Konkreter Vorschlag Zu wenige Kontrollen?

154 Beiträge · Seite 1 von 8
10.01.2011, 13:56#1
ich hoffe, der größte Teil der hier Schreibenden zählt zu den Fahrgästen, die ihre Fahrten mit gültigen Fahrausweisen unternehmen und keine Verteidiger von Schwarzfahrern (wie es sie in anderen Foren zum Thema ÖV gibt 8o ). Daher habe ich auch Verständnis dafür, daß entsprechende Kontrollen stattfinden , die aber andererseits nicht in Schikanen ausarten sollen, wie etwa ein Fall wo eine sichtlich gehbehinderte Person in anfahrenden Bus nicht schaffte, das Ticket in den Entwerter zu treffen und das Kontrollorgan unbarmehrzig zuschlug.
Umso mehr wundert mich, wie selten man einem Kontrollor begegnet. Ich benütze fast täglich zwischen 2 und 6 Fahrzeuge der WL und Partnerbetriebe, aber nachweislich seit dem 9.November wurde ich nicht ein einziges Mal kontolliert - ich bemerkte erst beim Kauf der neuen Jahresmarke, daß ich seit meiner Prag-Reise das WL-Ticket mit der Prager 3-Tages-Karte überdeckt hatte (dort wurde ich übrigens binnen 6 Tagen 2x "gecheckt"!
Ich wäre dafür, daß in jedem Bezirk mindestens ein Kontrollteam unterwegs wäre, so daß Schwarzfahrer tatsächlich jederzeit damit rechnen müßten, aufzufliegen.
10.01.2011, 14:48#2
Die Kontrollen in Wien treffen sowieso fast nur "dumme" Schwarzfahrer und Leute die schlichtweg vergessen haben einen Fahrschein zu entwerten, vor allem in der U-Bahn ist das leider teuflisch. Die Kontrollen zielen zu 90% leider auch auf diese Zielgruppen ab, das beste Beispiel dafür sind die Kontrollen bei Unis sofort nachdem die Semestertickets ablaufen :rolleyes:.

Am sinnvollsten wäre ein geschlossenes System wie es in anderen Großstädten längst üblich ist und bitte auch gleich mit elektronischen Tickets. Ich war gerade erst in London und dort funktioniert so ein System problemlos. Besonders toll ist, dass man keine Tageskarten kaufen muss. Wenn man den Betrag den eine Tageskarte kosten würde mit Einzelfahrten erreicht hat braucht man für weitere Fahren einfach nicht mehr bezahlen.
10.01.2011, 15:32#3
Zitat
Original von Ezekiel
Am sinnvollsten wäre ein geschlossenes System wie es in anderen Großstädten längst üblich ist und bitte auch gleich mit elektronischen Tickets.

Mögen der Herr noch ein paar Bewegungsprofile dazu? ;-))

Zitat
http://fm4v2.orf.at/rotifer/222051/main
JedeR, der/die in London eine registrierte "Oyster Card" zum (erheblich preisreduzierten) elektronischen Durchschreiten der Sperren in der Underground bzw. für Busfahrten verwendet, kann demnach künftig damit rechnen, in seinen/ihren Bewegungen von Regierungsagenturen überwacht zu werden.

Künftig? Folgende Anekdote ist schon so alt, dass ich nicht weiß, ob ich sie hier nicht schon einmal aufgeschrieben hab (wenn ja, bitte vergebt mir): In meinem Londoner Bekanntenkreis gab es eine brasilianische Studentin, die sich nebenher als Babysitterin verdingte.

Das Home Office verweigerte die Verlängerung ihres Studentinnenvisums mit dem nonchalanten Hinweis, dass sich aus den auf ihrer Oyster Card verzeichneten U-Bahn-Fahrten klar erkennen ließe, dass sie ihrem Studium nicht ernsthaft nachgehe.

Schön, oder?

