zuwachs in der Tourismuslandschaft.

Geplant sind 133 Zimmer in sieben Etagen • Abriss beginnt in Kürze

Direkt an der Ecke bei der Kreuzung Döblinger Gürtel und Döblinger Hauptstraße sticht aufmerksamen Passanten und Lenkern das leerstehende Althaus ins Auge. Nicht mehr lange, wenn es nach den Plänen von VP-Bezirkschef Adi Tiller geht. Denn statt der verfallenen Mauern soll ein modernes Hotel mit 133 Zimmern und 7 Bettengeschossen die Gürteleinfahrt optisch aufpolieren. Als Hotelbetreiber fungiert die Döhau-Liegenschaftsgesellschaft, die im 1. Wiener Gemeidebezirk angesiedelt ist.

Bauverhandlungen laufen noch

Tiller: „Das Gebäude steht weder unter Denkmalschutz noch in einer Schutzzone.“ Die nötigen Genehmigungen fehlen noch, die Frist für die restlichen Unterlagen endet im Februar. „Die Abbrucharbeiten werden den Verkehr nicht beeinträchtigen. Auch der Bau wird auf engstem Raum durchgeführt“, betont Tiller. „Im Innenhof ist zudem eine Grünzone angedacht“, so der Bezirkschef.

Quelle: meinbezirk.at

Das angeblich baufällige Haus wurde offenbar erst vor gar nicht allzu langer Zeit saniert:

Bild

Bild

Quelle: wien.gv.at

Vor einem Jahr gab es jedoch genau auf Höhe Döblinger Hauptstraße 2 einen Wasserrohrbruch. Hab allerdings noch nie gehört, dass ein Haus wegen den Folgen eines Wasserrohrbruches abgerissen werden müsse. ?( Wie auch immer: Zwar liegt das Gebäude mindestens an einer genauso prominenten Stelle wie dasjenige bei der Markthalle, von dem eingangs die Rede war, doch kann es sein, dass man aus genau diesem Fall "gelernt" hat: rasch schleifen, noch ehe sich Protest formieren kann. Das Abrissunternehmen "Prajo & Co." hat schon seine Transparente angebracht. :( BV Tiller, der im Übrigen länger an der Macht ist, als es Mubarak in Ägypten oder Ben Ali in Tunesien waren, scheint auch fest entschlossen zu sein ...
14.01.2012, 11:47#17
Danke für diese Ergänzung, N1 2888.
Der alte Tiller (solange ich Bezirkskaiser kenne, ist der dort am Ruder), soll das Feld räumen, bevor er noch mehr Baujuwele tötet.
Warum kann nicht gleich das schöne Haus zu einem Hotel umgebaut werden? Allein schon das große Dachfenster ist ein Traum, dahinter könnte ein Luxus-Hotelzimmer mit Morgen- und Vormittagssonne sein. Das wird vielen sicher noch leid tun! Noch steht das Juwel, kann es noch wer retten?

LG Taxiorange
15.01.2012, 18:47#18
Ehrlich gesagt habe ich etwas Angst, dass dieser Thread die Aufmerksamkeit von Vandalen und sonstigem Gesindel auf diese Häuser lenken könnte!
15.01.2012, 21:00#19
Kulturgut lässt sich dann am ehesten sang- und klanglos beseitigen, wenn niemand davon weiß. In diesem Sinne ist es nicht verkehrt, darüber in zu informieren. Ich glaube nicht, dass dieser Thread in der einen oder anderen Weise Auswirkungen zeitigen wird: Weder wird der Schmierberger sein Wirken auf abrissgefährdete Gründerzeithäuser ausdehnen, noch werden sich all die, die in diesem Thread Beiträge verfasst haben, über das Tippen hinaus aktiv für deren Erhalt einsetzen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sich das eitle Posieren des Herrn Tiller (oder ist das eine Fotomontage?) in der Döblinger Ausgabe der Bezirkszeitung, die zweifellos mehr Menschen erreicht als die Fanpage, als Bumerang erweist und sich in weiterer Folge in der einen oder anderen Form Widerstand gegen den Abbruch regen wird.
16.01.2012, 00:53#20
Kulturgut lässt sich dann am ehesten sang- und klanglos beseitigen, wenn niemand davon weiß. In diesem Sinne ist es nicht verkehrt, darüber in zu informieren. Ich glaube nicht, dass dieser Thread in der einen oder anderen Weise Auswirkungen zeitigen wird: Weder wird der Schmierberger sein Wirken auf abrissgefährdete Gründerzeithäuser ausdehnen, noch werden sich all die, die in diesem Thread Beiträge verfasst haben, über das Tippen hinaus aktiv für deren Erhalt einsetzen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sich das eitle Posieren des Herrn Tiller (oder ist das eine Fotomontage?) in der Döblinger Ausgabe der Bezirkszeitung, die zweifellos mehr Menschen erreicht als die Fanpage, als Bumerang erweist und sich in weiterer Folge in der einen oder anderen Form Widerstand gegen den Abbruch regen wird.
So gesehen hast du natürlich auch recht. Die Vandalen finden solche Häuser so oder so...