Geplante, realisierte und gescheiterte Hausabbrüche

128 Beiträge · Seite 3 von 7
11.03.2012, 15:59#41
Nachdem der Name weiter oben schon erwähnt wurde habe ich mich einfach darauf bezogen.

Die Pflanzung dürfte am Mittwoch oder Donnerstag stattgefunden haben, da habe ich vom Eck Lazaristengasse/Hofstattgasse aus einen VW T3 (Pritschenwagen) schief am Eck vor dem Restaurant parken gesehen und rundherum ungewohnte Aktivität bei strömendem Regen.

Offenbar handelt es sich um die Ersatzpflanzungen für die (legal) gefällten alten Bäume. Das spricht entschieden gegen einen fertigen Plan eines Großinvestors - ich denke wenn dort ein entsprechendes Bauvorhaben geplant wäre, wären die Ersatzpflanzungen noch großzügig verschoben worden.
15.03.2012, 12:41#42
Für die Döblinger Hauptstraße schaut es äußerst schlecht aus, Proteste hin oder her! Die Wienstrom hat bereits den Hausanschlusskasten und die Zuleitung entfernt, ich würde also befürchten, dass der Abbruch in den nächsten ein bis zwei Wochen beginnt.
15.03.2012, 14:14#43
Habe auch schon einen kleinen Bagger oder sowas ähnliches herumstehen gesehen... schei**

Traurige Grüße.
15.03.2012, 22:46#44
Habe auch schon einen kleinen Bagger oder sowas ähnliches herumstehen gesehen... schei**
Mit dem wurden offensichtlich zwei eigenartige Löcher auf der kleinen Grünfläche vor dem Haus ausgehoben (etwa 1x1m und einige Meter tief). Mit dem Abbruch dürfte der nichts drekt zu tun haben. Ich kann mir fast nur vorstellen, dass da entweder irgendwelche Leitungsarbeiten im Gange sind oder eventuell Bodenuntersuchungen für den Neubau gemacht werden. Ein Jammer um das schöne Haus!

Beim Sanften Heinrich wurden übrigens gleichzeitig mit den Baumpflanzungen die vorher weit offen stehenden Türen wieder verriegelt, allerdings ist im Dachgeschoss immer noch (seit Wochen) ein Fenster offen. Außerdem zeigen sich allmählich Verputzschäden unterhalb der Dachrinne.
16.03.2012, 08:05#45
Ein Jammer um das schöne Haus!


Du sagst es! Ich schaue jedesmal beim Vorbeifahren mit der U6 das tolle, große Dachbodenfenster an. Und denke mir dabei, daß es doch völlig unmöglich ist, sowas wegzureißen. :traurig:

LG Taxiorange
16.03.2012, 22:17#46
Es wurde auch direkt vor der Haustür ein Loch gegraben, washalb ich annehme, dass diverse Leitungsanschlüsse für den Abriss vorbereitet werden/wurden.
17.03.2012, 15:57#47
Es wurde auch direkt vor der Haustür ein Loch gegraben, washalb ich annehme, dass diverse Leitungsanschlüsse für den Abriss vorbereitet werden/wurden.
Das war sicher die Wienstrom, die die Hauszuleitung ausgegraben hat, eventuell auch die Wiengas. Nur die zwei Löcher neben dem Baum am Eck sind mir ziemlich unerklärlich, die scheinen nicht in direktem Zusammenhang mit dem Abbruch zu stehen - es sei denn, man musste die Leitungen erst suchen :D