Beste Grüße
VT
10.01.2011, 15:36#4
RE: Zu wenige Kontrollen?
Zitat
Original von Ottakring
Umso mehr wundert mich, wie selten man einem Kontrollor begegnet. Ich benütze fast täglich zwischen 2 und 6 Fahrzeuge der WL und Partnerbetriebe, aber nachweislich seit dem 9.November wurde ich nicht ein einziges Mal kontolliert

Mich würde gerne wissen, wie viele Kontrollore so täglich für die Strassenbahn und Autobuse unterwegs sind. Die U-Bahn lasse ich absichtlich links liegen seit ich in der Haltestelle Rochusgasse der U 3 beobachten konnte, daß die Kontrollore dort rudelweise anzutreffen sind. Nicht nur beim Ausgang beim Rochusmarkt sondern auch gleichzeitig beim Ausgang Hainburgerstrasse. So um die 20 wären es schon gewesen sein, gezählt habe ich sie nicht die Gelbjacken.
Ich wohne seit 11 Jahren nahe der Ungargasse und bin täglich bis zum Juli des vergangenen Jahres mit den 4A gefahren. Jetzt geht es halt nicht mehr, meine Fortbewegung findet im Rollstuhl statt, wegen PAVK IV mit Gangränen an beiden Füßen infolge eines Herzinfaktes. In den 11 Jahren kam mir kein Kontrollor zu Gesicht ! Zufall oder sind so wenige Kontrollore unterwegs ?
10.01.2011, 15:38#5
Das könnte man leicht verhindern, indem man ein anonymisiertes übertragbares Ticket anbietet. Wenn man es verliert, hat man aber Pech gehabt. Abgesehen davon hält sich meine Begeisterung für geschlossene Systeme sehr in Grenzen.
10.01.2011, 16:50#6
Zitat
Original von Ezekiel
Die Kontrollen in Wien treffen sowieso fast nur "dumme" Schwarzfahrer und Leute die schlichtweg vergessen haben einen Fahrschein zu entwerten, vor allem in der U-Bahn ist das leider teuflisch. Die Kontrollen zielen zu 90% leider auch auf diese Zielgruppen ab, das beste Beispiel dafür sind die Kontrollen bei Unis sofort nachdem die Semestertickets ablaufen :rolleyes:.


Die Mittel zum Betrieb des ÖV müssen irgendwo herkommen, und ich würde z.B. die Förderungen für private Garagen sofort einstellen und dieses Geld umschichten. Es ist aber erfahrungsgemäß schlicht und einfach so, dass sich Schwarzfahren bei den Wiener Linien für viele auszahlen würde. 70 Euro eingesteckt haben, und wer sie nach 2 Monaten immer noch hat, hat das "Spiel" gewonnen. Nervös und ängstlich dürfte man dann aber nicht sein.

Solche Aktionen wie die oben beschriebenen müssten aber wirklich nicht sein, vielleicht sollte man es auch öfters auf die sanfte Tour probieren, und zur Abwechslung auch einmal _vor_ dem Zugang zu einem Bahnsteig nach Fahrausweisen fragen. Bei wenig frequentierten Buslinien würde ich es auch kaum als störend empfinden, beim Einsteigen einen Fahrausweis vorzeigen zu müssen.

Um das jetzige System aufrecht zu erhalten, würde es wohl auch reichen, an 10 - 20 natürlich vorher nicht angekündigten Tagen pro Jahr eine Sicherheitsfirma zu engagieren und kontrollieren zu schicken.

Eine übertragbare Jahreskarte fehlt natürlich auch im jetzigen System, und Wertkarten müsste es auf jeden Fall, zu nicht höheren Kosten, auch anonym geben.

Im Übrigen sollte jegliches Kontroll- (und wenn möglich Fahr-Personal) auch gleich Leberkäse- und Kebab-Esser zum Aussteigen auffordern können (würde die Qualität der Wiener Linien für mich jedenfalls sehr heben), und es nicht nur bitte, bitte-Aufforderungen geben. Das IST für manche Fahrgäste lästig, und steht ja an sich jetzt schon in den Beförderungsbedingungen.

Schreibfehler, Ergänzung
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von madmaxx (10.01.2011, 16:55)
10.01.2011, 17:15#7
Zitat
Original von madmaxx
Um das jetzige System aufrecht zu erhalten, würde es wohl auch reichen, an 10 - 20 natürlich vorher nicht angekündigten Tagen pro Jahr eine Sicherheitsfirma zu engagieren und kontrollieren zu schicken.