An sich müssten alles in allem Strom-, Gas- und Wasserzuleitung entfernt werden, um das Haus problemlos abreißen zu können. Telefon und Telekabel kommen auch noch dazu.
18.03.2012, 21:17#48
Zudem haben sie das große Einfahrtstor am Döblinger Gürtel herausgerissen und mit einem Gitter versperrt. Damit ist das - versperrte - Haustor nicht mehr der einzige Weg ins Haus. Muß mal eine Fotoexpedition starten :( schad ums Haus
23.03.2012, 18:03#49
Rund um den Elterleinplatz stehen einige tragische Fälle.
1) Hernalser Hauptstraße 59. Steht offenbar seit vielen Jahren leer, Fenster sind seit mindestens etlichen Monaten offen. Im Mai ist noch die kurzfristige Nutzung für das Projekt probewohnen parterre des Kulturnetz Hernals vorgesehen.
http://www.wien.gv.at/kulturportal/m19objekte/bez17/05080901.jpg
Auch auf dem zweiten Foto von 1998 sieht das Haus schon nicht besonders gut aus, nur das Geschäftslokal scheint noch in Betrieb gewesen zu sein.
http://www.wien.gv.at/kulturportal/m19objekte/bez17/05080905.jpg
2) Hernalser Hauptstraße 61, scheint in irgend einer Form mit Nummer 59 verbunden zu sein, da es im Kulturgüterkataster gemeinsame Pläne für beide Häuser gibt. Noch interessanter ist, dass es sich dabei nicht um Originalpläne handelt, sondern um moderne Computerpläne!
Das Geschäftslokal geht auf alle Fälle über beide Häuser. In diesem Haus sind Fenster mit Brettern vernagelt, das Haus dürfte ebenfalls seit geraumer Zeit leer sein. Noch interessanter ist, dass im Gegensatz zu vielen anderen Häusern im Kulturgüterkataster ein relativ neues Foto zusätzlich vorhanden ist!
http://www.wien.gv.at/kulturportal/m19objekte/bez17/05081001.jpg
http://www.wien.gv.at/kulturportal/m19objekte/bez17/05081006.jpg

3) Hernalser Hauptstraße 60 sowie Hernalser Hauptstraße 62/ident Jörgerstraße 47. Letztes Jahr wurde mit dem (teilweisen?) Abbruch begonnen, dann wurden die Arbeiten unterbrochen und seither nicht mehr fortgesetzt. Beide Häuser haben kein Dach mehr und dürften völlig durchfeuchtet sein, durch die Fenster im 1. Stock erkennt man von außen die in Fetzen hängenden Tapeten.
http://www.wien.gv.at/kulturportal/m19objekte/bez17/09661101.jpg

4) Jörgerstraße 56-58: Das Dreimäderlhaus, Baujahr entweder 1886 oder 1901 (die Quellen widersprechen sich hier offenbar, vom Stil erscheint mir 1901 plausibler), errichtet von Maurermeister Mathias Bittmann.
http://www.wien.gv.at/kulturportal/m19objekte/bez17/Y0090609.jpg
Das Haus ist noch bewohnt, die Geschäftslokale stehen aber seit sicher 10 Jahren leer und in einem ist seit geraumer Zeit die abgehängte Decke eingestürzt. Das erscheint mir auch absolut kein gutes Zeichen. Leerstände sind zwar auch in den umliegenden Häusern zu verzeichnen, aber dass sämtliche Lokale auf einmal leer stehen ist definitiv verdächtig.
Hier gibt es umfangreiches und relativ aktuelles Bildmaterial auch von den Innenbereichen.
http://www.wien.gv.at/kulturportal/m19objekte/bez17/Y0090611.jpg

http://www.wien.gv.at/kulturportal/m19objekte/bez17/Y0090614.jpg
24.03.2012, 11:28#50
Damit es auch mal was Erfreuliches gibt: Betrifft Haus Sieveringer Straße 36 Ecke Daringergasse ("Daringerhof"). Vor ca. 30 Jahren hat der Besitzer alle Mieter hinaus geekelt, nachdem er den prächtigen Bau über Jahrzehnte verfallen ließ. Spekuliert hat er mit einem Verkauf an eine Wohnbaugesellschaft und dem folgenden Abriss (!!). Es gelang im letzten Moment das Haus unter Denkmalschutz zu stellen. Der Besitzer versuchte bis zuletzt, das zu vereiteln indem er plötzlich behauptete, gar nicht der Eigentümer zu sein: Das seien zwei Tanten von ihm, die im Ausland unbekannten Aufenthalts wohnten (!!!). Nur mit größter Mühe gelang es, den Schutzbescheid zuzustellen und ihn so rechtskräftig werden zu lassen. Das Haus wurde dann von der Generali Versicherung gekauft (für den Deckungsstock) und von Architekt Rollwagen vorbildlich restauriert. Heute erstrahlt der markante Bau wieder in alter Schönheit. Ein bisschen war ich auch an der Aktion beteiligt. :]
24.03.2012, 23:57#51
Diese Aktion hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das Gebäude wurde/wird mustergültig renoviert, prägt und bereichert diese Ecke Wiens ungemein.
25.03.2012, 16:55#52
Danke @WeSt für die Erläuterungen zu den Häusern rund um den Elterleinplatz, ich werde nächstens zu einer Fototour ausrüsten und die Gebäude einmal von außen dokumentieren.


Ein weiteres Beispiel für eine absolut gelungene Renovierung ist auch das Haus Schenkenstraße 5 im 1. Bezirk, gegenüber des Institutsgebäudes der Universität Wien. Es handelt sich dabei um den rückwärtigen Trakt des sog. Concordia-Hauses (ehem. Althansches Freihaus) in der Bankgasse 8. Erbaut wurde das Haus ca. 1660-1670, es ist daher bei weitem das älteste Haus in der näheren Umgebung. Noch vor zwei Jahren sah der Trakt in der Schenkenstraße ungefähr so aus: http://www.wien.gv.at/kulturportal/m19objekte/bez01/00085102.jpg


In den Jahren 2010 und 2011 wurde der Trakt mustergültig renoviert und neu gestrichen, es wurden neue Fenster im originalen Erscheinungsbild eingebaut. Abgesehen von der ungut blitzenden verchromten Dachrinne, die nicht so recht zum übrigen Erscheinungsbild passen will, wurde an dieser Stelle ein Stück Alt-Wien mustergültig wiederhergestellt. Damit hätte ich nicht gerechnet! :daumenhoch:

Wieder vorbeischauen müßte ich auch einmal beim Haus Wollzeile 13 ("Zum Römischen Kaiser", erbaut 1712). Ebenfalls bei weitem das älteste Haus in der Straße, wurde das schon sehr in Mitleidenschaft gezogene Gebäude (vgl. http://www.wien.gv.at/kulturportal/m19objekte/bez01/00023703.jpg ) im letzten Jahr einer Renovierung unterzogen. Ich hoffe, man hat dabei die prächtigen Pawlatschen im Innenhof nicht entfernt und auch sonst nicht übermäßig viel kaputtmodernisiert. Das Haus besitzt übrigens zwei Kellergeschoße, die ich damals mit Erlaubnis der Bauarbeiter sogar besichtigen durfte. Unglaublich, wie tief man damals hinuntergebohrt hat!
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von bernhard222 (25.03.2012, 17:04)
25.03.2012, 17:20#53
Weil es mir gerade untergekommen ist, noch ein weiterer Beitrag: anderswo verfallen Häuser im Stadtgebiet noch wesentlich stärker als bei uns. Die folgenden Bilder entstanden im Juli 2011 in Bytom bei Katowice in Oberschlesien. Das abgebildete riesige herrschaftliche Haus war wohl schon seit Jahrzehnten unbewohnt, nicht nur eine Geschoßdecke war bereits einen Stock tiefer gerutscht. Für uns wars jedenfalls Glück im Unglück: knappe zwei Wochen nach unserem Besuch wurde das Gebäude gänzlich abgerissen. Eine Straßenbahnstation weiter findet man übrigens eine hübsch renovierte Fußgängerzone und ein großes, neues Einkaufszentrum vor- wie eine andere Welt.



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25.03.2012, 20:07#54
Schade drum, aber anscheinend brauchts ja niemand mehr.
26.03.2012, 11:03#55
Zitat von Öffi-Freund
Heute erstrahlt der markante Bau wieder in alter Schönheit. Ein bisschen war ich auch an der Aktion beteiligt.

Super, Gratulation! Das ist ja ein Prachtbau. Siehe hier.
Möchtest Du uns verraten, wie Du zur Rettung beigetragen hast?