Hoffentlich kennen diese Leute sich dann auch gut genug mit den Eigenheiten von Tarifsystem und Entwerterstempeln aus, sonst kann man denen nach Belieben alles hinstrecken, was irgendwie nach gültiger Fahrkarte ausschaut (oder sich im Gegenzug irgendwelche ungerechtfertigten Unterstellungen gefallen lassen)... (Im Extremfall übersteigt der Aufwand für dahingehende Schulungen den durch die erhöhten Beförderungsentgelte erzielten Ertrag. :-/ )

Beste Grüße
VT

EDIT: Wortwiederholung ausgemerzt
Dieser Beitrag wurde 1-mal editiert, zuletzt von VT 5081 (10.01.2011, 17:18)
10.01.2011, 18:20#8
Auf zwei hier eingebrachte Ideen möchte ich kurz eingehen:
"Geschlossenes System" - das würde viele Fahrgäste mit etwas größerem Transportgut (Koffer, größere Einkaufstasche) vertreiben. Hab das sowohl in Paris wie auch London auf der Fahrt von den Bahnhöfen zu den Hotels "genossen". Außerdem - was ist bei Bus und Bim?
"Private Sicherheitsdienst" - da hat man andernorts ziemliche Probleme damit ( gab es da nicht vor einiger Zeit in Linz Übergriffe seitens des "Kontrollpersonals?) Das von den Sicherheitsdiensten engagierte Personal ist ja mitunter nicht ganz "astrein".
10.01.2011, 19:05#9
Zitat
Original von Ottakring
Außerdem - was ist bei Bus und Bim?

Moskau scheint sich sowas zumindest in manchen Fahrzeugen zu leisten:

http://www.railfaneurope.net/pix/ru/trams/Mos…2075_20050103_05.jpg

Beste Grüße
VT
10.01.2011, 19:19#10
Zitat
Original von VT 5081
Zitat
Original von Ottakring
Außerdem - was ist bei Bus und Bim?

Moskau scheint sich sowas zumindest in manchen Fahrzeugen zu leisten:

http://www.railfaneurope.net/pix/ru/trams/Mos…2075_20050103_05.jpg

Beste Grüße
VT

In Amsterdam verkehren die Straßenbahnen ebenfalls im geschlossenen System. Es gibt eigene Ein- und Ausgänge und einen Schaffnerplatz im Zug. Als ich bei meinem ersten Amsterdam-Besuch das erste mal in eine Bim eingestiegen bin, haben mich die Eingangsschranken ordentlich erschreckt! (Ich ging klarerweise zu einer "falschen" Tür...)

----> Amsterdamtram-Interior
10.01.2011, 19:28#11
Zitat
Original von Ezekiel
Am sinnvollsten wäre ein geschlossenes System wie es in anderen Großstädten längst üblich ist und bitte auch gleich mit elektronischen Tickets.

Das seh ich anders:

· Es gibt keine Personaleinsparungen, im Gegenteil, weil in jeder Station dann mindestens eine Aufsichtsperson anwesend sein muss.

· Kontrollore sind weiterhin nötig: Für das Straßenbahn- und Busnetz einerseits, weil es dort keine Sperren gibt, und andererseits weiterhin im U-Bahn-Netz, um Sperrenumgeher zu ertappen. (Auch in London, wo es überall Sperren gibt, gibt es in der U-Bahn Kontrollore...!)

· Kosten für die Anschaffung der Sperren und die Adaptierungen der Stationen fallen an.

· Ebenso Kosten für Betrieb und Wartung der Sperren.

· Mehr Fahrscheine werden dadurch auch kaum verkauft. Eingefleischte Schwarzfahrer fahren dann entweder weiterhin schwarz (siehe Paris, dort ist das Springen über die Sperren ein Volkssport) oder eben gar nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

· Die Sicherheit steigt nicht wirklich. Der Kauf eines Fahrscheines wäre für die meisten (Klein-)Kriminellen wohl keine große Hürde...

· Sofern nicht anonymisiert, wäre die Maßnahme ein weiterer Schritt zum Überwachungsstaat. Außerdem gibt es bei diesen Maßnahmen immer die Gefahr, dass die Daten in falsche Hände kommen.

· Sperren vor öffentlichen Verkehrsmitteln bewähren sich nicht. In Wien wurden welche bei der S-Bahn schon vor Jahrzehnten abgeschafft, und auch in Brüssel wurden die relativ neuen Sperren wegen mangelnder Sinnhaftigkeit wieder außer Betrieb genommen.
10.01.2011, 19:55#12
Zitat
Original von Ottakring
Außerdem - was ist bei Bus und Bim?

In Istanbul geht das:
R - Istanbul 23.8.2010

Aber das kostet definitiv (Aufsichtspersonen!) mehr als die paar Schwarzfahrer ...
10.01.2011, 22:22#13
Geschlossenes System in der U-Bahn: gut denkbar. Aber bei der Straßenbahn in Wien? Wie viele Stationen gibt es denn?