LG Taxiorange
26.03.2012, 20:38#56
Möchtest Du uns verraten, wie Du zur Rettung beigetragen hast?
Zum einen kannte ich die Verhältnisse und Absichten des Besitzers, da meine Frau in dem Haus wohnte. Zusammen mit einem Bekannten gelang es uns dann gemeinsam, das Denkmalamt zu interessieren. Zum zweiten war ich aufgrund der Kenntnis der Bausubstanz an der Schätzung für den Ankauf durch die Generali beteiligt (allerdings ohne Namensnennung im Gutachten). Ich habe immer schon was für geschichtsträchtige Bauten über gehabt und wohne selbst in einem ca. 200 Jahre alten, ehemaligen Bauernhaus, welches ich großteils selbst revitalisiert habe (stand beim Kauf ca. seit 10 Jahren leer).
Lieben Gruß Öffi Freund =)
26.03.2012, 22:37#57
Zitat
Abgesehen von der ungut blitzenden verchromten Dachrinne, die nicht so
recht zum übrigen Erscheinungsbild passen will, wurde an dieser Stelle
ein Stück Alt-Wien mustergültig wiederhergestellt. Damit hätte ich nicht
gerechnet!
Die ist sicher nur verzinkt, da gibt sich der Glanz in ein paar Jahren ganz von selber. Die Verblechungen, die bei uns vor vielleicht 5 Jahren gemacht worden sind, sind schon wieder recht unauffällig grau. Verchromen wäre für eine Dachrinne viel zu aufwändig. Frisch verzinkte Bleche kann man übrigens auch nicht ordentlich lackieren, es sei denn man beschleunigt die Verwitterung künstlich mit Säuren o.ä..

Auch nicht ganz uninteressant ist die Baulücke Hernalser Hauptstraße 63. Dieses Grundstück hat auf sämtlichen historischen Stadtplänen keine Hausnummer und es ist nur ein seltsames langgestrecktes Gebäude eingezeichnet. Aus der fehlenden Hausnummer würde ich auf einen Lagerschuppen o.ä. schließen. Nach Lehmanns Adressbuch 1938 muss es wohl doch etwas mehr gewesen sein - das Häuserverzeichnis weist den Österr. Bundesschatz als Eigentümer aus und als Nutzer den Fotografen Franz Gabriel (Wohnung Hernalser Hauptstr. 49).

Auch beide (derzeit leerstehenden) Nachbarhäuser hatten den selben Eigentümer und standen/stehen anscheinend in Verbindung mit dem "Officiers Töchter Jnstitut" Kalvarienberggasse 28, nachmals Fachschule für Frauenberufe, derzeit so weit ich weiß Fachschule für Sozialberufe. Das Möbelhaus Bednar (Hernalser Hauptstraße 57-59), das 1998 noch bestand, gab es schon 1938 an dieser Adresse, ebenso die noch in Spuren zu erahnende Trafik Hernalser Hauptstr. 59. Laut Grundrissplan hatte übrigens keines der Geschäftslokale in diesen beiden Häusern Zugang zum Stiegenhaus! Ich kann nur vermuten, dass die Häuser eigentlich bis heute zur Schule gehören und nie normal bewohnt waren. Hernalser Hauptstraße 59 trägt noch eine schwer zu entziffernde Tafel "Jungarbeiterinternat".

Was ich mich frage ist, wieso dem Magistrat offensichtlich in den letzten zwei Jahrzehnten erstellte Grundrisspläne und Ansichten vorliegen. Das kann meiner Meinung nach fast nur bedeuten, dass in dieser Zeit ein beide Häuser betreffender Bauantrag gestellt wurde.
27.03.2012, 12:22#58
Der Vollständigkeit halber: Das Ende scheint bei der Döblinger Hauptstraße 2 gekommen zu sein: Bin heute vorbeigefahren, die eine Hälfte der Dachziegel ist schon weg :(
28.03.2012, 19:53#59
@WeSt: in die 2 Löcher in der Grünfläche wurden Maste einbetoniert, an denen seit Anfang letzter Woche die Straßenbahnoberleitung befestigt ist.
29.03.2012, 10:36#60
@WeSt: in die 2 Löcher in der Grünfläche wurden Maste einbetoniert, an denen seit Anfang letzter Woche die Straßenbahnoberleitung befestigt ist.

Ah, danke, das ergibt einigen Sinn! Die Aufhängung an der Hausfassade ist ja mit dem Abbruch nicht mehr möglich. Hoffentlich verschwinden die Masten wenigstens anschließend wieder, so wie in Gersthof (dort wurden nach dem Neubau diverser Häuser alle Masten bis auf jenen beim Trenner in der Gentzgasse entfernt).