Ich habe das System in Istanbul heuer auch gesehen, aber da steht der Kontrollaufwand in Wien sicher in keinem vertretbaren Verhältnis zum zusätzlichen Fahrscheinaufkommen.
11.01.2011, 12:02#14
Zitat
Original von umweltretter

· Sperren vor öffentlichen Verkehrsmitteln bewähren sich nicht. In Wien wurden welche bei der S-Bahn schon vor Jahrzehnten abgeschafft, und auch in Brüssel wurden die relativ neuen Sperren wegen mangelnder Sinnhaftigkeit wieder außer Betrieb genommen.

Echt? In der S-Bahn gab es mal Sperren?
11.01.2011, 13:07#15
Zitat
Original von alexxx
Echt? In der S-Bahn gab es mal Sperren?

Angeblich bis 1972. Hier sind welche erahnbar:

http://www.eisenbahn-bilder.com/db/details.ph…id=29856&mode=search

Beste Grüße
VT
11.01.2011, 13:22#16
Zitat
Original von alexxx
Echt? In der S-Bahn gab es mal Sperren?

Ja, die gab es. Ich kann mich ganz dunkel an kleine Türen, ca. 30 cm hoch und etwa einem Meter über den Boden, erinnern. Die gingen nur in eine Richtung auf, d.h., es gab spezielle Zu- und Abgänge. Zumindest in Wien Mitte und beim Rennweg sind sie mir noch sehr undeutlich in Erinnerung, in Floridsdorf gab es sie m.W. auch.

Wenn mir meine Erinnerung jetzt keinen Streich spielt, musste man beim Rennweg, wo ja ein Aufenthaltsraum mit Verkaufsschaltern mittig angeordnet war, in der ersten Zeit beim Vorbeigehen seinen Fahrausweis herzeigen. Der Zugang war daher so angeordnet, dass er unmittelbar am "Glaskäfig" vorbeiführte, die anderen "Gänge" waren nur in der Gegenrichtung, d.h. für das Verlassen des Bahnsteigs passierbar. Das wurde dann später wieder fallengelassen, weil sich in der Stoßzeit regelmäßig ein Stau bildete.
11.01.2011, 18:27#17
Es gab auch auf der Stadtbahn Sperren! Und die Sperrenschaffner hatten bis 1961 (Einführung der Mako-Zangen) spezielle Zangen, die bei jeder Station ein eigenes Lochmuster erzeugten, so daß man die Einsteigestation erkennen konnte, weiters einen (manuellen) Fahrscheindrucker In der Mako-Ära hatten diese Tickets nur 3 statt der sonst üblichen 6 Zeilen - wohl weil man annahm, daß der Fahrgast bei Benützung der Stadtbahn nicht so oft umsteigen müsse. Erst ca. um 1970 kamen die heute üblichen Entwerter und die Sperren wurden aufgelassen.
Um gliech eine Frage der "Jugend" vorweg zu nehmen: Zwischen 1961 (1961) und 1967 (nächste Tariferhöhung + Integration der Privatbusse) wurde bei jedem Umstieg eine Zeile am Fahrschein gestempelt.
11.01.2011, 19:11#18
Zitat
Original von Ottakring
Es gab auch auf der Stadtbahn Sperren! Und die Sperrenschaffner hatten bis 1961 (Einführung der Mako-Zangen) spezielle Zangen, die bei jeder Station ein eigenes Lochmuster erzeugten, so daß man die Einsteigestation erkennen konnte, [...]

Laut diesem Netzplan galt Deine Theorie zur Stations-spezifischen Stanzform nur für Heiligenstadt - sonst mußten sich mehrere Stadtbahnstationen jeweils ein Symbol teilen.

Beste Grüße
VT

EDITS: Wortwiederholung ausgemerzt, Tipp-Ex
Dieser Beitrag wurde 2-mal editiert, zuletzt von VT 5081 (11.01.2011, 19:12)
11.01.2011, 20:40#19
Freilich waren die Stadtbahn-Sperren nicht so personalintensiv, weil (fast?) jede Station nur einen Zugang hatte. Kein Vergleich zu heute, wo Du schon am Praterstern vier oder fünf Personen bräuchtest als Kontrolle wegen dem Drüberspringen und zum Öffnen für Rollstuhlfahrer, Großgepäckträger etc.
11.01.2011, 22:12#20
Bitte keine Sperren ! Sie verzögern gerade in der HVZ den Fahrgastfluss und würden Schwarzfahrer ohnehin kaum abhalten.